Aug25

Der Ivrea-Körper, der nach der Stadt Ivrea in der Region Piemont benannt wurde, ist ein schräg aus dem oberen Erdmantel emporragender Körper von deutlich grösserer Dichte als seine Umgebung. Er bewirkt massive regionale Lotabweichungen sowie eine unregelmässige Anomalie des südalpinen Geoids, die sich vor allem im Süden der Schweiz auswirkt. Der Ivrea-Körper besteht aus Gesteinen des Erdmantels. Die Peridotitmassive (das grün Eingefärbte auf der Karte) können als oberste Teile des Ivrea-Körpers angesehen werden, die an der Erdoberfläche freigelegt wurden. Die Platznahme des Mantelgesteins ist durch eine Kombination von permischer und jurassischer Dehnungstektonik, alpiner Überschiebung nach Nordwesten und Rückrotation (Drehung) nach Südosten zu erklären.

Ivrea-Körper ©Nikos-Zeichnung des Westalpen Profils

©Nikos, Zeichnung des Westalpen Profils

Was ist nun aber ein geologischer Störkörper?

In der Geophysik bezeichnet man Körper dann als Störkörper, wenn Unregelmässigkeiten im Erdschwerefeld oder -magnetfeld  vorhanden sind. Störkörper heben sich von ihrer Umgebung durch mindestens einen deutlich abweichenden Gesteinsparameter ab, entweder

Sie können von rein wissenschaftlichem Interesse sein (wie z. B. der Ivrea-Körper für die Geoidbestimmung in der Schweiz) oder wirtschaftliche Bedeutung als Lagerstätte haben – z. B. Erze, spezielle Gesteine wie Kaolin oder SerpentinErdölhaltige Schichten oder Bau- und Massenrohstoffe.

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Mai05

Die dramatischen Ereignisse in Nepal veranlassen mich, liebe Leserinnen und Leser, einige Beiträge über die grossen geotektonischen Zusammenhänge im Himalaya zu schreiben. Der Himalaya, ein Hochgebirgssystem der Superlative erstreckt sich von den westlichen Grenzen Afghanistans und Pakistans bis Burma bzw. Myanmar. Es umfasst ca. 3000 Kilometer und erreicht eine maximale Breite von rund 350 Kilometern.

Himalaya   Mt. Everest Nordseite © Luca_Galuzzi

Links: Der Himalaya Gebirgsbogen mit seinen höchsten Gebirgsketten am Südsaum des tibetischen Hochlandes. Rechts: Mount Everest, Nepal/Tibet ist mit seinen 8848 m der höchste Berg im Himalaya und der Welt. Er wächst, wie das gesamte Gebirge, jährlich im Millimeterschritt weiter.

Das Aufbrechen eines Superkontinents und die Kollision zweier Kontinentalplatten

Vor etwa 200 Millionen Jahren zerbrach der Superkontinent Pangaea in die Kontinente Gondwana und Laurasien. Dazwischen lag ein riesiges Meer, die Tethys. Gondwana zerbrach weiter in kleinere Schollen, wovon der indische Subkontinent im Laufe der Jahrmillionen sich nach Norden, in Richtung Eurasien, bewegte. Das Vorrücken der indischen Platte nach Norden ist in der folgenden Grafik und Animation sehr anschaulich dokumentiert.

Indischer Subkontinent driftet auf die Eurasische Platte zu    Plattentektonische Reise des Planeten Erde

Links: © USGS & Kotagiri Shekar;  Rechts: ©SpaceRip

Der Motor der Plattenverschiebungen

Nach heutiger Vorstellung werden Plattenverschiebungen durch Konvektionsströme im Erdinnern in Gang gehalten. Die Lithosphäre, die aus der Erdkruste und der oberen Schicht des Erdmantels besteht, ist in Plattenstücke zerbrochen. Einige Platten tragen Kontinente (kontinentale Platten), andere bilden ausschliesslich den Meeresboden (ozeanische Platten). Die Prozesse im Innern der Erde bewegen die Kontinente und den Meeresboden. Die Platten erreichen dabei Geschwindigkeiten von bis zu mehreren Zentimetern im Jahr, wie das Wachstum unserer Fingernägel! Weil sich die Konvektionsströme meist chaotisch verhalten, kann es zu plötzlichen Veränderungen in den Bewegungen der Platten kommen. Prallen nun zwei kontinentale Platten (untere rechte Grafik) aufeinander, kommt es zur Kollision wie bei einem Autounfall. Die Kontinente deformieren sich und falten sich zu einem Gebirge auf.

Konvektionsströme und Plattentypen   Gebirgsbildung: Die beiden Kontinentalplatten mit ähnlicher Dichte prallen aufeinander, es kommt zur Aufwölben der Gesteinsmassen zu einem Gebirge.

Links: Darstellung der Konvektionsströme und die verschiedenen Plattentypen. Bildquelle: Internet. 
Rechts: Aufprall zweier Kontinentalplatten. Da beide Platten ähnliche Dichte haben, kommt es zur Aufwölben der Gesteinsmassen zu einem Gebirge. Bildquelle: Internet

Das Zusammenstossen der indischen auf die eurasische Platte erzeugt gewaltige Spannungen in der Erdkruste, die nicht nur zur Auffaltung des Himalayas, der Hebung des Tibetischen Plateaus und dem Ausweichen von Krustenmaterial nach Osten führen, sondern auch immer wieder zu zahlreichen, starken Erdbeben, wie wir sie jetzt erleben.

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Die Lösung

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