Dez30

Qaidam1Zu meinem Abschied möchte ich Sie an einen wundervollen, etwas abgelegenen Ort mitnehmen, den ich im Rahmen meiner Doktorarbeit bereisen und erforschen durfte: ins Qaidam-Becken am Nordost-Rand des Tibetplateaus. Das Sedimentbecken in Westchina liegt auf über 3000 Meter und ist etwa dreimal so gross wie die Schweiz. Sein Inneres ist mit bis zu 16 km Sedimenten gefüllt und seit rund 26 Millionen Jahren ist das Becken vollständig von heute 5000 m hohen Gebirgen umgeben und besitzt keinen Abfluss mehr. Damit schliesst es ein grosses Stück seiner tektonischen und klimatischen Geschichte in seinen jüngeren Sedimenten ein, was es für die Forschung besonders interessant macht. Das Qaidam-Becken ist gefüllt mit Sand-, Kalk- und Tonsteinen, die alle möglichen Farbschattierungen aufweisen; Risse sind heute oft mit Gips gefüllt und auf den Ebenen bilden sich Salzkristalle. Die wenigen Wasserstellen und Seen, die es in dieser wüstenhaften Gegend gibt, bestehen heute aus salzig-brackigem Wasser. Je nach Wasserqualität zur entsprechenden Zeit finden sich in den Ablagerungen Mikro-Fossilien von Süsswasser- oder Salzwasserlebewesen.

Qaidam2Ursprünglich handelte es sich beim Qaidam-Gebiet um einen Mikrokontinent, der bei der Kollision von Indien und Asien zwischen die Fronten geriet.  Noch immer bauen sich grosse Spannungen auf infolge des Kollisions- und Hebungsdruckes, die sich gelegentlich in heftigen Erdbeben im Altyn- oder Kunlun-Gebirge entladen.

Gewisse Sandsteine – vor allem solche, die während der späteren Jurazeit abgelagert worden waren – beherbergen Erdöl- und Kohlevorkommen, welche auch gefördert werden.

Mit diesem Einblick verabschiede ich mich von meiner treuen Leserschaft und wünsche Ihnen weiterhin viel Vergnügen auf erdwissen.ch – der Stein rollt weiter.

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Sep09

Geologie und Essen hat mehr mit einander zu tun, als man auf den ersten Blick erwarten würde.Das Thema der diesjährigen Europäischen Tage des Denkmals am 13. Und 14. September lautet „Zu Tisch“. Auf den ersten Blick mag das wenig mit Geologie zu tun haben, auf den zweiten Blick zeigen sich aber unzählige Verbindungen.

Schon in der Steinzeit dürften ein paar Steine die zentrale Feuerstelle umgeben und zusätzlich Wärme gespeichert haben.

Vom gepflästerten Marktplatz wo man einkauft, über das schlichte Refektorium im aus Steinen erbauten Kloster bis zum geschmückten Esszimmer mit dem feinen Porzellan; überall begleiten „steinige“ Rohstoffe unser Essen. Vielleicht diente ein Kohleofen zum Kochen oder Heizen…

Programmheft Denkmaltage 2014 zum Thema "Zu Tisch". hereinspaziert.chTöpfe wurden aus Speckstein geschliffen, aus Kupfer und anderen Metallen geschaffen, mit Email überzogen, welches ebenfalls aus natürlichen, mineralischen Pigmenten hergestellt wird.

Für die Produktion von Keramik braucht man Kaolin, ein Verwitterungsprodukt von Feldspat. Im Glas steckt Silizium und am Boden findet sich vielleicht Weinstein. Ganz vornehme Personen tranken aus geschliffenem Bergkristall mit Goldeinfassung; Schalen wurden mit (Halb-)Edelsteinen besetzt.

Die Tischplatte ist aus Marmor, die Küche aus indischem Granit und das Fleischplättli ist hübsch angerichtet auf einer dünnen Schieferplatte.

Sie sehen, wenn man mal anfängt zu überlegen, dann findet sich viel Geologie rund um unser Essen.

Auch bei der Herstellung von Speisen spielt Geologie mit. Früher wurde das Mehl in einer Steinmühle, erst von Hand, dann unterstützt von Esel, Wasser oder Wind, gemahlen und vielleicht besitzen Sie heute noch einen Mörser aus Stein? Und zu guter Letzt: was wäre eine Suppe ohne Salz?

Suchen Sie sich eine Veranstaltung aus dem reichhaltigen Menu aus und suchen Sie die nach der Verbindung zur Geologie! Wo haben Sie sie gefunden?

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Mai27

Der Geotrog oberhalb von Wölflinswil zeigt einen Querschnitt durch die Geologie im Aargauer Jura.So lautet das Motto der diesjährigen Natur- und Kulturwoche in Wölflinswil-Oberhof im Benkental (Kanton Aargau).

Wölflinswil bietet auch ohne Naturwoche geologisch ein paar faszinierende Einblicke. Oberhalb des Dorfes liegt der Geotrog, eine Art Koffer mit einem geologischen Profil durch den Aargauer Jura mit zugehörigen Gesteinsbeispielen. Und der Wölflinswiler Graben – eine tektonische Erscheinung – ist auch dauerhaft ausgeschildert. Während der Naturwoche können Sie die verschiedenen Gesteine auch in der Ausstellung im Alten Milchhaus besichtigen. Das Jurapark-Fest am 1. Juni und die Naturwoche bieten geologische Rundgänge und Exkursionen.

Stolleneingang im ehemaligen Eisenbergwerk Herznach.Der Aargauer Jura ist geologisch gesehen sehr vielfältig; Wölflinswil-Oberhof liegt zudem am Übergang vom Tafel- zum Faltenjura. Neben zahlreichen bekannten Fossilfundstellen wurde in früheren Zeiten auch Eisenerz abgebaut in Herznach (siehe Foto vom Stolleneingang) und Gips oberhalb von Küttigen. Salze und Mineralien runden das Bild ab.

Neben der Geologie soll in einer Kulturwoche aber auch Platz sein für „steinige“ Kunstformen; Steinskulpturen unterschiedlicher Art, aus Stein gehauen oder mit Stein gebaut laden ein zur Betrachtung.

Lassen Sie sich von Erde-Steine-Bodenschätze begeistern und machen Sie einen Ausflug ins Benkental! Welches ist Ihr liebster Bodenschatz?

Wissen Sie von ähnlichen Aktionswochen? Lassen Sie es uns wissen, wir stellen es hier gerne vor.

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Apr01

Meeresstrand mit grossem Fährschiff. In Ufernähe kommt meist mehr und gröberes Material zur Ablagerung.Steine wachsen in der Regel seeeehr langsam. In den Meeren gibt es Ablagerungsräume, wo neue Gesteine unterschiedlich schnell entstehen können.

Im Uferbereich kann die Sedimentationsrate je nach Topographie des Hinterlandes relativ hoch sein durch den Eintrag vom Festland. Im Mississippi-Delta gelangen im Durchschnitt 200 mm pro 1000 Jahre zur Ablagerung. Korallen, welche ein Kalkskelett abscheiden, wachsen etwa 1 cm in 100 Jahren. Im Schelfbereich – der Meeresbereich am Rande der Kontinente bis in eine Meerestiefe von 200 m – kommen rund 10–60 mm zur Ablagerung. In der Tiefsee sind die Ablagerungsmengen sehr gering. Radiolarienschlamm, ein Schlamm aus Einzellern mit einem kieseligen (aus Quarz) Skelett, entsteht nur gerade mal 2–10 mm pro 1000 Jahre. Auch Tone bilden nicht mehr als 1–15 mm pro 1000 Jahre.

Irgendwo auf dem weiten Meer. Hier begegnet man beim Eindunkeln nicht Fuchs und Hase sondern höchstens einem Frachter in der Ferne. Im offenen Meer lagert sich nur sehr wenig feines Material ab.Immerhin, wenn 1000 m Meerwasser verdunsten würden ohne weiteren Wassereintrag, dann blieben etwa 15 m Verdunstungsgesteine (Evaporite), wozu verschiedene Salze gehören.

Zum Vergleich, weils grad in die Vorosterzeit passt: Die Schalendicke eines Hühnereis beträgt 0,2 bis 0,4 mm. Rechnen wir mit 0,3 mm pro Eierschale und 300 Eiern pro Jahr, dann würde ein Huhn in 100 Jahren eine Kalkschicht von 9 Metern produzieren!

Heisst das nun, Hühner sind produktiver als Korallen?

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Nov12

Double Arch in der Windows Section des Arches National Parks in Utah (USA)Natürliche Brücken aus Stein gibt es praktisch überall – Wasser ist bei der Bildung immer beteiligt, aber auf unterschiedliche Art und Weise. Weltberühmt sind die Steinbrücken im Arches National Park in den USA; dünne, dicke, kleine, grosse, lange und kurze Bögen aus rotem Entrada-Sandstein.

Vor 300 Millionen Jahren war die Region im Bundesstaat Utah von einem Meeresarm bedeckt, der allerdings immer wieder austrocknete, so dass fast 1000 m mächtige Salzablagerungen entstanden. Darüber folgten während der Trias- und Jurazeit vor 245 bis 144 Millionen Jahren küstennahe Ablagerungen von Kalken, Tonen und Sandsteinen. Die Salzschicht geriet unter Druck, das Salz wich entlang Schwachstellen aus und bildete Salzdiapire (Salzdome). Das überlagernde Gesteine zerbrach dabei. Entlang den Störungen konnte Wasser eindringen und das Salz lösen, so dass die Deckgesteine kollabierten.

Landscape Arch im Arches National Park in Utah (USA). Wie lange dieser steinerne Bogen wohl noch hält?Im Bereich des Nationalparks treffen zusätzlich zwei grosse Störungssysteme aufeinander. Entlang den parallelen Störungen dringt Wasser ein – im Winter Eis – und vergrössert die Ritzen stetig, so dass Kuppen und Grate entstehen. Besitzt ein Grat oben gut zementiertes, widerstandsfähiges Gestein, löst das herunter fliessende Wasser das Gestein seitlich weiter unten und es entsteht mit der Zeit ein Loch und eine Brücke.

So kommt es auch, dass laufend neue Bögen entstehen und immer wieder welche zusammenbrechen – die Natur arbeitet unaufhörlich.

Das vermutlich bekannteste Steinloch der Schweiz dürfte das Martinsloch ob Elm sein. Und demnächst werde ich noch eine andere Möglichkeit der Bogenentstehung im Gestein vorstellen. Kennen Sie diese?

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Aug20

Schwefelquelle im Luchsinger Tobel (GL). Foto: M. Feldmann, geo-life.chWeit hinten im Glarnerland gibt es etwas Einmaliges im Kanton – eine Heilquelle mit schwefelhaltigem Wasser. Schon 1542 wurde in Luchsingen gebadet und in den folgenden Jahrhunderten wurde der Badebetrieb lange Zeit an leicht unterschiedlichen Standorten aufrecht erhalten. Erst im 19. Jahrhundert scheiterte eine erneute Inbetriebnahme und damit war auch das Schwefelbad Geschichte.

Bei der Schwefelquelle im Luchsinger Tobel handelt es sich um eine kalte Quelle. Der Schwefel wird aus dem Gestein ausgewaschen.

Vor rund 230 Millionen Jahren war es ziemlich trocken und in den Lagunen des Tethysmeeres lagerte sich magnesiumhaltiger Kalkschlamm ab. Und wo die Verdunstung noch höher war, konnte sogar Gips ausfällen, ein schwefelhaltiges Mineral mit der Formel CaSO4.2H2O. Im Laufe der Jahrmillionen wurde aus dem Schlamm Dolomitgestein (CaMg(CO3)2) mit Gipseinschlüssen. Durch die Alpenbildung und die nachfolgende Erosion gelangten die gipshaltigen Gesteinsschichten ins heutige Glarnerland und näher an die Oberfläche. Regenwasser drang ins Gestein ein und löste den Gips aus dem Dolomit. Das saure Wasser frass sich so weit durch Kalkgestein in die Tiefe, bis es auf die wasserundurchlässigen Flyschschichten traf. Oberhalb dieser Flyschschichten tritt das schwefelhaltige, bläuliche Wasser nun aus und markiert gleichzeitig auch die Glarner Überschiebung. Neben Schwefelwasserstoffgas H2S, welches für den charakteristischen Geruch nach faulen Eiern verantwortlich ist, enthält das Quellwasser auch Bittersalz (Glaubersalz), womit es offiziell zum Heilwasser wird.

Am nächsten Samstag 24.8.2013 wird ein neuer Informationspfad im Luchsinger Tobel eingeweiht. Wer dabei sein will, findet die notwendigen Informationen hier.

Wasser, das nach faulen Eiern stinkt soll gesund sein? Würden Sie darin baden?

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Nov27

Ein Stück Weinstein, das über 50 Jahre in einem Holzfass gewachsen ist.Jetzt sind sie wieder wie Pilze aus dem Boden geschossen – all die Weihnachtsmärkte. Was dabei auf keinen Fall fehlen darf ist der Glühwein. Und für Glühwein braucht es Wein. Im Wein kann sich sogenannter Weinstein bilden. Was das genau für ein «Stein» ist, erfahren Sie heute auf erdwissen.ch.

Weinstein bezeichnet ein Calcium- oder Kaliumsalz der Weinsäure, das bei der Lagerung im Fass oder in der Flasche sichtbar wird, wenn der Wein nicht ganz «stabil» ist. Das Salz fällt aus und bildet Kristalle, die entweder am Zapfen hängen oder am Flaschenboden liegen. Bei Holzfässern setzt sich Weinstein an den Wänden an, bei den modernen Tanks sammeln sich die Kristalle am Boden, weil sie an den glatten Wänden keinen Halt finden.

Weinsteinkristalle auf einem KorkzapfenDas sogenannte Kaliumhydrogentartrat (KC4H5O6) und Calciumtartrat (CaC4H4O6) sind beides in Wasser schwerlösliche Salze. Schädlich sind die Salze für uns Menschen nicht, der Wein wird dadurch auch nicht schlechter oder besser; das sandige Gefühl auf der Zunge beim Weintrinken ist allerdings nicht besonders angenehm und auch optisch machen sich diese Kristalle in einem Glas nicht besonders gut. Da hilft es, den Wein zu dekantieren. Damit gelangt kein Weinstein ins Trinkglas.

Wie empfindlich sind Sie? Akzeptieren Sie auch einen Wein mit Weinstein in der Flasche?

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Die Lösung

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