Nov05

Verwitterter Kalksandstein wird zu einem knolligen "Kartoffelstein". Das gezeigte Exemplar ist etwa einen Meter lang.Jetzt wo es wieder früh dunkel wird und draussen kalt ist, wäre ein warmes Kartoffelgericht doch eigentlich ideal. Wussten Sie, dass es einen „Kartoffelstein“ gibt? Nein, in diesem Fall meine ich nicht den Aussichtspunkt nahe Göttingen (D), sondern ein knolliges Sedimentärgeschiebe in Norddeutschland.

Die grauen Kugelsandsteine sind vor 34 bis 24 Millionen Jahren entstanden. Calcit- und dolomithaltige Wässer durchflossen die abgelagerten Sande. Das karbonatische Bindemittel liess unterschiedlich grosse Kugeln im Kalksandstein entstehen. Die Kugeln findet man heute einzeln oder wie beim abgebildeten Exemplar aus dem Garten des Müritzeums in Gruppen verbunden.

Seinen Ursprung hat der Kugelsandstein im Ostseeraum in der Oderbucht und wurde auf dem Eisweg von Gletschern ins Inland transportiert.

Welches Kartoffelgericht mögen Sie am liebsten? Also ich mag die kleinen Marzipankartoffeln ganz gern… ;-)

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Okt29

Blick auf den SempacherseeWieviel Geologie steckt eigentlich in Kunst? Je nach Maler sogar ziemlich viel! Die Kunst ist voller Hinweise, Andeutungen und konkreter Darstellungen von geologischen Gegebenheiten. Vor allem die frühen Geologen mussten alle auch Künstler sein. Ohne Fotoapparat blieb einem gar nichts anderes übrig, als seine Beobachtungen und Interpretationen aufzuzeichnen; Berge, Decken, Falten, Bergstürze, Fluten, Vulkanausbrüche, Gletscher – alles finden wir in der Malerei.

Bilder lassen sich auch noch anders geologisch betrachten. Am Beispiel des Gemäldes „Am Sempachersee“ von Robert Zünd möchte ich Ihnen dies genauer erläutern. Was ist alles auf dem Bild zu sehen und wie alt sind diese Sachen erdgeschichtlich? Der namensgebende Sempachersee entstand am Ende der letzten Ausschnitt aus Robert Zünds Gemälde "Am Sempachersee". Quelle und Dank: Aargauer KunsthausEiszeit vor 12000 Jahren. Der Reussgletscher zog sich zurück und eine Endmoräne bei Sursee staute das Schmelzwasser zum See. Die im Hintergrund auszumachenden Alpen entstanden in der Zeit ab 80 Millionen Jahre und der Hund hat Vorfahren, die vor etwa 40 Millionen Jahren auftauchten. Das eigentliche Haushuhn ist seit 6000 v. Chr. bekannt, wenn man aber bedenkt, dass die Vögel von den Dinosauriern abstammen, dann hat es seinen Ursprung irgendwo im späten Jura um 140 Millionen Jahre. Und das schöne grüne Gras dürfte in der späten Kreidezeit entstanden sein, breitete sich aber erst viel später in der Erdneuzeit (Känozoikum) aus, nachdem die Dinos längst ausgestorben waren.

Welche „geologischen“ Gemälde gefallen Ihnen besonders? Und wenn Sie Kunst-interessierte Kinder haben, dann bietet das Aargauer Kunsthaus am 6. November die passende Veranstaltung.

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Okt15

Schwarzwälder Gneis-Aufschluss am Schlossberg in Laufenburg CHDie Altstadt von Laufenburg um den Schlossberg steht auf Schwarzwälder Kristallingestein. Es ist einer der wenigen Ort in der Schweiz, wo Schwarzwälder Kristallin direkt aufgeschlossen ist.

Vor der letzten Eiszeit floss der Rhein südlich des Schlossberges und damit direkt am Südrand des Schwarzwaldkristallins. Während der Eiszeit verstopften Schotterablagerungen den früheren Lauf und der Rhein musste sich einen neuen Weg suchen. Er schnitt ins Kristallin und schuf sich ein 30 m tiefes Tal und eine Stromschnelle. Letztere, auch „Laufen“ genannt, gab der Stadt ihren Namen, wurde aber von Menschenhand gesprengt.

Ausschnitt der geologischen Karte um Laufenburg. Quelle: http://www.geologieviewer.ch/Vor allem am Schlossberg und in den Rhein nahen Gassen der Altstadt sind die Gesteine zugänglich aufgeschlossen. Dunkle Biotit-Gneise sind von hellen Gängen (ca. 320 Millionen Jahre alt) durchschlagen. Solche Gänge erlauben es, eine chronologische Abfolge aufzustellen, da neue Gänge in der Regel ältere kreuzen und durchschlagen.

Im Abwassertunnel unter dem Nordteil der Altstadt sind die Gesteine direkt zugänglich und ohne Verwitterung noch viel besser erkennbar. Der Tunnel kann im Rahmen einer geologischen Stadtführung besichtigt werden.

Was mögen Sie am Schwarzwald? Wandern, Skifahren, Kuckucksuhren...

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Sep24

Blick in die Sonderausstellung "Die Erde im Visier" bei focusTerra an der ETH in Zürich. im Vordergrund ein Modell des Satelliten CHAMP.Für geologische Erkundungsarbeiten ist es heute zum Teil nicht mehr zwingend nötig, in aufwändig geplanten Kampagnen an ein Ende der Welt zu reisen. Aufwändige Planung braucht es zwar heute auch noch, aber die Reise übernehmen Satelliten und den Rest der Arbeit kann man vor dem Computer erledigen.

Aus dem All lassen sich eher kurzfristige Ereignisse überwachen; dazu gehören Vulkanausbrüche, Waldbrände, Ölteppiche und deren Ausbreitung, aber auch ganz langsame Bewegungen wie die Kontinentalverschiebung. Mittels ausgeklügelter Bildanalysen lassen sich sogar Rohstoffvorkommen auffinden und selbst der Ozeanboden bleibt nicht mehr verborgen.

Je nach Aufgabe fliegen Satelliten auf unterschiedlichen Bahnen. Forschungssatelliten fliegen meist relativ tief in 250 bis 2000 km Höhe. Für Wetterbeobachtung und Rundfunk werden geostationäre Satelliten eingesetzt, welche in rund 36000 km Höhe immer über dem selben Punkt über dem Äquator „stehen“. Umweltveränderungen wiederum erkennt man aus aufeinanderfolgenden Bildern, wenn ein Satellit täglich zur selben Ortszeit denselben Ort überfliegt.

Bis 23. Februar 2014 zeigt die Sonderausstellung „Die Erde im Visier“ bei focusTerra an der ETH Zürich solche Satellitenbilder und die zugehörigen Erklärungen. Eine Vortragsreihe ergänzt das Ausstellungsangebot.

Welche Ecke würden Sie sich aussuchen, wenn Sie einmal „von Aussen“ auf die Erde blicken könnten – warum?

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Aug13

relativ grosses Stück Feuerstein am Strand von Rügen (Deutschland)Schwarz-grau mit einer weissen Kruste – so kennt man Feuerstein an der Ostsee und in Norddeutschland. Feuersteinknollen bestehen aus Siliziumdioxid und Wassermolekülen (SiO2.nH2O) – gleich wie Opal. Die Knollen entstehen im Meeresboden aus Kieselsäure-Ausfällungen, die den Kalkschlamm verdrängen. Die Kieselsäure stammt von Schwämmen und anderen Quarz-Schalen und -Skeletten, die sich am Meeresboden auflösen. Die Umwandlung und Gesteinsbildung (Diagenese) zum festen Feuerstein dauert Jahrmillionen.

Die dunkle Farbe ist einerseits durch Kohlenstoff-Einlagerungen zu erklären, aber auch durch die extrem kleinen Kristalle, die das Gestein aufbauen. Mikrokristalline Gesteine erscheinen oft schwarz, da sie kein Licht durchlassen. Die helle Aussenrinde ist eine Vorstufe des Feuersteins im Innern.

Feuersteine am Ostseestrand. Typisch ist die dunkle Farbe und die weisse Kruste.Feuersteine findet man meist als Konkretionen in einzelnen Horizonten in Kreidesedimenten. Nur die Knollen die vor 67 Millionen Jahren in der Schreibkreide und vor 63 Millionen Jahren in den Kreidekalken entstanden sind, werden Feuersteine genannt. Ältere Quarzkonkretionen nennt man Hornsteine.

Das Herkunftsgebiet dieser Gesteine liegt an der Deutschen Küste, in Dänemark und in Südschweden. Mit den Gletschern wurden die Feuersteine weit ins Binnenland bis an die Deutschen Mittelgebirge transportiert, wo sie dank ihrer Härte noch heute zahlreich vorkommen. Die sogenannte Feuersteinlinie verläuft südlich von Dortmund und Dresden und entspricht der maximalen Eisausdehnung.

Erzählen Sie mir von Ihrer Versuchen, mit Feuerstein selber Feuer zu schlagen!

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Jun04

Blick in die Aareschlucht. Bild von www.aareschlucht.chDie Aare entspringt im Grimselgebiet im Berner Oberland und legt danach fast 300 km zurück bis sie bei Koblenz in den Rhein mündet.

Als erstes fliesst sie als Bergbach über die Granitschwellen des Aarmassivs. Kaum in den gefalteten Sedimentgesteinen der nördlichen Alpen angekommen, stellte sich der jungen Aare eine Barriere aus hartem Kreidekalk in den Weg. Der „Kirchet“ genannte Felsriegel zwischen Innertkirchen und Meiringen wurde während der Eiszeit von den Gletschern überflossen und an der Oberfläche rund geschliffen. Entlang Klüften konnte sich Wasser einfressen. Die nacheiszeitliche Aare weitete in rund 10000 Jahren eine Rille zu einer 1,4 km langen und bis 200 m tiefen Schlucht aus, die an ihrer engsten Stelle weniger als 1 Meter misst. Bereits vor 125 Jahren wurde die Aareschlucht für die Öffentlichkeit erschlossen – eine wahrlich abenteuerliche Meisterleistung.

Die Teilnehmer der diesjährigen Tour de Suisse dürfen den Kirchet gleich zweimal überfahren; am Ende der dritten Etappe in einer Schlaufe um Meiringen und gleich zu Beginn der vierten Etappe, die in Innertkirchen startet – dabei wäre eine Schluchtfahrt für die Velofahrer doch auch mal eine tolle Herausforderung…

Spaziergang durch die Aareschlucht oder Veloschauen vor dem Fernseher?

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Jan29

Gletschertopf im Gletschergarten LuzernWasser hat Kraft. Wasser ist stark. Dies wird bei Gletschermühlen und –töpfen eindrücklich sichtbar. In einer Gletschermühle gelangt Schmelzwasser in Wirbeln von der Oberfläche ins Gletscherinnere. Ein Gletschertopf wiederum entsteht häufig am Auftreffpunkt einer Gletschermühle am Gebirgsuntergrund.

Damit ein Gletschertopf entsteht, braucht es eigentlich nicht mal einen Gletscher. Wasser, das mit hoher Geschwindigkeit und Druck fliesst, vermag bereits einen Topf zu bilden. Ein Gletscher und zusätzlich eine Gletschermühle erhöhen aber unter Umständen den Wasserdruck, was die erosiven Kräfte des Wassers verstärkt.

Gletschertopf im Gletschergarten LuzernFrüher war man der Meinung, dass es für die Entstehung eines Gletschertopfes einen grossen Stein braucht, der sich in einem Wasserwirbel dreht und der somit den Gesteinsgrund langsam aushöhlt. Heute weiss man, dass Wasser allein genügt und kleine Schwemmteilchen wie zusätzliches Schmirgelmaterial wirken. Viele Gletschertöpfe sind während der Eiszeit entstanden. Aber auch heute noch entstehen ständig neue, so zum Beispiel oberhalb Trin oder im Val Poschiavo.

Für Eiszeit-Interessierte lohnt sich ein Besuch in Luzern derzeit doppelt. Einerseits können Sie im Gletschergarten die Gletschertöpfe bewundern und im Verkehrshaus mit dem TimeRide noch bis Anfang März 2013 eine Reise in die Vergangenheit erleben mit einem kurzen Halt in der Eiszeit.

Was könnte man in einem Gletschertopf kochen?

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