Okt21

Ammonit im Posidonienschiefer, Durchmesser ca. 7cmSchwäbischer Ölschiefer ist ein grau-schwarzer, bituminöser Tonstein aus der frühen Jurazeit vor rund 180 Millionen Jahren. Der Posidonienschiefer erstreckt sich über weite Gebiete Mittel- und Nordwesteuropas, liegt u.a. im Pariser Becken und ist im Süddeutschen Becken am besten aufgeschlossen, weil er hier durch die Alpenfaltung gehoben wurde.

Der Name geht ursprünglich auf eine Muschel zurück, die unterdessen aber umbenannt wurde. Posidonienschiefer ist kein Schiefer im engeren Sinn sondern lediglich ein fein geschichtetes Ton-Sediment. Die Tone wurden in einem flachen Nebenmeer der Tethys abgelagert. Das Milieu muss sauerstoffarm bis anoxisch gewesen sein, was die Konservierung des organischen Materials, der damaligen Lebewesen, begünstigte. Der Posidonienschiefer ist äusserst Fossil reich. Neben Muscheln, Ammoniten und Seelilien gibt es auch Fischsaurier, Posidonienschiefer-Platte mit zahlreichen Ammoniten.Krokodile und Fische. Ein sehr bekannter Fundort ist Holzmaden in der Schwäbischen Alb.

Posidonienschiefer wird für Tischplatten, Wand- und Kaminverkleidungen verwendet. Stellenweise enthält Posidonienschiefer nennenswerte Mengen Erdöl. In Süddeutschland wird der Ölschiefer als Energiequelle und Zuschlag in der Zementindustrie genutzt.

Wer selber einen Ammoniten aus dem Posidonienschiefer spalten will, kann das am Samstagnachmittag 25.10. im Naturmuseum Winterthur – vorausgesetzt man besitzt ein Fossilienjäger-Diplom – oder an der Winti Mäss Ende November am Stand der Nagra.

Viel Vergnügen!

Kommentar schreiben/lesen

Aug26

Artikulierte Halswirbel eines Dinosauriers - ein Körperfossil.In den Gebieten des Tafel- und Faltenjuras treten vielerorts fossilreiche Gesteine an die Erdoberfläche. Wie entsteht überhaupt ein Fossil und was für Arten von Fossilien werden unterschieden? Zur Erinnerung: Ein Fossil ist ein versteinerter Rest oder eine Spur eines einstigen Lebewesens.

Fossilien, die grösser als ein Zentimeter sind, werden als Makrofossilien bezeichnet; alles darunter sind Mikrofossilien, bzw. ab 1/10mm sogar Nanofossilien.

Damit ein Organismus versteinern kann, muss er möglichst unmittelbar nach seinem Ableben in zukünftiges, feinkörniges Gestein eingeschlossen werden; Schlamm und Ton eignen sich sehr gut. Es bleiben hauptsächlich Hartteile erhalten. Organismen ohne Hartteile sind als Fossilien stark untervertreten und nur äusserst selten als Abdrucke erhalten.

Dinosaurier-Fährte in der Nähe von Courtedoux (JU) - ein Spurenfossil.Lebewesen mit Schalen und Skeletten bilden meist Körperfossilien, wo die Hartteile noch erhalten sind (evtl. rekristallisiert). Sie hinterlassen aber auch Hohlformen oder Abdrucke. Versteinerte Knochen, Steinkerne von Ammoniten und Muscheln sind nur wenige Beispiele. Spurenfossilien entstanden beim Gehen, Kriechen, Graben oder Fressen früherer Lebewesen; sie enthalten keine Hartteile.

Je nach Fundsituation vermögen Fossilien viel über das ursprüngliche Leben oder das Sterben erzählen. Fossilien widerspiegeln entweder eine einstige Lebensgemeinschaft (Biozönose) oder eine Grabgemeinschaft (Taphozönose), wo die Relikte umgelagert wurden.

Und dann sind da noch die lebenden Fossilien – mehr dazu nächste Woche.

Welches Fossil würden Sie heute gern noch lebend sehen?

Kommentar schreiben/lesen

Jul01

Abguss eines Ceresiosaurus umgeben von kleinen Neusticosauriern aus der Meride-Formation. Das Original wurde 1937 in den Cava-inferiore-Schichten gefunden.Zurück in die Südalpen. Der Monte San Giorgio im Südtessin gehört weltweit zu den bedeutendsten Fossillagerstätten. Unzählige Fischsaurier, Fische, Ammoniten und andere Lebewesen wurden hier seit Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckt, darunter auch der vom Festland eingeschwemmte Archosaurier Ticinosuchus Ferox, der die Besucher im 2012 neu eröffneten Museo dei Fossili in Meride als lebensgrosses Modell begrüsst. Das Museum befindet sich mitten im Dorf, von Aussen eher unscheinbar in ein altes, von Stararchitekt Mario Botta umgebautes, Haus eingegliedert. Das Haus widerspiegelt die Geologie vom Monte San Giorgio. Die Stockwerke entsprechen der Stratigraphie; im ersten Stock befinden sich die Funde aus der tiefer gelegenen Besano-Formation, im zweiten Stock die Fossilien aus der Meride-Formation. Der dritte Stock zeigt auch noch als Erweiterung die marinen Ablagerungen aus der Jurazeit von Arzo.

Ausschnitt aus der Stratigrafie des Monte San Giorgio. Das Museum widerspiegelt die Abfolge der Gesteinsschichten in den einzelnen Stockwerken.In einer 600 m mächtigen Abfolge aus Kalk-, Dolomit- und bituminösem Tongestein befinden sich fünf fossilreiche Horizonte. Entstanden sind die Lagerstätten vor 243-239 Millionen Jahren in der Mittleren Trias in einem subtropischen Flachmeer, das Teil einer grossen Karbonatplattform war. Die Gesteine der Grenzbitumenzone und der Meride-Kalke entstanden in 50-100 m Tiefe.

Entdeckt wurden die Fossilien eher zufällig beim Abbau der Ölschiefer. Aus dem bituminösen Gestein wurde „Saurol“ hergestellt, eine Salbe gegen Hautkrankheiten.

Seit 2003 gehört das Gebiet in der Schweiz zum UNESCO-Weltnaturerbe, der italienische Teil kam 2010 dazu.

Würden Sie im Meer schwimmen gehen, wenn Sie wüssten, dass heute noch immer solche Fischsaurier umherschwimmen?

1 Kommentar »

Jul23

Cliffs of Moher an der Westküste von IrlandDürfen auf keiner Irland-Rundreise fehlen: die Cliffs of Moher an der Westküste im County Clare. Die aufgeschlossenen Schichten aus zentimeter- bis meterdicken Sand-, Tonstein- und Mergelbänken entstanden in einem riesigen Delta vor 320 Millionen Jahren (Karbon). Von einer heute nicht mehr erhaltenen Landmasse im Südwesten wurden grosse Mengen Erosionsschutt mit Flüssen ins Meer getragen. In den weitgehend horizontal abgelagerten Schichten sind immer wieder sogenannte Channelfüllungen zu sehen, die entstehen, wenn ein Fluss mit grosser Erosionskraft frühere Schichten aushöhlt und sich ein neues Bett schafft.

Heute sind die Schichten leicht nach Südwesten geneigt. Damit steigen Schichten, die im südlichen Abschnitt auf Meereshöhe liegen im Norden bis fast an die Kliffkante. Sandsteine sind beständiger als Tonsteine und wittern hervor. Meer, Regen, Eis und Wind zehren ständig an der Küste. Wellen höhlen die Küste aus, überliegende Schichten stürzen ins Meer; teilweise entstehen auch Türme, die den Elementen noch länger trotzen, bis auch sie einstürzen. Hier lässt sich der Gesteinskreislauf gut nachvollziehen. Gesteinspartikel gelangten von einer Landmasse über Flüsse ins Meer, als Gestein wieder an die Oberfläche und jetzt wieder als Erosionsschutt ins Meer zurück.

Spurenfossilien unbekannten Ursprungs in Kalkstein bei den Cliffs of Moher in IrlandAufgrund der enthaltenen Spurenfossilien ist das Gestein begehrt als Dekorstein für Wege und Mauern. So wurden im 19. Jahrhundert fossilreiche Schichten abgebaut. Neben Grab- und Fressspuren von unbekannten Meerestieren findet man auch Goniatiten (frühe Ammoniten) und versteinerte Rippelmarken.

Die Geologie der Cliffs of Moher im Video vorgestellt finden Sie hier.

Finden Sie das auch so faszinierend; da spaziert man entlang von Gesteinsschichten und durchwandert zig Millionen Jahre?

Kommentar schreiben/lesen

Mai07

Blick in die Ausstellung im Bergwerk Herznach. Lebensbild mit Jura-Ammoniten.Am letzten Sonntag war die neue Ausstellung im Bergwerk Herznach erstmals öffentlich zugänglich. Jetzt haben die Ammoniten ein neues schönes Zuhause erhalten und auch für die lokale Geologie und die Bergwerksgeschichte ist Platz.

Das Eisenerzvorkommen war schon in spätrömischer Zeit bekannt und wurde genutzt. Zwischen 1200 und 1750 bauten Bauern das Erz im Fricktal ab. 1932 wurde ein Bergwerk eröffnet, das 1967 aus wirtschaftlichen Gründen wieder geschlossen wurde. Der verhältnismässig hohe Gehalt an Schwefel und Phosphor machte eine weitere Verhüttung in der Schweiz unrentabel. In dieser letzten, gut 30-jährigen Abbauphase wurden im Bergwerk insgesamt 1,7 Millionen Tonnen Erz abgebaut; aus dem daraus resultierenden Eisen hätte man 67 Eiffeltürme bauen können. Das markante Betonsilo hatte ein Fassungsvermögen von 1000 Tonnen Erzgestein.

Wandprofil mit Eisenerzschicht von Herznach.Die 2 bis 7 m mächtige Erzschicht besteht aus Eisenoolith – 0.5 bis 1mm grosse Kalk-Kügelchen mit einem Eisengehalt von 25 bis 30%, die ihren Ursprung vor 160 Millionen Jahren im Meer der Jurazeit hatten. Ooide entstehen im wellenbewegten Strandbereich. Das Eisen stammt vom Festland, wo es aus Gesteinen herausgewaschen wurde und im Meer in Form winziger Limonit-Kristalle wieder auskristallisierte und sich an den Kalk-Kügelchen anlagerte. Wie viele andere Jura-Schichten ist auch die Erzschicht reich an Fossilien – die „rostigen“ Ammoniten sind auf jeden Fall schön anzusehen.

Das Bergwerksmuseum hat immer am ersten Sonntag im Monat geöffnet.

Kennen Sie ein Bergwerk, das Sie beeindruckt hat?

Kommentar schreiben/lesen

Mrz12

Aargau - Steinreich. Flyer der aktuellen Vitrine Frühjahr 2013 im NaturamaBraun-grau-grünlich. Nein, das sind nicht die neuen Modefarben für den Frühling. Das sind die Farben dreier fossilreicher Gesteinsschichten im Kanton Aargau, die in der „aktuellen Vitrine“ im naturama präsentiert werden.

Die Vitrine wurde in Zusammenarbeit mit den Mineralien- und Fossilien-Freunden Aargau gestaltet, die 2013 ihr 25-Jahr-Jubiläum feiern. Sie enthält Fossilien aus dem jurazeitlichen Meer; hauptsächlich Ammoniten aus dem braunen Herznach-Member, dem grauen Birmenstorf-Member und dem gelblich-grünen Baden-Member.

Die braune Farbe der Herznacher Schicht geht auf den hohen Eisengehalt zurück. Die Eisenoolithe direkt unterhalb der Fossilschicht wurden zwischen 1200 und 1750 sowie 1932 und 1967 in Herznach abgebaut. Unmittelbar darüber folgen die Birmenstorfer Schichten zu Beginn der Malmzeit (jüngster Zeitabschnitt im Jura). Diese Kalkmergel sind mancherorts in Steinbrüchen der Zementindustrie aufgeschlossen und enthalten Ammoniten, Brachiopoden, seltener Seeigel und Haifischzähne.

Die grünliche Farbe der Badener Schicht (später Malm) ist durch das Mineral Glaukonit bedingt. Glaukonit entsteht bei der Umwandlung von detritischem Biotit im flachen Meer unter reduzierenden (d.h. ohne freien Sauerstoff) Bedingungen.

In der Jura-Zeit, als die Schichten abgelagert wurden, war die Schweiz von einem flachen Meer bedeckt.

Die aktuelle Vitrine zeigt die Aargauer Schätze aus dem Jurameer noch bis zum 31. August 2013.

Welche fossilen Schätze besitzen Sie?

Kommentar schreiben/lesen

Feb26

Fossiler Nautilus (oben) und Ammonitenabdruck (unten) in Arietenkalk (Jura, ca. 180 Mio. Jahre)Der Nautilus ist ein lebendes Fossil. Es handelt sich dabei nicht um Jules Vernes U-Boot sondern um Perlboote, wie die Kopffüsser (Cephalopoden) auch noch heissen.

Derzeit leben noch sieben Arten in rund 400 Meter Tiefe im westlichen Südpazifik vor Australien und Neuguinea. In der Zeit vor 450 bis 300 Millionen Jahren waren Nautiloideen in grosser Formenvielfalt in den Meeren vertreten; die ältesten fossilen Vertreter stammen aus 500 Millionen Jahren alten Gesteinen.

Der moderne Nautilus besitzt etwa 90 Tentakeln – ein ordentliches Gewirr. Das ist einer der Nautilus-Gehäuse. Links gut sichtbar der zentrale Sipho.wesentlichen Unterschiede zu den Ammoniten, welche allerdings vor 66 Millionen Jahren am Ende der Kreidezeit ausgestorben sind. Nautilus und Ammonit besitzen allerdings beide ein gekammertes Aragonit-Gehäuse – eine immer weiter werdende Röhre, die planspiral aufgerollt ist. Das Gehäuse dient als Schwebe- bzw. Schwimmapparat und kann über den sogenannten Sipho mit Wasser geflutet und entleert werden. Beim Nautilus ist der Sipho zentral, beim Ammoniten mehr randlich, also näher an der Aussenwand.

„Vorwärts“ kommt Nautilus per Raketenantrieb. Durch den Mundtrichter wird Wasser nach aussen gespritzt, was einen Rückstoss bewirkt. Nautilus bewegt sich also genau genommen eher rückwärts als vorwärts fort.

Die Bezeichnung lebendes Fossil ist relativ. Die heutigen Formen haben sich auch erst im Laufe der Zeit entwickelt und existieren nicht seit 500 Millionen Jahren unverändert. Aber auch schon 30 bis 60 Millionen Jahre sind eine beachtliche Zeitspanne.

Haben Sie schon mal in einem Aquarium einen Nautilus gesehen?

Kommentar schreiben/lesen



Die Lösung

Archiv