Mrz12

Aargau - Steinreich. Flyer der aktuellen Vitrine Frühjahr 2013 im NaturamaBraun-grau-grünlich. Nein, das sind nicht die neuen Modefarben für den Frühling. Das sind die Farben dreier fossilreicher Gesteinsschichten im Kanton Aargau, die in der „aktuellen Vitrine“ im naturama präsentiert werden.

Die Vitrine wurde in Zusammenarbeit mit den Mineralien- und Fossilien-Freunden Aargau gestaltet, die 2013 ihr 25-Jahr-Jubiläum feiern. Sie enthält Fossilien aus dem jurazeitlichen Meer; hauptsächlich Ammoniten aus dem braunen Herznach-Member, dem grauen Birmenstorf-Member und dem gelblich-grünen Baden-Member.

Die braune Farbe der Herznacher Schicht geht auf den hohen Eisengehalt zurück. Die Eisenoolithe direkt unterhalb der Fossilschicht wurden zwischen 1200 und 1750 sowie 1932 und 1967 in Herznach abgebaut. Unmittelbar darüber folgen die Birmenstorfer Schichten zu Beginn der Malmzeit (jüngster Zeitabschnitt im Jura). Diese Kalkmergel sind mancherorts in Steinbrüchen der Zementindustrie aufgeschlossen und enthalten Ammoniten, Brachiopoden, seltener Seeigel und Haifischzähne.

Die grünliche Farbe der Badener Schicht (später Malm) ist durch das Mineral Glaukonit bedingt. Glaukonit entsteht bei der Umwandlung von detritischem Biotit im flachen Meer unter reduzierenden (d.h. ohne freien Sauerstoff) Bedingungen.

In der Jura-Zeit, als die Schichten abgelagert wurden, war die Schweiz von einem flachen Meer bedeckt.

Die aktuelle Vitrine zeigt die Aargauer Schätze aus dem Jurameer noch bis zum 31. August 2013.

Welche fossilen Schätze besitzen Sie?

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Feb26

Fossiler Nautilus (oben) und Ammonitenabdruck (unten) in Arietenkalk (Jura, ca. 180 Mio. Jahre)Der Nautilus ist ein lebendes Fossil. Es handelt sich dabei nicht um Jules Vernes U-Boot sondern um Perlboote, wie die Kopffüsser (Cephalopoden) auch noch heissen.

Derzeit leben noch sieben Arten in rund 400 Meter Tiefe im westlichen Südpazifik vor Australien und Neuguinea. In der Zeit vor 450 bis 300 Millionen Jahren waren Nautiloideen in grosser Formenvielfalt in den Meeren vertreten; die ältesten fossilen Vertreter stammen aus 500 Millionen Jahren alten Gesteinen.

Der moderne Nautilus besitzt etwa 90 Tentakeln – ein ordentliches Gewirr. Das ist einer der Nautilus-Gehäuse. Links gut sichtbar der zentrale Sipho.wesentlichen Unterschiede zu den Ammoniten, welche allerdings vor 66 Millionen Jahren am Ende der Kreidezeit ausgestorben sind. Nautilus und Ammonit besitzen allerdings beide ein gekammertes Aragonit-Gehäuse – eine immer weiter werdende Röhre, die planspiral aufgerollt ist. Das Gehäuse dient als Schwebe- bzw. Schwimmapparat und kann über den sogenannten Sipho mit Wasser geflutet und entleert werden. Beim Nautilus ist der Sipho zentral, beim Ammoniten mehr randlich, also näher an der Aussenwand.

„Vorwärts“ kommt Nautilus per Raketenantrieb. Durch den Mundtrichter wird Wasser nach aussen gespritzt, was einen Rückstoss bewirkt. Nautilus bewegt sich also genau genommen eher rückwärts als vorwärts fort.

Die Bezeichnung lebendes Fossil ist relativ. Die heutigen Formen haben sich auch erst im Laufe der Zeit entwickelt und existieren nicht seit 500 Millionen Jahren unverändert. Aber auch schon 30 bis 60 Millionen Jahre sind eine beachtliche Zeitspanne.

Haben Sie schon mal in einem Aquarium einen Nautilus gesehen?

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Jun05

Gesteinskoffer mit Gesteinsproben aus dem Untergrund des Fricktaler Juras in Wölflinswil AGLetztes Jahr habe ich während der Tour de Suisse einen geologischen Blick auf die Grimsel und die Randenstörung in Schaffhausen geworfen; dieses Jahr bietet sich ein Gesteinsprofil des Fricktaler Juras an. Auf der 5. Etappe wird am 13. Juni Wölflinswil passiert auf dem Weg von Olten nach Gansingen. Die Gesteinskiste befindet sich östlich der Hauptstrasse oberhalb des Dorfes am Eisenerzweg, unmittelbar beim Leitungsmasten.

Über 300 Millionen Jahre Erdgeschichte sind hier wiedergegeben. Auf einer Basis von Granit und Gneis wurden über die Jahrmillionen schichtweise Sedimente abgelagert, die Fossilien enthalten und als Rohstoffe dienen. Gesteine aus der Trias-Zeit enthalten die Salze, die in den Rheinsalinen abgebaut werden und die Ziegeleitone von Frick, welche auch die weltbekannten Plateosaurierknochen enthalten. Gesteinsstücke in der Profilkiste in WölflinswilIm Jura wurde der Opalinuston abgelagert und die Eisenerzschicht, welche in Herznach abgebaut wurde. Im Gesteinskoffer sind Handstücke der einzelnen Gesteinsschichten zu einer Art Bohrkern zusammengesetzt, Profile und Panoramen liefern noch weitere Informationen.

Vielleicht machen Sie ja noch den Abstecher zum Gesteinskoffer, nachdem der Velotross vorbeigerauscht ist?!

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Nov15

Reformationsmauer in Genf im Parc des Bastions aus Burgunderkalk (v.l. Farel, Calvin, Beza, Knox)Was für Luzern der sterbende Löwe, ist für Genf wohl die Reformationsmauer – mal abgesehen vom Jet d’Eau, den natürlich auch jeder Tourist gesehen haben muss. Gemeisselt in Crinoidenkalk stehen die vier grossen Reformatoren auf ihrem Sockel an der 100 Meter langen Wand im Parc des Bastions. Das Gesteinsmaterial stammt aus einem Steinbruch von Pouillenay im Burgund, rund 250 km nordwestlich von Genf. Der Crinoidenkalk ist relativ hart und eignet sich daher für Bauten und Skulpturen. Farblich reicht das Spektrum in diesem Fall von gelblich-beige bis braun.

Die Kalke entstanden vor rund 175 Millionen Jahren im Meer der Jurazeit. Der Grossteil der Gesteinsmasse besteht aus Crinoiden-Bruchstücken und Seeigelstacheln. Crinoiden sind Seelilien und gehören zu den Stachelhäutern. Sie bestehen aus einem langen, beweglichen Stiel aus Calcit-Einkristallen, die mit Muskeln und Gewebe verbunden sind und einen runden, fünfeckigen oder sogar sternförmigen Querschnitt haben. Auf dem bis zu 20 Meter langen Stiel sitzt ein Kelch, aus dem fünf bewegliche Arme herauswachsen. Heutige Seelilien sind am Meeresgrund verankert. Von fossilen Exemplaren weiss man, dass sie auch an Wurzelstücke festgewachsen durchs Meer trieben.

Stirbt eine Seelilie ab und zerfällt das organische Material, bleiben die Calcitkristalle zurück, sinken auf den Grund und können dort zu Kalkstein werden.

Vereinzelt wurden Seelilien als Ganzes verschüttet und versteinerten, was ein informatives Gesamtbild liefert, Hinweise auf Grössen und Längen gibt und die Interpretation der anderswo gefundenen Einzelteile ermöglicht.

Wann waren Sie das letzte Mal in Genf? Waren Sie auch an der Reformationsmauer?

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Nov08

Auf dem schmalen Lägerngrat bleibt gerade eine Kalkbank als Wanderweg. Die rund 150 Millionen Jahre alten Malmkalke bilden über weite Strecken den steilen Grat.Der Lägerngrat ist der östlichste Ausläufer des Faltenjura und reicht von Regensberg (ZH) im Osten bis nach Baden (AG) am Westende. Bei Baden ist der charakteristische Lägerngrat, der durch den südlichen Schenkel einer grossen Antiklinale gebildet wird, durch eine Klus unterbrochen.

Die in Baden aufgeschlossenen Gesteine am Lägernkopf stammen aus der Jurazeit. Die rund 150 Millionen Jahre alten Gesteine wurden aber erst in den letzten 10 Millionen Jahren verfaltet.

In den nächsten Tagen wird der Lägerngrat im Rahmen einer seismischen Messkampagne gequert. Damit gewinnt man noch besseren Einblick in die Struktur dieser grossen Falte.

Gipsgrube Ehrendingen im Norden der Lägeren, bzw. im Faltenkern der Lägernantiklinale.Im Süden bilden die Schichtflächen der Malmkalke die Abhänge. Wer über den Grat wandert, geht häufig auf einzelnen dieser Kalkbänke, die meist ein paar Zehnercentimeter mächtig sind. Auf der Nordseite gelangen wir in den Faltenkern und damit in immer ältere Gesteinsschichten, bis wir am Talgrund im westlichen Teil der Lägern die weichen und bei der Faltung stark deformierten Gesteine aus der Trias-Zeit erreichen. Unter anderem gibt es hier Gipsvorkommen, die auch ausgebeutet wurden.

Wenn Sie mehr über die seismischen Untersuchungen und wie diese genau funktionieren wissen wollen, dann finden Sie auf www.seismik-news.ch alle aktuellen Infos.

Ich bin auf jeden Fall gespannt darauf, mehr über das Innenleben dieses markanten Gebirgszugs zu erfahren nach den neuen Messungen. Hätten Sie manchmal auch gerne einen Röntgenblick?

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Mrz15

Creux du Van - Kalkarena im Neuenburger JuraFährt man durch das Val de Travers im Kanton Neuenburg, eröffnet sich linker Hand plötzlich der Blick auf eine imposante Felswand – der Creux du Van. In seiner gesamten Pracht lässt sich die Kalkarena aber nur zu Fuss bestaunen – bzw. muss man mindestens bis zur Ferme Robert am Fuss des Talkessels fahren oder zur Ferme Soliat auf dem Faltenscheitel, um einen Überblick zu erhalten.

Das riesige Halbrund mit den bis zu 200 Meter hohen und fast senkrechten Felsen aus Malmkalk ist sogar bewohnt – Steinbock, Gämse und Luchs fühlen sich hier zu Hause. Und am Fusse der Wand wurde 1757 sogar der letzte Bär der Region geschossen.

Der Creux du Van ist Teil des Faltenjuras. Entstanden sind die Kalkschichten vor ca. 160 bis 140 Millionen Jahren aus Ablagerungen im Meer der Jurazeit (Malm). Erst vor rund 10 Millionen Jahren, im Zusammenhang mit der Entstehung der Alpen, wurden auch die Schichten im Jura aufgefaltet. Durch die Kraft des Wassers entstand zunächst eine Klus. Der Fluss durchschnitt die Falte und machte die Faltenstruktur damit sichtbar. Während der Eiszeit erst bildete sich dann ein nach Nordosten hin geöffneter Erosionstrichter. Aufgrund der Orientierung erhalten gewisse Stellen im Talkessel kaum Sonne, so dass hier Permafrostböden vorhanden sind und aus einer Quelle ganzjährig 4 °C kaltes Wasser fliesst.

Creux du Van - Kalkarena im Neuenburger JuraAn schönen Wandertagen ist man hier nie allein, ganze Heerscharen steigen aus dem Kessel oder von hinten auf den Rand hoch, um den «Krater» zu umwandern und den Blick in die Tiefe und auch in die Ferne zu geniessen. Die Steinböcke lassen sich vom Rummel kaum stören und tun sich am Gras im ältesten Naturreservat (seit 1870) der Schweiz gütlich.

Die Bezeichnung «Stade de Suisse» habe ich im Übrigen nicht selbst erfunden, sondern aus einem Werbeprospekt für den Kanton Neuenburg abgeschrieben. Finden Sie den Vergleich passend?

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Nov09

Dolinentrichter in den Freibergen JULetzte Woche haben wir angeschaut, was saures Wasser an der Oberfläche anzustellen vermag. Heute begeben wir uns ein paar Meter unter die Oberfläche.

Unter der Erdoberfläche kann Wasser über Jahrhunderte oder sogar –tausende wirken, ohne dass wir davon etwas merken. Erst wenn die Decke über einem Hohlraum zu dünn wird und es zum Einsturz kommt, wird die versteckte Arbeit des Wassers sichtbar. Die trichter- und schüsselförmigen Mulden heissen Dolinen. Vor allem im Jura prägen die Dolinen die Landschaft. Wenn Sie also das nächste Mal in den Freibergen wandern und sich über die zahlreichen Löcher im Boden wundern, dann wissen Sie jetzt, wie diese entstanden sind. Es sind also weder Meteoritenkrater noch Landeplätze von Ausserirdischen.

Was würden Sie machen, wenn in Ihrem Garten eine Doline entstünde?

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