Dez30

Qaidam1Zu meinem Abschied möchte ich Sie an einen wundervollen, etwas abgelegenen Ort mitnehmen, den ich im Rahmen meiner Doktorarbeit bereisen und erforschen durfte: ins Qaidam-Becken am Nordost-Rand des Tibetplateaus. Das Sedimentbecken in Westchina liegt auf über 3000 Meter und ist etwa dreimal so gross wie die Schweiz. Sein Inneres ist mit bis zu 16 km Sedimenten gefüllt und seit rund 26 Millionen Jahren ist das Becken vollständig von heute 5000 m hohen Gebirgen umgeben und besitzt keinen Abfluss mehr. Damit schliesst es ein grosses Stück seiner tektonischen und klimatischen Geschichte in seinen jüngeren Sedimenten ein, was es für die Forschung besonders interessant macht. Das Qaidam-Becken ist gefüllt mit Sand-, Kalk- und Tonsteinen, die alle möglichen Farbschattierungen aufweisen; Risse sind heute oft mit Gips gefüllt und auf den Ebenen bilden sich Salzkristalle. Die wenigen Wasserstellen und Seen, die es in dieser wüstenhaften Gegend gibt, bestehen heute aus salzig-brackigem Wasser. Je nach Wasserqualität zur entsprechenden Zeit finden sich in den Ablagerungen Mikro-Fossilien von Süsswasser- oder Salzwasserlebewesen.

Qaidam2Ursprünglich handelte es sich beim Qaidam-Gebiet um einen Mikrokontinent, der bei der Kollision von Indien und Asien zwischen die Fronten geriet.  Noch immer bauen sich grosse Spannungen auf infolge des Kollisions- und Hebungsdruckes, die sich gelegentlich in heftigen Erdbeben im Altyn- oder Kunlun-Gebirge entladen.

Gewisse Sandsteine – vor allem solche, die während der späteren Jurazeit abgelagert worden waren – beherbergen Erdöl- und Kohlevorkommen, welche auch gefördert werden.

Mit diesem Einblick verabschiede ich mich von meiner treuen Leserschaft und wünsche Ihnen weiterhin viel Vergnügen auf erdwissen.ch – der Stein rollt weiter.

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Okt21

Ammonit im Posidonienschiefer, Durchmesser ca. 7cmSchwäbischer Ölschiefer ist ein grau-schwarzer, bituminöser Tonstein aus der frühen Jurazeit vor rund 180 Millionen Jahren. Der Posidonienschiefer erstreckt sich über weite Gebiete Mittel- und Nordwesteuropas, liegt u.a. im Pariser Becken und ist im Süddeutschen Becken am besten aufgeschlossen, weil er hier durch die Alpenfaltung gehoben wurde.

Der Name geht ursprünglich auf eine Muschel zurück, die unterdessen aber umbenannt wurde. Posidonienschiefer ist kein Schiefer im engeren Sinn sondern lediglich ein fein geschichtetes Ton-Sediment. Die Tone wurden in einem flachen Nebenmeer der Tethys abgelagert. Das Milieu muss sauerstoffarm bis anoxisch gewesen sein, was die Konservierung des organischen Materials, der damaligen Lebewesen, begünstigte. Der Posidonienschiefer ist äusserst Fossil reich. Neben Muscheln, Ammoniten und Seelilien gibt es auch Fischsaurier, Posidonienschiefer-Platte mit zahlreichen Ammoniten.Krokodile und Fische. Ein sehr bekannter Fundort ist Holzmaden in der Schwäbischen Alb.

Posidonienschiefer wird für Tischplatten, Wand- und Kaminverkleidungen verwendet. Stellenweise enthält Posidonienschiefer nennenswerte Mengen Erdöl. In Süddeutschland wird der Ölschiefer als Energiequelle und Zuschlag in der Zementindustrie genutzt.

Wer selber einen Ammoniten aus dem Posidonienschiefer spalten will, kann das am Samstagnachmittag 25.10. im Naturmuseum Winterthur – vorausgesetzt man besitzt ein Fossilienjäger-Diplom – oder an der Winti Mäss Ende November am Stand der Nagra.

Viel Vergnügen!

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Aug19

Blick vom Creux du Van ins Vallée des Ponts. Das Tal befindet sich in der Faltensohle und die Schenkel sind bewaldet.Im Norden und Nordwesten der Schweiz erstreckt sich der Jura, welcher in Falten- und Tafeljura unterteilt wird.

Der Druck der entstehenden Alpen wirkte sich vor 15 bis 10 Millionen Jahren bis in die Nordschweiz aus. Dieser Druck faltete dort die Gesteinsschichten zum Faltenjura. Der Faltenjura hat seinen östlichsten Ausläufer in der Lägern bei Baden AG und erstreckt sich über 300 km weit bis nach Frankreich. Flüsse und Strassen folgen mehrheitlich den Längstälern. Der Faltenjura wird nur an einzelnen Stellen von einer Klus (Flussdurchbruch) durchbrochen, wo dann häufig auch eine Strasse durchführt. Strassenverbindungen führen auch über Pässe oder durch Tunnels. Bei den Falten handelt es sich hier häufig um so genannte Kofferfalten mit steilen Schenkeln und einem flachen Scheitel. Die Auffaltungen ermöglichen in Tunnels einen Zugang zu Gesteinsschichten, die im Mittelland vielerorts in relativ grosser Tiefe liegen.

Am La Dôle bei Genf sind Kalksteine aus der Kreidezeit im Faltenjura aufgefaltet.Der Tafeljura grenzt nördlich an den Faltenjura und deckt im Wesentlichen den Kanton Schaffhausen, die Nordschweiz einschliesslich Basel sowie die Ajoie im Kanton Jura ab. Der Tafeljura besteht aus der Sedimentbedeckung des Südschwarzwaldes und ist entlang Brüchen in grosse Schollen zerbrochen.

Im Jura dominieren Kalk-, Mergel- und Tongestein sowie Anhydrit/Gips. Letztere vereinfachen die Faltenbildung, da sie als Gleitmittel dienen.

Falten oder Tafel. Welcher Jura-Teil gefällt Ihnen besser – warum?

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Mai27

Der Geotrog oberhalb von Wölflinswil zeigt einen Querschnitt durch die Geologie im Aargauer Jura.So lautet das Motto der diesjährigen Natur- und Kulturwoche in Wölflinswil-Oberhof im Benkental (Kanton Aargau).

Wölflinswil bietet auch ohne Naturwoche geologisch ein paar faszinierende Einblicke. Oberhalb des Dorfes liegt der Geotrog, eine Art Koffer mit einem geologischen Profil durch den Aargauer Jura mit zugehörigen Gesteinsbeispielen. Und der Wölflinswiler Graben – eine tektonische Erscheinung – ist auch dauerhaft ausgeschildert. Während der Naturwoche können Sie die verschiedenen Gesteine auch in der Ausstellung im Alten Milchhaus besichtigen. Das Jurapark-Fest am 1. Juni und die Naturwoche bieten geologische Rundgänge und Exkursionen.

Stolleneingang im ehemaligen Eisenbergwerk Herznach.Der Aargauer Jura ist geologisch gesehen sehr vielfältig; Wölflinswil-Oberhof liegt zudem am Übergang vom Tafel- zum Faltenjura. Neben zahlreichen bekannten Fossilfundstellen wurde in früheren Zeiten auch Eisenerz abgebaut in Herznach (siehe Foto vom Stolleneingang) und Gips oberhalb von Küttigen. Salze und Mineralien runden das Bild ab.

Neben der Geologie soll in einer Kulturwoche aber auch Platz sein für „steinige“ Kunstformen; Steinskulpturen unterschiedlicher Art, aus Stein gehauen oder mit Stein gebaut laden ein zur Betrachtung.

Lassen Sie sich von Erde-Steine-Bodenschätze begeistern und machen Sie einen Ausflug ins Benkental! Welches ist Ihr liebster Bodenschatz?

Wissen Sie von ähnlichen Aktionswochen? Lassen Sie es uns wissen, wir stellen es hier gerne vor.

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Jan14

Lochstein aus Kimmeridge-Kalk an der Hauptstrasse in Courgenay (Kanton Jura)Grosse Steine mit künstlichen Löchern, die noch aufrecht in der Landschaft stehen oder umgekippt liegend gefunden werden, sorgten einst für Verwunderung und Rätselraten. Heute kennt man solche Lochsteine von zahlreichen Orten. Sie dürften in der Regel Teil eines Dolmens gewesen sein. Dolmen sind Bauwerke aus meist riesigen Steinblöcken und dienten während der Jungsteinzeit und der Bronzezeit vermutlich als Grabmäler für hochrangige Personen. Grosse aufgerichtete Tragsteine werden von einem oder mehreren Dachsteinen gedeckt.

Auch in der Schweiz findet man solche Megalithen mit einem „Seelenloch“. Durch das Loch im Stein konnte die Seele des Toten entweichen – oder die Toten wurden durch das Loch ins Grabmal geschoben. So genau weiss man das nicht. In Courgenay im Kanton Jura steht direkt an der Hauptstrasse der Pierre-Percée. Der Megalith besteht aus beigem Kimmeridgien-Kalk (ca. 155 Millionen Jahre alt), der aus der nahen Umgebung stammt, ist 2,5 m hoch und 2,3 m breit und dürfte aus der Zeit um 3000 v. Chr. stammen.

Seelenlöcher bzw. –fenster kennt man auch von Walserhäusern. Kennen Sie noch andere Beispiele von Seelenlöchern?

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Jan07

Stegosaurus im Préhisto-Parc in Réclère (JU).Im Kanton Jura begegnen Sie nicht nur zahlreichen Dinosaurierspuren, auf einem Waldspaziergang unweit der französischen Grenze können Sie sogar auf lebensgrosse Dinosaurier treffen. Wer also die Dinosaurier nicht nur mit Brille im Kino in 3D sehen möchte, sondern auch mit blossem Auge, der findet im Jura einen ganzen Park voll Saurier.

Der Préhisto-Parc in Réclère zeigt 45 Urzeittiere, von den ersten Amphibien über die Dinosaurier bis zum Höhlenbären. Die Hauptattraktion sind natürlich die vielen Dinosaurier. Vom Plateosaurus aus der Trias, über den Stegosaurus aus der Jurazeit bis zum stacheligen Styracosaurus und dem Furcht einflössenden Tyrannosaurus-Verwandten Tarbosaurus aus der Kreidezeit. Im Untergrund des Kopf eines Ankylosaurus im Préhisto-Parc in Réclère (JU). Keine Sorge, das stachelige Tier war Pflanzenfresser.Urzeitpfades ist eine grosse Tropfsteinhöhle – die Grottes de Réclère, welche mit dem sogenannten Dom den grössten Stalagmiten der Schweiz beherbergt.

Dinosaurier im Kino, als Skulpturen im Park – oder sogar lebendig im Zoo – was hätten Sie am liebsten?

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Sep17

Giganten im Jura-Jura

gepostet von drea in Allgemein, Fossilien

152 Millionen Jahre alte Dinosaurier-Spuren. Öffentlich zugänglich in der Nähe von Courtedoux (JU)Woran denken Sie beim Stichwort Bahamas? An kleine Inseln, weisse Sandstrände, flaches, warmes Tropenmeer – und dem Strand entlang trottet eine Horde Dinosaurier auf der Suche nach Futterpflanzen, verfolgt von ein paar hungrigen Fleischfressern?

So könnte es vor rund 152 Millionen Jahren ausgesehen haben, als sich die Gesteine des heutigen Juras in der Jura-Zeit bildeten. In der Ajoie wurden bei Aushubarbeiten für die Autobahn A16 um Courtedoux zahlreiche Saurierspuren entdeckt und freigelegt. Die riesigen runden Fussabdrücke der Pflanzen fressenden Sauropoden messen teils über einen Meter im Durchmesser. Wie diese Giganten ausgesehen haben könnten, sehen Besucher im Kreisel östlich von Courtedoux, wo ein Dinosaurier im Kreisel wacht.

Dinosaurier-Kreisel in Courtedoux im Kanton Jura.Von den mehreren Tausend Trittsiegeln sind aktuell nur wenige öffentlich zugänglich. Ausgehend von der zukünftigen Autobahnauffahrt westlich von Courtedoux führt ein Lehrpfad zu einem Platz mit Saurierspuren. Unterwegs informieren Tafeln über die Zeit vor 150 Millionen Jahren – in Französisch und Deutsch.

Neben den imposanten Dinospuren wurden auch zahlreiche Meeresfossilien gefunden, die Einsicht geben in das Leben im Jura-Meer. Darin tummelten sich demnach Krokodile, Ammoniten, Haifische, Schildkröten und weiteres Getier.

Bahamas mit oder ohne Dinos – was ist Ihre Wahl?

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