Dez30

Qaidam1Zu meinem Abschied möchte ich Sie an einen wundervollen, etwas abgelegenen Ort mitnehmen, den ich im Rahmen meiner Doktorarbeit bereisen und erforschen durfte: ins Qaidam-Becken am Nordost-Rand des Tibetplateaus. Das Sedimentbecken in Westchina liegt auf über 3000 Meter und ist etwa dreimal so gross wie die Schweiz. Sein Inneres ist mit bis zu 16 km Sedimenten gefüllt und seit rund 26 Millionen Jahren ist das Becken vollständig von heute 5000 m hohen Gebirgen umgeben und besitzt keinen Abfluss mehr. Damit schliesst es ein grosses Stück seiner tektonischen und klimatischen Geschichte in seinen jüngeren Sedimenten ein, was es für die Forschung besonders interessant macht. Das Qaidam-Becken ist gefüllt mit Sand-, Kalk- und Tonsteinen, die alle möglichen Farbschattierungen aufweisen; Risse sind heute oft mit Gips gefüllt und auf den Ebenen bilden sich Salzkristalle. Die wenigen Wasserstellen und Seen, die es in dieser wüstenhaften Gegend gibt, bestehen heute aus salzig-brackigem Wasser. Je nach Wasserqualität zur entsprechenden Zeit finden sich in den Ablagerungen Mikro-Fossilien von Süsswasser- oder Salzwasserlebewesen.

Qaidam2Ursprünglich handelte es sich beim Qaidam-Gebiet um einen Mikrokontinent, der bei der Kollision von Indien und Asien zwischen die Fronten geriet.  Noch immer bauen sich grosse Spannungen auf infolge des Kollisions- und Hebungsdruckes, die sich gelegentlich in heftigen Erdbeben im Altyn- oder Kunlun-Gebirge entladen.

Gewisse Sandsteine – vor allem solche, die während der späteren Jurazeit abgelagert worden waren – beherbergen Erdöl- und Kohlevorkommen, welche auch gefördert werden.

Mit diesem Einblick verabschiede ich mich von meiner treuen Leserschaft und wünsche Ihnen weiterhin viel Vergnügen auf erdwissen.ch – der Stein rollt weiter.

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Jun17

Sitzbänke aus italienischem Granit im neuen Durchgangsbahnhof Löwenstrasse im Zürcher Hauptbahnhof.Haben Sie ihn sich auch schon angeschaut – den neuen Durchgangsbahnhof Löwenstrasse in Zürich – den zugänglichen Teil der neuen Durchmesserlinie? Zwei breite Perrons sind bereit, die täglichen Ströme von Pendlern und Reisenden aufzunehmen. Das Bauwerk ist ganz jung, genauso wie der hellgraue Granit, der für Boden und Sitzbänke verwendet wurde. Geologische gesehen ist der Bergeller Novate-Granit, der unter dem Namen San Fedelino gehandelt wird, mit seinen 25 Millionen Jahren nämlich auch eher jung. Gut zu erkennen im Granit neben Quarz und Feldspat sind die beiden Glimmersorten, heller Muskovit und dunkler Biotit, die für ein edles Glitzern im Bahnhof sorgen. Das Magma drang erst in einer späten Phase der Alpenbildung in die bestehenden, übereinander geschobenen Decken-Einheiten im Bergell ein. Durch die gleichzeitige Bewegung entlang der Insubrischen Linie (hier auch Tonale-Linie genannt) wurde der Granitkörper in die Länge gezogen. In der Folge gelangte der Granit relativ schnell durch Erosion an die Oberfläche.

Novate-Granit San Fedelino am Boden im neuen Durchgangsbahnhof Löwenstrasse in Zürich.Im bestehenden Shopville sind auch bereits Gesteine aus Italien verbaut; die Bodenplatten aus Granit stammen dort allerdings aus Sardinien. Mehr dazu finden Sie im Artikel vom 1. Mai 2012.

Das Projekt imponiert. Im Untergrund herrscht teilweise Gedränge an Bauwerken, so liegt ein Teil des neuen Bahnhofes unter der Sihl, die hier in fünf grossen Kanälen im Untergrund durch den Bahnhof geführt wird, bevor sie am Platzspitz in die Limmat mündet. Für den Bahnhof Löwenstrasse mussten 350000 Kubikmeter Gestein ausgehoben werden. Mit dem Aushubmaterial wurden Kiesgruben im Rafzerfeld und im grenznahen Ausland aufgefüllt.

Wie gefällt Ihnen der neue Bahnhof?

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Jun03

Blick vom Monte San Giorgio auf den Damm von Melide im Luganersee. Links der San Salvatore. Südalpen.Die Schweiz ist geologisch sehr vielfältig, was auch mit der Tektonik, also dem Aufbau der Erdkruste zusammen hängt.

Von Norden nach Süden gliedert sich die Schweiz tektonisch in Tafel- und Faltenjura, Mittelland-Molassebecken und Alpen. Letztere lassen sich noch grob weiter unterteilen in Voralpen, Zentralmassive und Südalpen. In einer losen Serie möchte Erdwissen diese tektonischen Einheiten und jeweils das eine oder andere vertiefende Beispiel vorstellen.

Den Anfang machen die Südalpen. Als Südalpen wird das Gebiet südlich der Ost-West-verlaufenden Insubrischen Linie bezeichnet, welche die Südspitze des Tessins südlich von Locarno abtrennt. Die Gesteine Der San Salvatore von Lugano aus gesehen. Der Berg besteht aus permischen Vulkaniten und Sedimenten aus der Triaszeit im Gipfelbereich.sind meist zweifach metamorph überprägt worden, d.h. sie waren im Laufe der Erdgeschichte während zwei Phasen höheren Drucken und Temperaturen in der tiefen Erdkruste ausgesetzt. Dazu gehören u.a. Gneise, Amphibolite, Marmore und Quarzite. Im Bereich des südlichen Luganersees liegen vulkanische Gesteine aus der Perm-Zeit an der Oberfläche zwischen Monte San Giorgio und San Salvatore. Die Gipfel der beiden Berge bestehen allerdings aus teils fossilreichen Meeres-Sedimenten aus der Trias-Zeit. Das Südtessin war einst ein Flachwassergebiet mit Gräben und Hochzonen (Horsten), auf denen sich die berühmte Kalkbrekzie von Arzo bildete. Das Tessin allgemein bietet einige Orte, die besondere Erwähnung verdienen – mehr dazu demnächst in diesem Blog.

Was ist Ihr Geheimtipp fürs Tessin?

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Mai27

Der Geotrog oberhalb von Wölflinswil zeigt einen Querschnitt durch die Geologie im Aargauer Jura.So lautet das Motto der diesjährigen Natur- und Kulturwoche in Wölflinswil-Oberhof im Benkental (Kanton Aargau).

Wölflinswil bietet auch ohne Naturwoche geologisch ein paar faszinierende Einblicke. Oberhalb des Dorfes liegt der Geotrog, eine Art Koffer mit einem geologischen Profil durch den Aargauer Jura mit zugehörigen Gesteinsbeispielen. Und der Wölflinswiler Graben – eine tektonische Erscheinung – ist auch dauerhaft ausgeschildert. Während der Naturwoche können Sie die verschiedenen Gesteine auch in der Ausstellung im Alten Milchhaus besichtigen. Das Jurapark-Fest am 1. Juni und die Naturwoche bieten geologische Rundgänge und Exkursionen.

Stolleneingang im ehemaligen Eisenbergwerk Herznach.Der Aargauer Jura ist geologisch gesehen sehr vielfältig; Wölflinswil-Oberhof liegt zudem am Übergang vom Tafel- zum Faltenjura. Neben zahlreichen bekannten Fossilfundstellen wurde in früheren Zeiten auch Eisenerz abgebaut in Herznach (siehe Foto vom Stolleneingang) und Gips oberhalb von Küttigen. Salze und Mineralien runden das Bild ab.

Neben der Geologie soll in einer Kulturwoche aber auch Platz sein für „steinige“ Kunstformen; Steinskulpturen unterschiedlicher Art, aus Stein gehauen oder mit Stein gebaut laden ein zur Betrachtung.

Lassen Sie sich von Erde-Steine-Bodenschätze begeistern und machen Sie einen Ausflug ins Benkental! Welches ist Ihr liebster Bodenschatz?

Wissen Sie von ähnlichen Aktionswochen? Lassen Sie es uns wissen, wir stellen es hier gerne vor.

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Nov12

Double Arch in der Windows Section des Arches National Parks in Utah (USA)Natürliche Brücken aus Stein gibt es praktisch überall – Wasser ist bei der Bildung immer beteiligt, aber auf unterschiedliche Art und Weise. Weltberühmt sind die Steinbrücken im Arches National Park in den USA; dünne, dicke, kleine, grosse, lange und kurze Bögen aus rotem Entrada-Sandstein.

Vor 300 Millionen Jahren war die Region im Bundesstaat Utah von einem Meeresarm bedeckt, der allerdings immer wieder austrocknete, so dass fast 1000 m mächtige Salzablagerungen entstanden. Darüber folgten während der Trias- und Jurazeit vor 245 bis 144 Millionen Jahren küstennahe Ablagerungen von Kalken, Tonen und Sandsteinen. Die Salzschicht geriet unter Druck, das Salz wich entlang Schwachstellen aus und bildete Salzdiapire (Salzdome). Das überlagernde Gesteine zerbrach dabei. Entlang den Störungen konnte Wasser eindringen und das Salz lösen, so dass die Deckgesteine kollabierten.

Landscape Arch im Arches National Park in Utah (USA). Wie lange dieser steinerne Bogen wohl noch hält?Im Bereich des Nationalparks treffen zusätzlich zwei grosse Störungssysteme aufeinander. Entlang den parallelen Störungen dringt Wasser ein – im Winter Eis – und vergrössert die Ritzen stetig, so dass Kuppen und Grate entstehen. Besitzt ein Grat oben gut zementiertes, widerstandsfähiges Gestein, löst das herunter fliessende Wasser das Gestein seitlich weiter unten und es entsteht mit der Zeit ein Loch und eine Brücke.

So kommt es auch, dass laufend neue Bögen entstehen und immer wieder welche zusammenbrechen – die Natur arbeitet unaufhörlich.

Das vermutlich bekannteste Steinloch der Schweiz dürfte das Martinsloch ob Elm sein. Und demnächst werde ich noch eine andere Möglichkeit der Bogenentstehung im Gestein vorstellen. Kennen Sie diese?

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Sep03

Schematische Darstellung von Kontinentalplattengrenzen. Am Mittelozeanischen Rücken bewegen sich Platten auseinander und es entsteht neuer Ozeanboden.Am Freitag spielt die Schweizer Fussballnati ein WM-Qualifikationsspiel gegen Island in Bern. Ein Grund, Island auch von der geologischen Seite her zu betrachten. Der Inselstaat im Nordatlantik ist etwa 2,5 mal so gross wie die Schweiz und ist die grösste Vulkaninsel der Erde.

Island liegt auf dem Mittelatlantischen Rücken, der Nahtstelle, wo sich die Nordamerikanische und die Eurasische Kontinentalplatte jährlich rund 2 Zentimeter auseinander bewegen. Die Mittelozeanischen Rücken sind in der Regel von Meer bedeckt und verlaufen wie ihr Name sagt, in mitten der Ozeane. An ihnen driften Kontinentalplatten auseinander und es entsteht laufend neuer Meeresboden; diesen Vorgang nennt man auch „Spreading“. Island ist eine der wenigen Stellen, wo sich der Mittelatlantische Rücken über den Meeresspiegel erhebt und von Südwesten nach Nordosten quer über die Insel verläuft, erkennbar an Grabenbrüchen und Störungen sowie den Vulkanen.

Durch Island verläuft ein ozeanischer Rücken, wo sich die Kontinentalplatten trennen. Im Bild Thingvellir. Foto:www.iceland.deDa die Erdkruste an dieser Stelle nicht besonders dick ist und es im Untergrund schnell ziemlich warm wird, verfügt Island über viel Wärme aus dem Boden. Die Geothermie wird u.a. auch genutzt für die Beheizung von Gewächshäusern und wo Leitungen im Boden verlaufen, gefrieren im Winter die Strassen nicht. Die Nähe des heissen Untergrunds zeigt sich aber auch in Form der vielen Vulkane, die manchmal für die Einwohner lebensbedrohlich werden können und immer wieder auch weltweit für Schlagzeilen sorgen.

Haben Sie auf Island schon mal die Grabenbrüche gesehen – mit einem Bein in Europa mit dem anderen in Nordamerika?

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Jul16

Geologische Situation am Ben Nevis in Schottland (Karte und Profil)Das Landschaftsbild im Schottischen Hochland ist durch die imposante Erhebung des Ben Nevis geprägt. Mit 1344 Meter ist der Ben Nevis der höchste Berg auf den Britischen Inseln.

Seine geologische Geschichte ist äusserst ereignisreich. Präkambrische Gneise und Glimmerschiefer wurden gegen Ende des Silur (vor ca. 420 Millionen Jahren) aufgefaltet. Neue Granitmassen drangen in vier Pulsen ein bevor die Gegend wieder eingeebnet wurde. Während des Tertiärs kam es zu massiven Krustenbewegungen, Hebungen und damit einhergehend zur Bildung von markanten Verwerfungen und Schollen. An diesen Schwächezonen drang Lava an die Oberfläche, die heute weite Teile der Highlands bedeckt. Die heutige Oberfläche ist geprägt durch die letzten Vergletscherungen während der vergangenen Eiszeiten.

unterwegs auf den Ben Nevis - die höchste Erhebung auf den Britischen InselnDer Gipfel des Ben Nevis besteht aus grau-violetten andesitischen Laven. Diese sind härter als die umliegenden Gesteine, deshalb ist der Ben Nevis die höchste Erhebung geblieben.

Im kurzen schottischen Sommer ist der Berg an schönen Wochenenden ziemlich überlaufen; man sollte aber nicht vergessen, dass man hier auf alpine Bedingungen stösst und selbst bei schönem Wetter am Ausgangspunkt oben häufig dichter Nebel wartet.

Es gibt Leute, die haben zum Ziel, auf jedem Kontinent oder sogar in jedem Land den höchsten Gipfel zu erklimmen – halten Sie das für erstrebenswert?

Kurz vor dem Gipfel des Ben Nevis in Schottland. der Weg hier gilt mehr als Autobahn denn als Wanderpfad - kein Wunder bei der Anzahl Berggänger

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