Mai20

Blick von unten nach oben im Felsenmeer im Odenwald. Wollsackverwitterung hat zu den gut gerundeten Felsen geführt.Eine Schneise im Wald – ca. 700m lang, 70 m breit und voll mit mannshohen Steinen – das ist das Felsenmeer bei Reichenbach im Odenwald (Deutschland). Der Quarzdiorit aus dem die Steine bestehen, entstand vor rund 340 Millionen Jahren in 12 bis 15 km Tiefe; bei der Abkühlung entstanden die ersten Risse im Gestein. Diorit ist ein magmatisches Gestein, ähnlich einem Granit, besteht aber aus sehr viel Feldspäten (Plagioklas) und nur wenig Quarz.

Wie kam das Gestein nun an die Oberfläche und wurde so gut gerundet?

Was wir im Felsenmeer sehen ist ein eindrückliches Beispiel für die Wollsackverwitterung von Felsenmeer aus Quarzdiorit bei Reichenbach im Lautertal (Odenwald, Deutschland)kristallinen Gesteinen in tropisch und subtropischen Klimazonen. Zu Beginn des Tertiärs lag Mitteleuropa noch nahe dem Äquator. Das Deckgestein wurde abgetragen, durch die Hebung entstanden im Quarzdiorit zusätzlich Entlastungsrisse. Im feucht-warmen Klima griff die Erosion tief in den Untergrund. An den Kanten und Ecken der Gesteinsblöcke im Boden konnte das Wasser besser angreifen und die Blöcke wurden gerundet – eingebettet in ihren eigenen Erosionsschutt, sogenannten Gesteinsgrus. Viele Millionen Jahre später während der Eiszeiten war die Gegend zwar eisfrei aber der Boden war gefroren (Permafrost). Die Gefrierprozesse im Boden bewegten die Gesteine. Erosion in den Zwischenwarmzeiten schwemmte den Grus weg, die Gerölle traten an die Oberfläche und stürzten in vertiefte Erosionsrinnen – so entstand die Ansammlung im Felsenmeer.

Schon die Römer nutzten die grossen und massiven Felsen als Steinbruch. Zahlreiche angefangene, behauene Steine im Felsenmeer zeugen von dieser aktiven Zeit.

Felsenmeer, Steinernes Meer, solche Orte gibt es an mehreren Orten. Welche kennen Sie?

Kommentar schreiben/lesen

Feb18

Geröll aus Taveyannaz-Sandstein. Stein ist angefeuchtet, damit die grün-schwarze Musterung besser zur Geltung kommt.Seine Herkunft liegt im Glarnerland; seit Tausenden Jahren liegt er nun aber schon im Küsnachter Tobel bei Zürich – der Alexanderstein, benannt nach dem Küsnachter Geologen Alexander Wettstein. Ein hausgrosser Findling, der einst mit dem Linthgletscher während der Eiszeit bis vor die Tore Zürichs transportiert wurde. Der Findling besteht aus Taveyannaz-Sandstein. Dieser ist aufgrund seiner typischen grün-schwarzen Musterung auch als Geröll relativ einfach an Flüssen und Ufern erkennbar. Das harte Gestein besteht vor allem aus Quarzkörnern und kleinen, von Auge meist nicht sichtbaren, vulkanischen Gesteinsresten, welche darauf hindeuten, dass während der Entstehung und während der Deckenüberschiebungen auch vulkanische Aktivität vorhanden war. Die Sandsteine sind 50 bis 35 Millionen Jahre alt, kommen ursprünglich aus den Helvetischen Decken und sind häufig als Geröll in der Unteren Meeresmolasse anzutreffen.

Geröll aus Taveyannaz-Sandstein im KiesbettIm Küsnachter Tobel lassen sich viele geologische Prozesse rund um Erosion und Ablagerung beobachten. Auswaschungen an steilen Prallhängen, Ablagerung an den flachen Gleithängen, Bildung von Kalktuff an Quellaustritten und sogar eine dünne Lage vulkanischer Asche, sogenannter Bentonit ist aufgeschlossen. Falls Sie also an einem Wochenende mal nicht wissen wohin zum Spazieren…

Grün, grau, schwarz, weiss, … welches ist Ihr Lieblingsstein?

Kommentar schreiben/lesen

Dez17

Steine in einem bestellten Feld - immer wieder neuLegenden über alljährlich nachwachsende Steine auf Feldern und im freien Gelände dürften weltweit an mehreren Orten entstanden sein. Zudem passen Geschichten gerade zur Jahreszeit.

Wie kam es, dass die Bauern im Frühjahr auf ihren Äckern die grossen Steine mühsam zusammen klaubten und ein Jahr später waren die Felder wieder voller Steine? Die Steine mussten hier über den Winter gewachsen sein.

Nun, wirklich neu gewachsen sind die Steine natürlich nicht, sie wurden lediglich an die Oberfläche befördert. Durch Gefrierprozesse im Winter und Bodenbearbeitung gelangen Steine an die Erdoberfläche. Wenn Wasser unter den Steinen gefriert, dehnt es sich aus und schiebt damit die Steine nach oben. Je häufiger der Boden gefriert und wieder auftaut, desto effektiver ist der Prozess. In nördlichen Regionen entstanden dadurch über Jahrhunderte kreisförmige Steinansammlungen. Lange Zeit konnte man sich die fast vollkommenen Kreise nicht erklären. Vielleicht gibt es Sagen, die diese Steinkreise kleinen Trollen zuschreiben, wer weiss, aber mittlerweile hat man herausgefunden, dass die Kreise natürlich entstanden sind.

Die wachsenden Feldsteine wurden entweder während der Eiszeiten als Geschiebe abgelagert oder entstehen laufend neu im Untergrund durch Verwitterung von anstehendem Fels. Es kann einige Jahrzehnte dauern, bis ein Boden „leer“ von Geschiebesteinen ist.

Wo haben Sie schon von wachsenden Steinen gehört?

Kommentar schreiben/lesen

Nov05

Verwitterter Kalksandstein wird zu einem knolligen "Kartoffelstein". Das gezeigte Exemplar ist etwa einen Meter lang.Jetzt wo es wieder früh dunkel wird und draussen kalt ist, wäre ein warmes Kartoffelgericht doch eigentlich ideal. Wussten Sie, dass es einen „Kartoffelstein“ gibt? Nein, in diesem Fall meine ich nicht den Aussichtspunkt nahe Göttingen (D), sondern ein knolliges Sedimentärgeschiebe in Norddeutschland.

Die grauen Kugelsandsteine sind vor 34 bis 24 Millionen Jahren entstanden. Calcit- und dolomithaltige Wässer durchflossen die abgelagerten Sande. Das karbonatische Bindemittel liess unterschiedlich grosse Kugeln im Kalksandstein entstehen. Die Kugeln findet man heute einzeln oder wie beim abgebildeten Exemplar aus dem Garten des Müritzeums in Gruppen verbunden.

Seinen Ursprung hat der Kugelsandstein im Ostseeraum in der Oderbucht und wurde auf dem Eisweg von Gletschern ins Inland transportiert.

Welches Kartoffelgericht mögen Sie am liebsten? Also ich mag die kleinen Marzipankartoffeln ganz gern… ;-)

Kommentar schreiben/lesen

Okt29

Blick auf den SempacherseeWieviel Geologie steckt eigentlich in Kunst? Je nach Maler sogar ziemlich viel! Die Kunst ist voller Hinweise, Andeutungen und konkreter Darstellungen von geologischen Gegebenheiten. Vor allem die frühen Geologen mussten alle auch Künstler sein. Ohne Fotoapparat blieb einem gar nichts anderes übrig, als seine Beobachtungen und Interpretationen aufzuzeichnen; Berge, Decken, Falten, Bergstürze, Fluten, Vulkanausbrüche, Gletscher – alles finden wir in der Malerei.

Bilder lassen sich auch noch anders geologisch betrachten. Am Beispiel des Gemäldes „Am Sempachersee“ von Robert Zünd möchte ich Ihnen dies genauer erläutern. Was ist alles auf dem Bild zu sehen und wie alt sind diese Sachen erdgeschichtlich? Der namensgebende Sempachersee entstand am Ende der letzten Ausschnitt aus Robert Zünds Gemälde "Am Sempachersee". Quelle und Dank: Aargauer KunsthausEiszeit vor 12000 Jahren. Der Reussgletscher zog sich zurück und eine Endmoräne bei Sursee staute das Schmelzwasser zum See. Die im Hintergrund auszumachenden Alpen entstanden in der Zeit ab 80 Millionen Jahre und der Hund hat Vorfahren, die vor etwa 40 Millionen Jahren auftauchten. Das eigentliche Haushuhn ist seit 6000 v. Chr. bekannt, wenn man aber bedenkt, dass die Vögel von den Dinosauriern abstammen, dann hat es seinen Ursprung irgendwo im späten Jura um 140 Millionen Jahre. Und das schöne grüne Gras dürfte in der späten Kreidezeit entstanden sein, breitete sich aber erst viel später in der Erdneuzeit (Känozoikum) aus, nachdem die Dinos längst ausgestorben waren.

Welche „geologischen“ Gemälde gefallen Ihnen besonders? Und wenn Sie Kunst-interessierte Kinder haben, dann bietet das Aargauer Kunsthaus am 6. November die passende Veranstaltung.

Kommentar schreiben/lesen

Okt15

Schwarzwälder Gneis-Aufschluss am Schlossberg in Laufenburg CHDie Altstadt von Laufenburg um den Schlossberg steht auf Schwarzwälder Kristallingestein. Es ist einer der wenigen Ort in der Schweiz, wo Schwarzwälder Kristallin direkt aufgeschlossen ist.

Vor der letzten Eiszeit floss der Rhein südlich des Schlossberges und damit direkt am Südrand des Schwarzwaldkristallins. Während der Eiszeit verstopften Schotterablagerungen den früheren Lauf und der Rhein musste sich einen neuen Weg suchen. Er schnitt ins Kristallin und schuf sich ein 30 m tiefes Tal und eine Stromschnelle. Letztere, auch „Laufen“ genannt, gab der Stadt ihren Namen, wurde aber von Menschenhand gesprengt.

Ausschnitt der geologischen Karte um Laufenburg. Quelle: http://www.geologieviewer.ch/Vor allem am Schlossberg und in den Rhein nahen Gassen der Altstadt sind die Gesteine zugänglich aufgeschlossen. Dunkle Biotit-Gneise sind von hellen Gängen (ca. 320 Millionen Jahre alt) durchschlagen. Solche Gänge erlauben es, eine chronologische Abfolge aufzustellen, da neue Gänge in der Regel ältere kreuzen und durchschlagen.

Im Abwassertunnel unter dem Nordteil der Altstadt sind die Gesteine direkt zugänglich und ohne Verwitterung noch viel besser erkennbar. Der Tunnel kann im Rahmen einer geologischen Stadtführung besichtigt werden.

Was mögen Sie am Schwarzwald? Wandern, Skifahren, Kuckucksuhren...

Kommentar schreiben/lesen

Sep10

Sternberger Gestein mit herauspräparierten FossilienVor 28 Millionen Jahren waren Teile Norddeutschlands von einer Ur-Nordsee bedeckt. Das flache, untiefe Meer muss äusserst artenreich gewesen sein in Küstennähe. Davon zeugt das Sternberger Gestein, ein Sediment, das fast nur aus Fossilien zu bestehen scheint und auch als Sternberger Kuchen bezeichnet wird. Dicht gedrängt liegen Reste von Schnecken, Muscheln und Seeigeln neben- und übereinander, zusammen mit Haifischzähnen, Fischresten und sehr selten sogar Bernsteinstücken, die von eisenhaltigem Kalksandstein zusammen gehalten werden.

An wenigen Stellen in Mecklenburg (Deutschland) ist das Gestein heute anstehend und auch durch Bohrungen im Untergrund nachgewiesen. Gletscher verteilten Sternberger Gestein als Geschiebe in Schalenreiche Fläche im Sternberger Gesteinder letzten Eiszeit. Die Transportdistanzen waren allerdings gering. Die heute 5 – 12 cm grossen Gerölle findet man in einem kleinen Bereich östlich von Schwerin. Grössere Transporte hätte das Gestein auch gar nicht überlebt; es wäre vorher zerfallen.

Kuchen einmal anders… kennen Sie ähnliche Fossilienkuchen?

Kommentar schreiben/lesen



Die Lösung

Archiv