Jul10

Wer in der Schweiz an einer Strasse mit einem geologischen Namen wohnen will, muss etwas länger suchen.

Eine Bergstrasse oder ein Bergweg, der nicht nur einer ist, sondern auch wirklich so heisst, dürfte noch zu finden sein; eine Stein-Strasse ebenfalls.

Strassennamen mit Berg- oder Passnamen sind relativ häufig: Albis-, Alpen-, Calanda-, Chasseral-, Gurten-, Mythen-, Pilatus-, Rigi,- Säntis-, Tödi,- Weissensteinstrasse, …; Albula-, Flüela-, Furka-, Gotthard-, Grimsel-, Julier-, Maloja,- Nufenen-, Oberalp-, Simplon-, Sustenstrasse, …).

Strassenschild Rue des ammonites in FrankreichFlüsse tragen viel zum erosiven Geschehen bei und prägen die Landschaft, weshalb auch sie vielerorts als Strassenname dienen. Eine eigene Abhandlung hätten die Wortvariationen rund um Lehm, Leim, Laim, Letten, Lätte etc. verdient.

Felsenstrasse, Sandstrasse und Kiesweg sind schon seltener, genauso wie Rue du Sel, Salzweg oder Rue de Chaux. In Liesberg im Kanton Basel-Land gibt es sogar einen Ammonitenweg und in der Stadt Schaffhausen ein Karstgässchen. Chur besitzt mit der Gold- und Kupfergasse zwei edle Elementstrassen.

Kennen Sie noch weitere originelle Strassennamen, die an ein geologisches Thema angelehnt sind?

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Jun19

Auf Spiess aufgewickelte gebratene GrillschneckeJedesmal wenn ich im Supermarkt oder auf einer Grillparty eine Grillschnecke sehe, muss ich an unseren Paläontologie-Professor an der Uni denken. Praktisch bei jeder Institutsparty auf der Dachterrasse wo auch Grillschnecken gegessen wurden, holte er aus seinem Fundus ein vergleichbares Exemplar eines Ammoniten – egal ob weit gewunden oder eng geschlungen – in der Ammonitenwelt existierte jede „Wurst“-Form bereits in der Vergangenheit.

Ammoniten gehören zur Klasse der Kopffüsser (Cephalopoden) und entwickelten sich über viele Jahrmillionen, bis sie am Ende der Kreidezeit zeitgleich mit den Dinosauriern ausstarben. Grillschnecken haben eine deutlich kürzere Lebenszeit und sterben jedes Wochenende den Massentod.

Ammonit mit stark verschnörkelten Lobenlinien, die die Kammertrennwände abbildenAmmoniten waren weltweit in den Meeren verbreitet. Dadurch eignen sie sich als wichtige Leitfossilien für stratigraphische Bestimmungen. Je weiter die Entwicklung fortschritt, desto dichter die Rippen auf der Aussenseite und desto verschnörkelter die Lobenlinien. Lobenlinien zeichnen den Verlauf der Kammerscheidewände an der Aussenschale eines Ammoniten nach (Bild unten). Ein so schön verziertes Stück muss deshalb aus der Kreidezeit stammen und kann nicht zu den frühen Ammonitenformen gehören. Die weltweite Verbreitung ermöglicht es zudem, Schichten auf Grund ihres Ammoniten-Inhaltes über weite Distanzen zu korrelieren.

Grillschnecke oder Steak – was haben Sie lieber vom Grill?

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Mrz06

Ammonit in Schalenerhaltung in einem Bohrkern aus Opalinuston (Bohrung Benken ZH)Opalinuston ist ein festes Tongestein, das in der Jurazeit über ein grosses Gebiet nördlich der heutigen Alpenkette abgelagert wurde. In dem flachen Meeresbecken lagerten sich über mehrere Millionen Jahre feine Schlammpartikel ab, die mit der Zeit zu einem festen Gestein kompaktiert wurden, das über weite Strecken über 100 Meter mächtig ist. 

Der Gesteinsname geht auf einen Ammoniten zurück. Leioceras opalinum findet sich über den gesamten Ablagerungsraum als Fossil in der Gesteinsschicht – als Abdruck oder mit Schalenerhaltung. Letztere zeigt, dass sich Opalinuston für langfristigen Einschluss von Stoffen, zum Beispiel radioaktive Abfälle, eignen kann. Die Hohlräume zwischen den einzelnen Schlammpartikeln sind sehr klein und weil sie untereinander kaum verbunden sind, kann kein Wasser zirkulieren, das die Schale hätte weglösen können. Zudem vermag Opalinuston Wasser einzulagern und zu binden und quillt dabei auf, wodurch sich kleine Risse im Gestein von selbst wieder verschliessen.

Dort wo Opalinuston an der Erdoberfläche zutage tritt, wird er teils als Rohstoff für die Ziegelei-Produktion abgebaut. Bei St-Ursanne im Kanton Jura wurde Opalinuston beim Tunnelbau für die Autobahn A16 durchstossen. Der Sicherheitsstollen der A16 wird heute als Zugang zum Felslabor Mont Terri genutzt, in dem der Opalinuston im Rahmen eines internationalen Forschungsprojektes erforscht wird.

Im folgenden Video wird die Entstehung nochmals verdeutlicht und veranschaulicht:

Gesteine, die nach ihrem (Fossil-)Inhalt benannt werden – kennen Sie weitere Beispiele?

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Mai10

Steinkern und Abdruck eines Ammoniten auf einer Treppenstufe der Burgruine in Velburg (D)Fossilien – versteinerte Reste von Organismen – gibt es in verschiedener Form. Wie Holz versteinert, wurde >> in diesem Blog ja schon mal beschrieben. In den meisten Fällen bleiben höchstens Hartteile wie Knochen, Schalen (oder deren Abdrucke), Steinkerne und Zähne erhalten. Bewegungsspuren sind noch seltener und Abdrucke von Weichteilen sind wahre Raritäten.

Generell sind Wasserlebewesen häufiger erhalten als Landlebewesen. Stirbt ein Tier an Land, besteht die Gefahr, dass es gefressen wird und die Knochen dabei verstreut werden, oder dass die Knochen komplett verwittern und gar nichts mehr übrig bleibt. Sinkt ein totes Tier in sauerstoff- und strömungsarme Tiefen in einem Gewässer, stehen die Erhaltungs- und Einbettungschancen deutlich besser.

Beispiel Ammonit

Das Foto zeigt im linken Stück aus Malmkalk einen Steinkern eines Ammoniten und rechts dessen Abdruck. In beiden Steinen ist sogar auch die Verzweigung der Radialrippen gut zu erkennen. Der tote Ammonit wurde am Meeresgrund im Kalkschlamm eingeschlossen. Rund um die Schale wurde der Schlamm mit der Zeit zu festem Gestein, die Schale löste sich in diesem Fall auf und der Hohlraum füllte sich mit Kalkmaterial, so dass vom Ammoniten nur ein Steinkern erhalten blieb. Mit Kuchen und Backform findet sich in der Küche ein gutes Vergleichsobjekt ☺

aufgesägter Ammonit mit Kristallen in den Kammern«Echte» Versteinerungen bestehen je nach Umgebungschemie aus Kalk oder Kieselsäure (Quarz). Gewisse Hohlräume bleiben ganz oder teilweise leer oder sind nur an den Innenseiten mit Kristallen (z.B. Calcit, Quarz, Pyrit) verziert; das weiss man allerdings erst, wenn man den Ammoniten auseinandersägt. In manchen Fällen bleibt auch noch Schalenmaterial erhalten. Dabei kristallisiert weniger stabiler Aragonit häufig in Calcit um.

Haben Sie daheim auch einen Ammoniten (Feriensouvenir, Schmuck)?

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Nov30

Dalle à ammonites, Frankreich, DigneDie Sonne brennt mit voller Kraft auf die über 1500 Ammoniten, die hier auf 600 Meter über Meer gemeinsam auf einer schiefen Kalkbank ruhen. Der kleine Baum daneben bietet nur wenig Schatten in der Mittagshitze – das war in den letzten Sommerferien in Südfrankreich, an die ich mich gerade in diesen kalten Tagen gerne erinnere.

Vor rund 200 Millionen Jahren, als die Ammoniten durch das Meer schwammen, war es vermutlich auch eher warm.

Aber wieso sind hier so viele Ammoniten auf einem Fleck?

Die toten Tiere dürften über einen Zeitraum von 100’000 Jahren durch bodennahe Meeresströmungen in einer flachen Mulde zusammengeschwemmt worden sein. Die Strömung hat gleichzeitig das Feinmaterial weggetragen, so dass die Schalen in einer letztlich 20 cm mächtigen Schicht konzentriert wurden. Die Ammoniten der Gattung Coroniceras multicostatum lebten im frühen Jura und sind nur 15 bis 20 Millionen Jahre älter als der Leioceras opalinum aus dem >> Opalinuston.

Auf die schiefe Bahn gerieten die Ammoniten am Rande der französischen Alpen erst vor 10 bis 20 Millionen Jahren im Zuge der Kollision von Afrika und Europa.

Ein >> Video auf Youtube bietet weitere Eindrücke.

Besitzen Sie auch einen Ammoniten? Haben Sie den selbst gefunden?

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Die Lösung

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