Aug04

Reiseland

Einem Leserwunsch entspreche ich heute mit einem Beitrag über einen meiner Streifzüge als junge Geologin durch Namibia, dem damaligen Südwestafrika. Es war in den 1980-er Jahren. Nicht nur die Geologie, auch die Flora, die Fauna und die Geschichte sind sehr bunt! Über die bewegende Geschichte kann hier weitergelesen werden: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Namibiashttp://www.namibia-info.net/namibia/geschichte.html. Was damals den Alltag in Südwestafrika bestimmte, seit de jure ab 1966 eine eigene Verwaltung eingesetzt wurde, war die Widerstandsbewegung “People’s Liberation Army of Namibia” (PLAN), dem militärischen Zweig der Südwestafrikanischen Volksorganisation (SWAPO), die bis zur Unabhängigkeit 1990 mit Guerilla Attacken gegen die südafrikanische Besatzung und die weissen Siedler vorging. Unter diesem Himmel fanden damals die Reisen von entdeckungshungrigen Geologen statt. Heute würde man sagen, es war kein sicheres Reiseland! Von Tag zu Tag entfaltete sich ein schier endloser Horizont von Wüste, Halbwüste mit hin und wieder auftauchenden Oasen von überwältigender Fülle an seltenen, einmaligen Pflanzen, Tieren und eben auch Mineralien.

Welwitschie ©Freddy Weber  Namib Ghecko ©Chris Nel

Links: Welwitschie ©Freddy Weber eine der seltsamsten Pflanzen der Erde; Rechts: Gheko ©Chris Nel

Auf der Strecke von Etosha, einem Naturparadies im Norden nach Swakopmund, der Hafenstadt am Atlantik kommt man an imposanten Granitmassiven vorbei. Der Brandberg mit der berühmten Felsmalerei, der Weissen Dame und der Grosse und die Kleine Spitzkoppe sind prägnante Merkmale einer sonst flachen Landschaft und bergen in ihren Pegmatitgängen Edelsteinschätze. Berühmt sind die Topase von der Klein Spitzkoppe.

Google Kartenausschnitt mit Brandberg und Spitzkoppe, Namibia  Kleine Spitzkoppe, Namibia ©Ikiwaner

Links: Quelle GoogleMaps; Rechts: Kleine Spitzkoppe, ©Ikiwaner 

Geologie

Der Grosse und die Kleine Spitzkoppe sind zwei markante Inselberge, die den magmatischen Post-Karoo – Gesteinskomplexen angehören. Die weiten Flächen um die Spitzkoppe stellen die erodierte Rumpffläche des 650 bis 500 Mio. Jahre alten Damara-Gebirges dar. Wir befinden uns also in einer metamorphen, Schieferreichen Zone, die aus Sedimenten durch die Kollision von stabilen alten Kartonen, dem Kongokraton im Norden und dem Kalahari-Kraton im Süden, entstanden ist, siehe untere zwei Grafiken. Zur Erinnerung, eine ebensolche Zone, der Mosambique-Gürtel mit Ausläufer bis nach Zambia ist in einem früheren Beitrag (Edelsteine – die Schätze Afrikas) diskutiert worden.

Kongo & Kalahari Kratone  Kollision_Kratone

Links: Kratone (Grünert, 2000); Rechts: Kollision der Kratone (Grünert, 2000)

Die granitischen Magmenmassen der Spitzkoppe intrudierten 300 bis 400 Mio. Jahre später in den uralten Gebirgsrumpf und sind so gesehen anorogene Granite, welche also nicht an Gebirgsbildungsprozesse geknüpft sind. Der Grosse und die Kleine Spitzkoppe kamen erst in den folgenden Jahrmillionen durch Erosion an die Oberfläche. Für eine solche flächenhafte Abtragung ist eine intensive physikalische und chemische Verwitterung notwendig. Erst wurden die Deckschichten über den Granitstöcken abgetragen, bis diese an die Oberfläche gelangten. Da sich die Gesteine der Rumpffläche nicht so verwitterungsresistent wie die Granite verhielten, kam es zur weiteren Abtragung der umliegenden Flächen, so dass die Granitstöcke relativ zur Umgebung in die Höhe wuchsen. Diesen Vorgang bezeichnet man als Inselberg-Bildung.

Die Granite der Grossen und der Kleinen Spitzkoppe unterscheiden sich chemisch und texturell nur wenig, sie sind grobkörnig und homogen, jedoch sind sie unterschiedlich alt. Beide Granite sind von umfangreichen Pegmatitbildungen begleitet, wobei die Restschmelzen in dieser Region sehr Bor-, Beryllium- und Fluorreich waren (besonders, die der Kleinen Spitzkoppe) und es somit zu einer intensiven Bildung von Turmalin, Topas und Beryll kam. Diese Minerale sind oft mehrere Zentimeter gross und in guten Kristallen bis hin zu Edelsteinqualität ausgebildet. Diese Pegmatite wurden vor allem und ausschliesslich von Einheimischen abgebaut.

Und so kam es immer wieder vor, dass uns schöne, reine Kristalle gegen ein “Päckli” Zigaretten angeboten wurde. Zigarettensmiley Minen – wie schon in den vorhergehenden Beiträgen beschrieben – waren entweder oberflächliche Schürfungen, tiefe Löcher oder bedeutete auch graben im Sand, den Edelsteinhaltigen Alluvionen.

Mine an der Klein Spitzkoppe © Herman du Plessis Kleine Spitzkoppe, Blick aus der Mine ©Herman du Plessis Damarafrau schürft nach Topas in den Sanden bei der Klein Spitzkoppe, © Horst Windisch

Links & Mitte: Kleine Spitzkoppe: Minen, wie sie von Einheimischen betrieben wurden ©Herman du Plessis; Rechts: eine Damarafrau schürft nach Topas in den Sanden rund um die Klein Spitzkoppe, ©Horst Windisch

Kommentar schreiben/lesen

Jul14

Über den Ursprung der Bezeichnung Topas herrscht Uneinigkeit – Topas kann aus dem Arabischen abgeleitet werden und wird mit der endlich Gefundene übersetzt. Eine andere Variante nimmt Bezug auf die Insel Topaxin (heute Zebirget im Roten Meer), wo erstmals das Mineral gefunden wurde, das sich später als Olivin entpuppte. Eine andere Erklärung führt den Namen auf das Sanskrit-Wort tapas zurück, das “Feuer” oder “Leuchten” bedeutet.

Topas ist ein Inselsilikat

Das Inselsilikat Topas hat die Zusammensetzung Al2[(F,OH)2|SiO4]  und weist ein buntes Farbspektrum auf. Bekannt sind farblose (Silbertopase), gelbe, grüne, braune, blaue und rote Varianten. Eisen und Chrom bilden am häufigsten blaue und gelbe bzw. rote Topase. Farbveränderungen bzw. –veredelungen können bei Topasen durch Brennen und Bestrahlen (Gamma- oder Elektronenstrahlen) erreicht werden. Die Kristalle sind prismatisch, kurz- oder langsäulig und gehören zum orthorhombischen Kristallsystem. Topas weist glasartigen Glanz auf mit durchsichtiger bis durchscheinender Transparenz. Er ist zudem das härteste Silikat und eines der härtesten Mineralien in der Natur. Allerdings hat er eine vollkommene Spaltbarkeit senkrecht zu den SiO4-Ketten, die durch die Ebenen der schwachen Al-O, Al-OH und Al-F Bindungen bedingt sind. Nicht selten sind die Topaskristalle von beachtlicher Grösse. Der grösste jemals gefundene Topaskristall soll eine Länge von einem Meter und ein Gewicht von 2.500 kg haben und bei Ribáuè, Alto Ligonha in Mosambik gefunden worden sein – wow!

Topas auf Rauchquarz ©Rob Lavinsky, iRocks.com   Blauer Topas ©Rob Lavinsky, iRocks.com  Imperial Topas, Zambia ©Rob Lavinsky, iRocks.com

Silbertopas auf Rauchquarz aus Groot Spitzkopje, Namibia, blauer Topas, Imperial Topas aus Sambia; ©Rob Lavinsky, iRocks.com

Hämatit Topas ©Rob Levinsky, iRocks.com   Gelber Topas: Pyknite aus Altenberg, Sachsen ©Ra'ike

Links Hämatit Topas; ©Rob Lavinsky, iRocks.com / Rechts: Gelber Topas – Pyknite, aus Altenberg, Sachsen; ©Ra’ike

–> Für die Experimentierfreudigen und Tüftler eine kleine Anleitung: Wie erzeugt man Edelsteine?
Viel Spass und wenn Resultate vorliegen, schick es doch in die Runde!

 

4 Kommentare »



Die Lösung

Archiv