Nov11

Mit Travertin ausgekleidete Wand im Bahnhof Milano Centrale.Vielleicht planen Sie dieses Jahr Christmas-Shopping in Mailand? Dann werfen Sie einen Blick auf die Gesteine im Hauptbahnhof Milano Centrale. Die Wände sind mit Travertin ausgekleidet. Travertin ist ein poröser Kalkstein, der sich als chemische Ausfällung an Süsswasserquellen bildet, welche an CO2 übersättigt sind. Dabei spielt die Quellwassertemperatur keine Rolle; Travertin oder Kalktuff kann sich sowohl an kalten wie auch an heissen Quellen bilden.

Das gebänderte Gestein besteht fast ausschliesslich aus Calciumcarbonat CaCO3. Kleine Mineralbeimengungen sorgen für die gelb-rötlich-braune Farbe.

Eck-Detail aus Travertin am Bahnhof von Mailand.Travertin kommt weltweit vor; die Vorkommen sind aber meist eher bescheiden. Voraussetzung ist zudem das Vorhandensein von Kalken oder Marmoren in der Nähe, welche dem Wasser als Calcium- und Carbonatquelle dienen können. Die meisten Kalktuffe entstanden im Quartär. Bei der Kalkbildung werden häufig Pflanzenteile eingeschlossen, welche sich zersetzen und so für Hohlräume sorgen. Die Hohlräume können nachträglich ebenfalls mit Kalk gefüllt werden. Das poröse Gestein ist frostfest und sowohl als Baustein wie auch Dekostein beliebt und wird vor allem da eingesetzt, wo lokale Travertinvorkommen existieren.

Eindrückliche Sinterbildungen liegen heute in der Türkei bei Pamukkale oder im Yellowstone National Park in den USA.

Wohin geht Ihr Weihnachtsshopping dieses Jahr?

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Aug19

Blick vom Creux du Van ins Vallée des Ponts. Das Tal befindet sich in der Faltensohle und die Schenkel sind bewaldet.Im Norden und Nordwesten der Schweiz erstreckt sich der Jura, welcher in Falten- und Tafeljura unterteilt wird.

Der Druck der entstehenden Alpen wirkte sich vor 15 bis 10 Millionen Jahren bis in die Nordschweiz aus. Dieser Druck faltete dort die Gesteinsschichten zum Faltenjura. Der Faltenjura hat seinen östlichsten Ausläufer in der Lägern bei Baden AG und erstreckt sich über 300 km weit bis nach Frankreich. Flüsse und Strassen folgen mehrheitlich den Längstälern. Der Faltenjura wird nur an einzelnen Stellen von einer Klus (Flussdurchbruch) durchbrochen, wo dann häufig auch eine Strasse durchführt. Strassenverbindungen führen auch über Pässe oder durch Tunnels. Bei den Falten handelt es sich hier häufig um so genannte Kofferfalten mit steilen Schenkeln und einem flachen Scheitel. Die Auffaltungen ermöglichen in Tunnels einen Zugang zu Gesteinsschichten, die im Mittelland vielerorts in relativ grosser Tiefe liegen.

Am La Dôle bei Genf sind Kalksteine aus der Kreidezeit im Faltenjura aufgefaltet.Der Tafeljura grenzt nördlich an den Faltenjura und deckt im Wesentlichen den Kanton Schaffhausen, die Nordschweiz einschliesslich Basel sowie die Ajoie im Kanton Jura ab. Der Tafeljura besteht aus der Sedimentbedeckung des Südschwarzwaldes und ist entlang Brüchen in grosse Schollen zerbrochen.

Im Jura dominieren Kalk-, Mergel- und Tongestein sowie Anhydrit/Gips. Letztere vereinfachen die Faltenbildung, da sie als Gleitmittel dienen.

Falten oder Tafel. Welcher Jura-Teil gefällt Ihnen besser – warum?

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Mai06


Die grösseren Erzvorkommen der Schweiz wurden die meisten schon von den Römern abgebaut, das gilt auch für das Eisenerz am Gonzen bei Sargans. Vermutlich wurde hier sogar schon in der Eisenzeit Erz gewonnen.

Unterwegs im Schaubergwerk Gonzen. Foto: www.bergwerk-gonzen.chBis zum Mittelalter wurde oberirdisch im Tagbau abgebaut, danach in Stollen. Der Abbau wurde 1966 aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. Bis dahin wurden insgesamt 2,7 Millionen Tonnen Erz abgebaut; der grösste Teil davon, nämlich 2,55 Millionen Tonnen, in der letzten Abbauperiode von 1921 bis 1966. Weitere 2,3 Millionen Tonnen Erzreserven gelten als sicher und 2 Millionen Tonnen als wahrscheinlich.

Das Erzvorkommen besteht aus drei Flözen, wobei das Hauptflöz eine Mächtigkeit von 2 m aufweist auf einer Ausdehnung von 3000 x 300 m. Der Eisengehalt mit 52-54 Prozent ist relativ hoch.

Entstanden sein dürfte das Erz untermeerisch. Am Meeresboden strömten vulkanische, metallhaltige Dämpfe aus, wobei sich die Metalle mit dem Kalkschlamm ablagerten und ansammelten. So liegen die Flöze schichtparallel im rund 150 Millionen Jahre alten Malmkalk. Im Verlauf der Alpenfaltung wurden die Kalke und Erzflöze stark verfaltet.

Am Samstag 10. Mai haben Sie die Möglichkeit, das ehemalige Bergwerk zu besichtigen. Weitere Besichtigungstermine finden Sie hier.

Erzählen Sie mir von Ihrem Bergwerk-Erlebnis!

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Feb25

Briefmarke aus Nepal mit dem höchsten Berg der Welt, dem Mount EverestDa es bei uns im Mittelland schon keinen Schnee gibt, möchte ich Sie hier ins „Land des Schnees“ mitnehmen – in den Himalaya. Wer kennt diese Bilder nicht – riesige, verschneite Felsmonumente mit viel Platz für Fantasie und Sehnsucht. Alle 8000er der Welt liegen in dieser gigantischen Bergkette, die sich über 3000 km von Pakistan bis nach Burma erstreckt.

Die Geschichte des Himalayas beginnt vor etwa 130 Millionen Jahren, als sich der indische Subkontinent aus Gondwana herauslöste und mit 9cm pro Jahr nach Norden raste. Am Eurasischen Südrand wurde der Meeresboden verschluckt und über der Subduktionszone entstand eine aktive Vulkanzone. Das Tethysmeer wurde zusehends kleiner bis vor 50–40 Millionen Jahren die Kontinentalschelfe aufeinander trafen. Die Subduktion kam zum Erliegen und die Kontinentalmassen kollidierten miteinander. Seit 30 bis 25 Millionen Jahren wächst der Himalaya ununterbrochen. Der Hebung wirkt die Erosion entgegen, formt tiefe Täler; einige der mächtigsten Flüsse der Welt haben hier ihren Ursprung.

Geografisch lässt sich der Himalaya in drei Einheiten gliedern: Die Siwaliks bilden die südliche Vorgebirgskette, welche das Hochgebirge gegen die Ebenen Indiens abgrenzt; der Vordere Himalaya besteht aus verfalteten und überschobenen Tethyssedimenten; und der Hochhimalaya über 5500 m Höhe hat einen kristallinen Kern aus Granit und Gneis und eine Bedeckung aus Sedimenten auf den Gipfeln.

Auch der höchste Berg der Welt, der 8848 m hohe Mount Everest lässt sich geologisch dreiteilen. Die Basis bilden stark gefaltete und metamorphe Schiefer und Gneise. Darüber folgt eine Einheit aus zerklüfteten und dunklen metamorphen Tonschiefern und Sandsteinen – Reste des einstigen Meeres zwischen Eurasien und Indien einschliesslich Fossilien – mit Einsprenglingen von Granit. Über einem Band aus gelbem Kalkstein folgt der Gipfel aus grauem Kalkstein.

Da wurden also Sedimente aus vielleicht 2000 m Meerestiefe auf fast 9000 m Höhe gehoben – was da für Kräfte herrschen müssen, können wir uns kaum vorstellen.

Hat ein Bergsteiger eigentlich Zeit, sich die Gesteine anzusehen?

P.S. Der Titel ist die Antwort von George Mallory auf die Frage, warum diese grosse Gipfelsehnsucht da sei.

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Jan14

Lochstein aus Kimmeridge-Kalk an der Hauptstrasse in Courgenay (Kanton Jura)Grosse Steine mit künstlichen Löchern, die noch aufrecht in der Landschaft stehen oder umgekippt liegend gefunden werden, sorgten einst für Verwunderung und Rätselraten. Heute kennt man solche Lochsteine von zahlreichen Orten. Sie dürften in der Regel Teil eines Dolmens gewesen sein. Dolmen sind Bauwerke aus meist riesigen Steinblöcken und dienten während der Jungsteinzeit und der Bronzezeit vermutlich als Grabmäler für hochrangige Personen. Grosse aufgerichtete Tragsteine werden von einem oder mehreren Dachsteinen gedeckt.

Auch in der Schweiz findet man solche Megalithen mit einem „Seelenloch“. Durch das Loch im Stein konnte die Seele des Toten entweichen – oder die Toten wurden durch das Loch ins Grabmal geschoben. So genau weiss man das nicht. In Courgenay im Kanton Jura steht direkt an der Hauptstrasse der Pierre-Percée. Der Megalith besteht aus beigem Kimmeridgien-Kalk (ca. 155 Millionen Jahre alt), der aus der nahen Umgebung stammt, ist 2,5 m hoch und 2,3 m breit und dürfte aus der Zeit um 3000 v. Chr. stammen.

Seelenlöcher bzw. –fenster kennt man auch von Walserhäusern. Kennen Sie noch andere Beispiele von Seelenlöchern?

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Dez03

Stylolithe in Kalkstein (Photo: Michael C Rygel via Wikimedia Commons)Sind Ihnen in hellem Kalkstein auch schon dunkle Zickzacklinien aufgefallen und Sie haben sich gefragt, wie diese entstanden sind?

Diese sogenannten Stylolithe entstehen durch Drucklösung in optisch homogenen Karbonatgesteinen. Karbonatgesteine enthalten neben Calcit häufig auch noch feine Tonpartikel. Unter erhöhtem Druck wird Calcit stellenweise weggelöst, während die Tonpartikel zurückbleiben. Mit der Zeit reichern sich die dunklen Tonplättchen auf Drucklösungsflächen an und bilden hauchdünne dunkle Lagen, die im Querschnitt als Zickzacklinie sichtbar werden.

Wenn der Tonanteil im intakten Kalk bekannt ist, lässt sich aus der Häufigkeit und Dicke der Stylolithe berechnen, wie viel Kalk bei der Kompaktion weggelöst wurde.

Durch weitere Mineraleinlagerungen können Stylolithe auch eine rötlich-violette Färbung annehmen.

In anstehendem Gestein im Steinbruch weisen Stylolithe auf die vorherrschende Druckrichtung hin. Stylolithe entstehen senkrecht zur dominierenden Druckrichtung. Der Druck kann entweder durch zunehmende Sedimentbedeckung entstanden sein, wobei Stylolithe dann schichtparallel auftreten oder durch tektonische Vorgänge.

Woran erinnert Sie das Muster? Skyline, …

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Nov19

Natürliches Felsentor Pont d'Arc am Eingang zur Gorges de l'ArdècheFelsbögen können auch entlang mäandrierender Flüsse entstehen. Wie Brücken durch Erosion in zerklüftetem Gestein entstehen, war letzte Woche hier nachzulesen.

Am Prallhang einer Flussschlaufe arbeitet sich der Fluss stetig ins Gestein vor; hier ist die Erosion am stärksten. Dabei können sich zwei Flussschlaufen stark annähern, sogar so stark, dass sie sich verbinden. Fliesst der Fluss in einer ebenen Landschaft, kommt es beispielsweise bei einer Überschwemmung einfach zum Durchbruch und der Fluss fliesst danach geradeaus weiter. Die bisherige Flussschlaufe wird zu einem Altarm und verlandet möglicherweise mit der Zeit. Fliesst der Fluss aber bereits in einem vertieften Tal, erfolgt der Durchbruch lochartig. Bis es so weit ist, dauert es aber meist zig Hundert bis Tausend Jahre. Das hängt im Wesentlichen von der Fliessgeschwindigkeit des Wassers und der Beschaffenheit des Gesteins ab. Das Loch wird durch die anhaltende Flusserosion grösser und ein Steinbogen entsteht, wo der Fluss neu hindurch fliessen kann. Ein imposantes Felsentor befindet sich mit dem Pont d’Arc am Eingang zur Gorges de l’Ardèche in Südfrankreich.

Steter Tropfen höhlt den Stein – gibt es noch weitere passende Sprichworte?

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Die Lösung

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