Dez02

Flyer-Titelbild der aktuellen Sonderausstellung im Gletschergarten Luzern "Gletscher der Welt"Gletscher gibt es auf fast jedem Kontinent, unter anderem in den Alpen, in Skandinavien, in den Anden und den Rocky Mountains, im Himalaya und am Kilimanjaro; einzig in Australien gibt es keine Gletscher. Rund 10 Prozent der Landfläche sind heute von Gletschereis bedeckt. Manche Gletscher liegen in grosser Höhe, andere kalben direkt ins Meer, was ein dramatisches und eindrückliches Ereignis sein kann. Die Gletscher und Eisschilde dieser Erde enthalten rund 70 Prozent unserer Süsswasservorräte und spielen in manchen Regionen eine wichtige Rolle bei der Wasserversorgung. Weltweit gibt es zahlreiche Gebiete, die auf Schmelzwasser von Gletschern angewiesen sind bei ihrer Wasserversorgung.

Gletscher sind Landschaftsformer, heute wie früher, prägten die Fjorde Skandinaviens genauso wie das Schweizerische Mittelland während der letzten Eiszeiten. Zahlreiche Gletscher sind touristische Attraktionen, wie beispielsweise der Aletschgletscher bei uns in der Schweiz. Gletscher haben aber auch ihre gefährlichen Seiten; plötzliche Eisabbrüche, Spalten, spontane Entleerungen von Gletscherseen, instabile Seitenmoränen bei sich zurückziehenden Gletscher sind nur einige davon.

Eine neue Sonderausstellung im Gletschergarten in Luzern zeigt noch bis nächsten September Gletscher-Fotos aus der ganzen Welt – ein ungefährlicher Genuss.

Sollten wir uns um die Gletscherrückzüge Sorgen machen?

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Nov11

Mit Travertin ausgekleidete Wand im Bahnhof Milano Centrale.Vielleicht planen Sie dieses Jahr Christmas-Shopping in Mailand? Dann werfen Sie einen Blick auf die Gesteine im Hauptbahnhof Milano Centrale. Die Wände sind mit Travertin ausgekleidet. Travertin ist ein poröser Kalkstein, der sich als chemische Ausfällung an Süsswasserquellen bildet, welche an CO2 übersättigt sind. Dabei spielt die Quellwassertemperatur keine Rolle; Travertin oder Kalktuff kann sich sowohl an kalten wie auch an heissen Quellen bilden.

Das gebänderte Gestein besteht fast ausschliesslich aus Calciumcarbonat CaCO3. Kleine Mineralbeimengungen sorgen für die gelb-rötlich-braune Farbe.

Eck-Detail aus Travertin am Bahnhof von Mailand.Travertin kommt weltweit vor; die Vorkommen sind aber meist eher bescheiden. Voraussetzung ist zudem das Vorhandensein von Kalken oder Marmoren in der Nähe, welche dem Wasser als Calcium- und Carbonatquelle dienen können. Die meisten Kalktuffe entstanden im Quartär. Bei der Kalkbildung werden häufig Pflanzenteile eingeschlossen, welche sich zersetzen und so für Hohlräume sorgen. Die Hohlräume können nachträglich ebenfalls mit Kalk gefüllt werden. Das poröse Gestein ist frostfest und sowohl als Baustein wie auch Dekostein beliebt und wird vor allem da eingesetzt, wo lokale Travertinvorkommen existieren.

Eindrückliche Sinterbildungen liegen heute in der Türkei bei Pamukkale oder im Yellowstone National Park in den USA.

Wohin geht Ihr Weihnachtsshopping dieses Jahr?

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Okt21

Ammonit im Posidonienschiefer, Durchmesser ca. 7cmSchwäbischer Ölschiefer ist ein grau-schwarzer, bituminöser Tonstein aus der frühen Jurazeit vor rund 180 Millionen Jahren. Der Posidonienschiefer erstreckt sich über weite Gebiete Mittel- und Nordwesteuropas, liegt u.a. im Pariser Becken und ist im Süddeutschen Becken am besten aufgeschlossen, weil er hier durch die Alpenfaltung gehoben wurde.

Der Name geht ursprünglich auf eine Muschel zurück, die unterdessen aber umbenannt wurde. Posidonienschiefer ist kein Schiefer im engeren Sinn sondern lediglich ein fein geschichtetes Ton-Sediment. Die Tone wurden in einem flachen Nebenmeer der Tethys abgelagert. Das Milieu muss sauerstoffarm bis anoxisch gewesen sein, was die Konservierung des organischen Materials, der damaligen Lebewesen, begünstigte. Der Posidonienschiefer ist äusserst Fossil reich. Neben Muscheln, Ammoniten und Seelilien gibt es auch Fischsaurier, Posidonienschiefer-Platte mit zahlreichen Ammoniten.Krokodile und Fische. Ein sehr bekannter Fundort ist Holzmaden in der Schwäbischen Alb.

Posidonienschiefer wird für Tischplatten, Wand- und Kaminverkleidungen verwendet. Stellenweise enthält Posidonienschiefer nennenswerte Mengen Erdöl. In Süddeutschland wird der Ölschiefer als Energiequelle und Zuschlag in der Zementindustrie genutzt.

Wer selber einen Ammoniten aus dem Posidonienschiefer spalten will, kann das am Samstagnachmittag 25.10. im Naturmuseum Winterthur – vorausgesetzt man besitzt ein Fossilienjäger-Diplom – oder an der Winti Mäss Ende November am Stand der Nagra.

Viel Vergnügen!

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Sep09

Geologie und Essen hat mehr mit einander zu tun, als man auf den ersten Blick erwarten würde.Das Thema der diesjährigen Europäischen Tage des Denkmals am 13. Und 14. September lautet „Zu Tisch“. Auf den ersten Blick mag das wenig mit Geologie zu tun haben, auf den zweiten Blick zeigen sich aber unzählige Verbindungen.

Schon in der Steinzeit dürften ein paar Steine die zentrale Feuerstelle umgeben und zusätzlich Wärme gespeichert haben.

Vom gepflästerten Marktplatz wo man einkauft, über das schlichte Refektorium im aus Steinen erbauten Kloster bis zum geschmückten Esszimmer mit dem feinen Porzellan; überall begleiten „steinige“ Rohstoffe unser Essen. Vielleicht diente ein Kohleofen zum Kochen oder Heizen…

Programmheft Denkmaltage 2014 zum Thema "Zu Tisch". hereinspaziert.chTöpfe wurden aus Speckstein geschliffen, aus Kupfer und anderen Metallen geschaffen, mit Email überzogen, welches ebenfalls aus natürlichen, mineralischen Pigmenten hergestellt wird.

Für die Produktion von Keramik braucht man Kaolin, ein Verwitterungsprodukt von Feldspat. Im Glas steckt Silizium und am Boden findet sich vielleicht Weinstein. Ganz vornehme Personen tranken aus geschliffenem Bergkristall mit Goldeinfassung; Schalen wurden mit (Halb-)Edelsteinen besetzt.

Die Tischplatte ist aus Marmor, die Küche aus indischem Granit und das Fleischplättli ist hübsch angerichtet auf einer dünnen Schieferplatte.

Sie sehen, wenn man mal anfängt zu überlegen, dann findet sich viel Geologie rund um unser Essen.

Auch bei der Herstellung von Speisen spielt Geologie mit. Früher wurde das Mehl in einer Steinmühle, erst von Hand, dann unterstützt von Esel, Wasser oder Wind, gemahlen und vielleicht besitzen Sie heute noch einen Mörser aus Stein? Und zu guter Letzt: was wäre eine Suppe ohne Salz?

Suchen Sie sich eine Veranstaltung aus dem reichhaltigen Menu aus und suchen Sie die nach der Verbindung zur Geologie! Wo haben Sie sie gefunden?

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Jul08

Tektonik – Die Alpen

gepostet von drea in Allgemein, Geologie

Die Alpen wie man sie sich vorstellt - hohe, verschneite, schroffe Berggipfel. Wetterhorn (links), Finsteraarhorn (rechts)Die Schweizer Alpen bilden den zentralen Teil des gesamten Alpenbogens, der sich von Nizza am Mittelmeer bis nach Wien erstreckt. Hier liegen auch die höchsten Erhebungen des Kollisionsgebirges. Die Alpenbildung setzte am Ende der Kreidezeit vor rund 80 Millionen Jahren ein als Folge der beginnenden Kollision des Afrikanischen mit dem Europäischen Kontinent und erfuhr ihren Höhepunkt vor etwa 30 Millionen Jahren. Die Ecken und Kanten zeugen vom noch relativ jungen Alter. Während die „Wurzeln“ bis in Tiefen von 70km reichen und damit hier die Kontinentaldicke sehr gross ist, sind die Gipfel noch spitz und scharfkantig, weil sie selbst während der Eiszeiten nicht bedeckt und abgeschliffen waren. Noch heute heben sich die Alpen jährlich um 1-2 mm. Die Abtragung bewegt sich allerdings im selben Rahmen, so dass die Alpen nicht mehr an weiterer Höhe gewinnen.

Felsen und Geröll am PizolIn den Alpen wurden viele geologische Phänomene erstmals beobachtet und beschrieben und auch verstanden. Die komplexe Situation mit mehrphasigen Verfaltungen, grossflächigen Überschiebungen ganzer Gesteinseinheiten, die ursprünglich nebeneinander abgelagert worden waren, einschliesslich Reste von Ozeanboden, gibt viel zu entdecken und erforschen. Granitische Gesteine bilden zentralen Massive, wie beispielsweise das Gotthard- und Aarmassiv oder das Mont Blanc-Massiv im Südwesten unseres Landes. Diese Massive sind von Sedimenten umgeben, die verschiedentlich metamorph überprägt wurden. Für manch einen Geologie-Anfänger ist die Komplexität anfangs ein Graus, mit der Zeit erschliessen sich einem aber all die eindrücklichen Phänomene. Nicht zuletzt bilden die Alpen einen einmaligen Lebensraum, den man auch ohne geologische Kenntnisse einfach geniessen kann.

Eine unterhaltsame Version der Alpenfaltung bietet der Comic von Mike van Audenhove.

Welche Beziehung haben Sie zu den Alpen?

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Jul01

Abguss eines Ceresiosaurus umgeben von kleinen Neusticosauriern aus der Meride-Formation. Das Original wurde 1937 in den Cava-inferiore-Schichten gefunden.Zurück in die Südalpen. Der Monte San Giorgio im Südtessin gehört weltweit zu den bedeutendsten Fossillagerstätten. Unzählige Fischsaurier, Fische, Ammoniten und andere Lebewesen wurden hier seit Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckt, darunter auch der vom Festland eingeschwemmte Archosaurier Ticinosuchus Ferox, der die Besucher im 2012 neu eröffneten Museo dei Fossili in Meride als lebensgrosses Modell begrüsst. Das Museum befindet sich mitten im Dorf, von Aussen eher unscheinbar in ein altes, von Stararchitekt Mario Botta umgebautes, Haus eingegliedert. Das Haus widerspiegelt die Geologie vom Monte San Giorgio. Die Stockwerke entsprechen der Stratigraphie; im ersten Stock befinden sich die Funde aus der tiefer gelegenen Besano-Formation, im zweiten Stock die Fossilien aus der Meride-Formation. Der dritte Stock zeigt auch noch als Erweiterung die marinen Ablagerungen aus der Jurazeit von Arzo.

Ausschnitt aus der Stratigrafie des Monte San Giorgio. Das Museum widerspiegelt die Abfolge der Gesteinsschichten in den einzelnen Stockwerken.In einer 600 m mächtigen Abfolge aus Kalk-, Dolomit- und bituminösem Tongestein befinden sich fünf fossilreiche Horizonte. Entstanden sind die Lagerstätten vor 243-239 Millionen Jahren in der Mittleren Trias in einem subtropischen Flachmeer, das Teil einer grossen Karbonatplattform war. Die Gesteine der Grenzbitumenzone und der Meride-Kalke entstanden in 50-100 m Tiefe.

Entdeckt wurden die Fossilien eher zufällig beim Abbau der Ölschiefer. Aus dem bituminösen Gestein wurde „Saurol“ hergestellt, eine Salbe gegen Hautkrankheiten.

Seit 2003 gehört das Gebiet in der Schweiz zum UNESCO-Weltnaturerbe, der italienische Teil kam 2010 dazu.

Würden Sie im Meer schwimmen gehen, wenn Sie wüssten, dass heute noch immer solche Fischsaurier umherschwimmen?

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Jun17

Sitzbänke aus italienischem Granit im neuen Durchgangsbahnhof Löwenstrasse im Zürcher Hauptbahnhof.Haben Sie ihn sich auch schon angeschaut – den neuen Durchgangsbahnhof Löwenstrasse in Zürich – den zugänglichen Teil der neuen Durchmesserlinie? Zwei breite Perrons sind bereit, die täglichen Ströme von Pendlern und Reisenden aufzunehmen. Das Bauwerk ist ganz jung, genauso wie der hellgraue Granit, der für Boden und Sitzbänke verwendet wurde. Geologische gesehen ist der Bergeller Novate-Granit, der unter dem Namen San Fedelino gehandelt wird, mit seinen 25 Millionen Jahren nämlich auch eher jung. Gut zu erkennen im Granit neben Quarz und Feldspat sind die beiden Glimmersorten, heller Muskovit und dunkler Biotit, die für ein edles Glitzern im Bahnhof sorgen. Das Magma drang erst in einer späten Phase der Alpenbildung in die bestehenden, übereinander geschobenen Decken-Einheiten im Bergell ein. Durch die gleichzeitige Bewegung entlang der Insubrischen Linie (hier auch Tonale-Linie genannt) wurde der Granitkörper in die Länge gezogen. In der Folge gelangte der Granit relativ schnell durch Erosion an die Oberfläche.

Novate-Granit San Fedelino am Boden im neuen Durchgangsbahnhof Löwenstrasse in Zürich.Im bestehenden Shopville sind auch bereits Gesteine aus Italien verbaut; die Bodenplatten aus Granit stammen dort allerdings aus Sardinien. Mehr dazu finden Sie im Artikel vom 1. Mai 2012.

Das Projekt imponiert. Im Untergrund herrscht teilweise Gedränge an Bauwerken, so liegt ein Teil des neuen Bahnhofes unter der Sihl, die hier in fünf grossen Kanälen im Untergrund durch den Bahnhof geführt wird, bevor sie am Platzspitz in die Limmat mündet. Für den Bahnhof Löwenstrasse mussten 350000 Kubikmeter Gestein ausgehoben werden. Mit dem Aushubmaterial wurden Kiesgruben im Rafzerfeld und im grenznahen Ausland aufgefüllt.

Wie gefällt Ihnen der neue Bahnhof?

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