Dez12

Es fängt mit Wasserdampf an, der in der Luft vorhanden sein muss. Sinkt die Temperatur, wird Wasserdampf an kleinen Staubteilchen kondensiert und Wassertröpfchen bilden sich, die ab -10°C zu gefrieren beginnen.

Sechseckiger Schneekristall @ gemeinfrei

Sechseckiger Schneekristall @ gemeinfrei

Die Grundform des Schneekristalls ist ein sechseckiger plattiger Eiskristall, bedingt durch die sechseckige Kristallgitter-Struktur der Wassermoleküle. Auf dem Weg zur Erde wachsen die Kristalle, denn Temperatur, Windverhältnisse und Luftfeuchtigkeit ändern sich. Das bedeutet, dass keine Schneeflocke der anderen gleicht. Von Temperatur und Luftfeuchtigkeit hängt auch die Flockengrösse ab. Über -5°C und erhöhter Luftfeuchtigkeit entstehen grosse Flocken, unter -5°C in trockener Luft fällt der Schnee häufig als Eisnadel und Eisplättchen. Dies trifft vor allem für die Polregionen der Erde zu.

Fallen Schneekristalle auf den Boden und häufen sich zu einer Schneedecke an, entsteht ein komplexes Material. Anfangs noch pulverartig, wachsen die Kristalle zusammen und bilden eine lockere Struktur, die sich laufend verändert.

Die wichtigsten Eigenschaften sind Dichte, Temperatur, Feuchtigkeit und Schneehärte. Und alle Schneeeigenschaften hängen von der Temperatur, der Dichte und der Belastungsgeschwindigkeit ab.

Schnee, ein visko-elasto-plastisches Material

Zusätzlich zur temperaturgetriebenen Dynamik ist die Schneedecke ständig der Schwerkraft ausgesetzt, was zu einer Verformung der Struktur führt. Je kälter und dichter, desto viskoser oder zähflüssiger ist der Schnee. Und je nachdem wie schnell der Schnee verformt wird, reagiert er unterschiedlich. Schnee verhält sich bei langsamer Belastung ähnlich wie dickflüssiger Honig: er ist dehnbar und verformbar. Bei kleiner Dehnungsgeschwindigkeit erfolgt also eine plastische Verformung, bei hoher Dehnungsgeschwindigkeit ist das Verhalten elastisch bis spröd. Bis anhin wurden zur Erklärung Mechanismen wie z. B. Kriechen bzw. Korngrenzengleiten herangezogen. Neuste Untersuchungen am SLF zeigen, dass sich die Deformation von Schnee durch die Mikrostruktur und die mechanischen Eigenschaften seines Bauelements Eis erklären lässt.

 Bei langsamer Verformung verhält sich Schnee wie eine zähe Flüssigkeit.

Bei langsamer Verformung verhält sich Schnee wie eine zähe Flüssigkeit.

Vor allem lockerer Neuschnee ist ein sehr poröses, zusammendrückbares Material. Seine Kompressibilität hängt in erster Linie von der Dichte, aber auch von Temperatur, Schneeart und Feuchtigkeit ab. Mit zunehmender Grösse der Bindungen und mit zunehmender Kälte wird der Schnee härter, und die Festigkeit des Schnees nimmt mit der Dichte zu.

In einem als Sinterung bezeichneten Prozess verdichten sich die Kristalle weiter und die Poren werden aufgefüllt, so dass die Luftdurchlässigkeit abnimmt. Bei der Sinterung spielen im Eiskristall Gleitvorgänge und Rekristallisation eine wichtige Rolle, bei der das Kristallgefüge durch Umformung neu strukturiert wird.

Diese durch Druck und Temperaturunterschiede ausgelösten Umwandlungsprozesse finden bereits im Inneren der Neuschneedecke statt: Die destruktive (abbauende) Metamorphose beseitigt durch Schmelzen und Verdunsten komplizierte, verzweigte Kristallstrukturen und wandelt die Schneeflocken-Kristalle zu Eiskörnern um.

Neben der Temperatur spielt auch der Druck eine entscheidende Rolle, denn erhöhter Druck führt zum Schmelzen des Schnees, geringerer Druck zum Wiedergefrieren des Schmelzwassers.

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Nov21

Mineralien und Edelsteine erfreuen sich grosser Beliebtheit, deshalb sollt man sich diese Highlights nicht entgehen lassen.

Am 25. – 26. November findet die 57. internationale  Mineralienmesse Zürich statt. Seit die Messehalle 9 in Zürich-Oerlikon 2016 für eine Anlaufstelle der Zürcher Asyl­organisation eingerichtet worden ist, ist die Messe fortan in der Umweltarena in Spreitenbach untergebracht.

Mineralienmesse Zürich

Mineralienmesse Zürich

Über 10’000 Mineralien von 120 Ausstellern werden präsentiert. Daneben gibt es Stände für Geoden knacken, Speckstein schleifen oder Mineralien bestimmen und eine grosse Sonderschau: “Farbenpracht ans Licht gebracht”!

Eine weitere, für die Laien weniger auffällige Messe, findet am 2. – 3.12. in Basel statt. Es sind die Int. Basler Mineralientage. Veranstalter ist die SVSMF, Schweizerische Vereinigung der Strahler, Mineralien- und Fossiliensammler.

Auch hier gibt es Sonderschauen, eine davon widmet sich dem Fluorit.

Fluorit: Fundort Taourirt, Marokko © Rob Lavinsky, iRocks.com – CC-BY-SA-3.0

Fluorit: Fundort Taourirt, Marokko © Rob Lavinsky, iRocks.com – CC-BY-SA-3.0

Sein Name bzw. sein Synonym Flussspat deutet auf die Eigenschaft als Flussmittel bei der Erzverhüttung hin, bei dem es den Schmelzprozess beschleunigt. Chemisch ist der Fluorit ein Calciumfluorid, welches im Spurenbereich Eisen, Seltenen Erden und Uran enthalten kann. Das Mineral gehört in die Gruppe der Halogenide und findet sich in magmatischen – und metamorphen Gesteinen wie auch in Sedimentgesteinen. Häufigste Kristallformen sind der Würfel, das Oktaedern und das Rhombendodekaeder mit seinen Kombinationen.

Eine weitere Eigenart des Fluorits besteht darin seine Farbe zu verlieren, wenn er auf über 200 – 300 °C erhitzt wird. Setzt man ihn danach Röntgenstrahlen aus, so wird ein Teil der ursprünglichen Farbe zurückgewonnen.

Allen Fluoriten der verschiedenen Fundorte gemeinsam ist eine beispiellose Farbenpracht – und dies lässt sich in der Sonderschau besonders schön erleben!

Quarz Kristall aus einer Grimsel Kluft © E.Zingg

Quarz Kristall aus einer Grimsel Kluft © E.Zingg

Eine weitere Attraktion ist der Alpine Corner. Hier präsentieren verschiedene Strahler ihre besten aktuellen Fundstücke. Die wunderschönen Kristalle und besonderen Mineralien stammen vorwiegend aus den Schweizer Alpen, sind unverkäuflich und darum selten an Mineralienbörsen oder öffentlich zu sehen.

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Jul11

Arabien ist die grösste Halbinsel der Welt, umfasst sie doch eine Fläche von nahezu 3 Millionen km². Die Halbinsel ist mit der Grossen Nefud im Norden und der Rub al-Chali im Süden fast vollständig ein Wüstengebiet und gehört zu den fünf grössten Wüsten der Erde.

Berühmt wurde die “Grosse Nefud”, die beinahe 80’000 km² bedeckt, durch Lawrence von Arabien, der sie 1917 zusammen mit beduinischen Kämpfern in Rekordzeit durchritt. Die Rub al-Chali mit ihren 780’000 km² ist die grösste Sandwüste der Erde und erstreckt sich im südlichen Arabien von Westen nach Osten, Jemen und Oman einschliessend.

Beide Wüsten gehören, bedingt durch ihre geographische Lage, zu den Wendekreiswüsten.

Arabische Halbinsel; © SeaWiFS Project, NASA/Goddard Space Flight Center, and ORBIMAGE - http://visibleearth.nasa.gov/view_rec.php?id=898, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3325274

Arabische Halbinsel; © SeaWiFS Project, NASA/Goddard Space Flight Center, and ORBIMAGE – Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3325274

Geologie – Tektonik

Arabien bildet tektonisch gesehen die Arabische Platte, eine eher kleine Kontinentalplatte, die geologisch zum afrikanischen Kontinent gehört und seit etwa 50 Millionen Jahren durch die Bildung des Grabenbruchs des Roten Meeres Richtung Osten driftet. Geologisch gehört Arabien also zu Afrika, geographisch jedoch zu Asien.

Das Rote Meer, ein Nebenmeer des Indischen Ozeans, ist bis zu 2600 m tief und 2240 km lang und verbreitert sich jährlich um 0,8 cm im Norden und 1,6 cm im Süden.

Der geologisch älteste Teil der Arabischen Platte mit Gesteine aus dem Präkambrium, ist der Arabische Schild, welcher sich im Westen neben dem Roten Meer befindet. Hier liegen der Hedschas und das Asir-Gebirge und im Jemen der 3760 Meter hohe Berg Dschabal an-Nabi Schuʿaib.

Arabisch-Nubischer Schild © Kopiersperre (Diskussion) - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=45737444

Arabisch-Nubischer Schild © Kopiersperre, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=45737444

Im Zentrum und teilweise im Osten der Arabischen Platte wird das präkambrische Grundgestein von einer bis über 10 Kilometer dicken Sedimentschicht bedeckt. Dort finden sich grosse unterirdische Salzbecken, die sich teilweise zu Salzstöcken umformten. Und so sind dort auch Lagerstätten von Erdöl und Erdgas entstanden. Die grössten Ölfelder sind das Ghawar-Ölfeld in Saudi-Arabien und das Burgan-Ölfeld in Kuwait. Das grösste Gasfeld ist das Nord-Feld in Katar, das seine Fortsetzung im Iran findet. Auf der iranischen und irakischen Seite des Persischen Golfs und im Gebiet um Mosul, im Irak, gibt es weitere Lagerstätten. Im Omangebirge finden sich Ophiolithe (→ Erdwissen Beitrag: Das Mekka der Geologen liegt im Oman) also auf das Festland geschobener ehemaliger Ozeanboden.

Erdöl und Erdgas wie auch fossiles Grundwasser liegen im Osten der Halbinsel gegen den Persischen Golf – wie kommt das?

 

 

Die Plattentektonik und das Klima die damals herrschten, haben dazu geführt, dass sich unter dem Persischem Golf und dem Kaspischen Meer ausgedehnte Öl- und Gasreserven bildeten. Durch die Bewegungen der Plattentektonik wurde aus flachen und warmen Schelfmeeren, in denen es von Plankton und Pflanzen wimmelte, Seen. Die abgestorbenen Tiere und Pflanzen bildeten das Sediment. So entstand über Jahrmillionen Schicht für Schicht, der mit toter organischer Substanz angereicherten Sedimente.  Meeresgebiete wurden zu Wüsten und wieder zu Meeren, so wie es dem Persischem Golf mehrmals ergangen ist. Im übrigen ist dieser Prozess noch nicht abgeschlossen.

Nach der letzten Eiszeit vor etwa 25’000 Jahren, als das Klima auf der Arabischen Halbinsel ähnlich warm und niederschlagsreich war wie in den heutigen Savannen, und das Wasser im Boden versickerte, sammelte es sich in den Hohlräumen der Sedimentgesteine.

Deshalb liegt der grösste Teil der fossilen Grundwasserhorizonte genau dort, wo auch die meisten Erdöl- und Erdgasvorräte gespeichert sind. So kann es passieren, dass jemand Wasser findet, obwohl er nach Öl sucht – und umgekehrt. Und genau wie das Öl sind auch die kostbaren Tropfen aus der Eiszeit endlich. Als Folge davon sinkt der Grundwasserspiegel und von den Küsten her dringt Salzwasser ein.

 

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Mai23

Kurz nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion (1991) wurde Russlands geographischer Mittelpunkt errechnet. Er soll am Südufer des Wiwi- oder auch Vivi-Sees liegen, der sich zudem wenige Kilometer nördlich des nördlichen Polarkreises befindet. Der Wiwi-See ist ein 230 km² grosser See im Südteil des Putorana-Gebirges, im Nordwestteil des Mittelsibirischen Berglands in der Region Krasnojarsk. Das Einzugsgebiet umfasst etwa 3300 km². Der Wiwi-See ist eine eigene Welt – die Welt des Wassers, der flachen “Tafelberge”, der Krummwälder, der unendlichen Tundra, der Vögel, Tiere und Fische. Weder am See noch in seiner Umgebung gibt es Siedlungen.

Seeenlandschaft, Putorana Gebiet, Sibirien; © Krashevsky Location lake Vivi, Google Maps
v.l.n.r.: Seeenlandschaft, Putorana Gebiet, Sibirien; © Krashevsky; Google Map Region Krasnojarsk, Sibirien

Putorana Plateau

Das Putorana Plateau ist eine der ältesten Hochebenen vulkanischer Herkunft und wird “Land der zehntausend Seen und tausend Wasserfälle” genannt. Seine Fläche beträgt etwa 30’000 km². Die Hochebene liegt südlich der Halbinsel Taimyr und östlich der grössten Polarstadt, Norilsk. Das Plateau wird durch die Flüsse Jenissei, Cheta, Kotuj und Tungusska eingegrenzt. Das Gebirge besteht aus Basalten und verwandten Gesteinen, die zum Vulkanismus des sibirischen Trapp gehören. Im Nordwesten gibt es grosse Vorkommen an Kupfer und Nickel.

Vor Hunderttausenden von Jahren war das Plateau vergletschert und so wurde die Hochebene in Schluchten mit steilen Wänden zergliedert. Dabei ist die höchste Bergspitze 1700 m hoch: Kamen (Stein) ist damit auch der höchste Berg im Mittelsibirischen Bergland. Das Putorana Plateau befindet sich in der Permafrost-Zone. Der Winter ist hier sehr kalt mit Temperaturen bis zu -44 Grad Celsius. Deshalb ist der Sommer für eine Reise die beste Zeit, ganz besonders in der Periode des polaren Tages (vom 11. Juli bis 2. August). Zu dieser Zeit erreichen die Temperaturen das absolute Maximum vom +30 Grad.

Das Gebirge, in dem das 1988 gegründete Staatliche Naturschutzgebiet Putorana (19’000 km²) liegt, wurde 2010 von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt. Leider hat aber auch hier der Mensch tiefe Spuren gesetzt.

Umweltverschmutzung

Die Industrie-Anlagen des Konzerns MMC Norilsk Nickel, dem Weltmarktführer von Nickel und Palladium, hat – mit in den Nordwestausläufern des Putorana-Gebirges befindlichen Tagebauen – eine starke Umweltverschmutzung zu verantworten. Das Falschfarbenfoto des Gebirges im Nordwesten zeigt eine mit Schwermetallen und diversen Umweltgiften stark belastete Umwelt.

Auswirkungen des Tagebaus von Nickel und Kupfer
Falschfarbenfoto: Aus der Produktion des Konzerns MMC Norilsk Nickel resultierende Umweltverschmutzung; © Jesse Allen, NASA Earth Observatory, using data obtained from the University of Maryland’s Global Land Cover Facility.

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Mai02

Der sowjetische Geologe Nikolai Kudrjawzew entwickelte um 1950 die These vom abiotischen, also nicht-biologischen Erdöl/Erdgas. Er gewann eine Reihe Anhänger darunter den Erdölgeologen Wladimir Porfirjew, der Professor in Lemberg und Kiew war. Im Westen war Thomas Gold der bekannteste Vertreter.

Bei einer abiotischen Entstehung wären die Ölreserven der Erde sehr viel grösser und nur durch die Menge an Kohlenstoffverbindungen begrenzt, die zur Zeit ihrer Entstehung existierten.

Erdöl © Nils Kruthoff

Erdöl © Nils Kruthoff

Methanhydrate als Stütze für die abiotische Theorie

Die Russen glaubten, Erdgas und -öl werden tief im Erdmantel, bei hohen Drücken und Temperaturen gebildet und als flüssige Einschlüsse im Gestein gespeichert. Tektonische Prozesse setzen dann diese Einschlüsse frei und transportieren sie in die Erdkruste, wo sie die bekannten Lagerstätten füllen.

Manche Geologen führen die ausgedehnten Methanhydrat-Lagerstätten am Meeresgrund und in Permafrostgebieten sowie die Existenz Methan-speiender Schlammvulkane als Argument für die abiotische Theorie an. Die Methanhydrate enthalten etwa 10’000 Milliarden Tonnen Kohlenstoff. Aus Schlammvulkanen entweichen jährlich sechs bis neun Millionen Tonnen Methan und im Atlantik vor der brasilianischen Küste in 5000 Metern Tiefe wurde ein riesiges Ölfeld entdeckt, das es nach konventioneller Theorie so tief unten nicht geben dürfte.

Im Erdinnern erwartet man also riesige Mengen Kohlenwasserstoffe. Einige Geologen betrachten auch selbstauffrischende Ölfelder, d. h. Ölfelder, die sich nach der Förderung wieder auffüllen, als Beleg für den Zustrom von Öl aus der Tiefe.

Wahrscheinlich treffen beide Theorien zu

Scott, ein westlicher Wissenschaftler weist darauf hin, dass es im Erdmantel in über 150 Kilometer Tiefe eine Quelle für anorganische Kohlenwasserstoffe gibt. Wenn auch nach gängiger Ansicht Erdöl/Erdgas biotischen Ursprungs ist, ist es dennoch möglich, dass die Erde in der Tiefe eine eigene Klasse abiotischer Kohlenwasserstoffe hervorbringt.

Einen Hinweis geben neue Daten italienischer Geophysiker. Sie untersuchten an 238 Orten bei Schlammvulkanen, Subduktionszonen oder tektonischen Rissen in der Erdkruste die Ethan- und Propan Konzentration in der Atmosphäre. Wie sich zeigte, strömen dort grosse Mengen dieser Gase aus, die nur durch geothermische Prozesse entstehen können. Alljährlich gelangen so über 9 Millionen Tonnen in die Luft.

Vermutlich treffen also beide Theorien zu – die biotische wie die abiotische.

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Apr25

In den Tiefen der Meere und Seen gelangt an totes, organisches Material kaum Sauerstoff. Als Folge davon können abgestorbene Pflanzen und Organismen nicht verwesen. Sand und Ton, welche sich dazu mischen lassen Faulschlamm entstehen. Mit fortschreitender Sedimentation gelangt das Erdöl-Muttergestein in die Tiefe, wobei Druck und Temperatur zunehmen. In 1500 bis 4000 Metern Tiefe, bei Temperaturen zwischen 80 und 150 ℃ herrschen dann ideale Bedingungen für die Entstehung von Erdöl und Erdgas. Die Bindungen der grossen Kohlenwassterstoff-Moleküle brechen auf und es entstehen kleinere Moleküle, die Erdöl-Kohlenwasserstoffe. So wird aus fester Substanz zähflüssiges Öl.

Entstehung von Erdöl und Erdgas; © EnBW Energie Baden-Württemberg

Entstehung von Erdöl und Erdgas; © EnBW Energie Baden-Württemberg

Erdöl/Erdgas entsteht

Der hohe Druck in der Tiefe drückt das Öl aus dem Muttergestein heraus. Es gelangt in die nächste, poröse Gesteinsschicht. Weil es leichter ist als Wasser, wandert es in den Porengängen, zum Beispiel in Sandstein nach oben, bis es in einer “Erdöl-Falle” gefangen wird. Eine undurchlässige Schicht, zum Beispiel Ton oder Salz, verhindert ein weiteres Aufsteigen. Dabei sammeln sich in einer Art Kuppel immer mehr Erdöltröpfchen – eine Lagerstätte entsteht.

Erdöl-Lagerstätten

Konventionelles- und unkonventionelles Erdöl/Erdgas

Auf Grund des Lagerstättentyps und Reifegrades der entstandenen Kohlenwasserstoffe wird zwischen konventionellem – und unkonventionellem Erdöl oder Erdgas unterschieden.

Konventionelle und unkonventionelle Erdöl/Erdgas Vorkommen; © BGR-Studie

Konventionelle und unkonventionelle Erdöl/Erdgas Vorkommen; © BGR-Studie

Konventionelles Erdöl/Erdgas

Der grösste Teil des z. Z. geförderten Erdöls wird konventionell gefördert. Kennzeichnend ist eine geographisch günstige Lage bei geringer Viskosität, was die Förderung verhältnismässig einfach, rasch und billig macht.

Diese Art der Erdölgewinnung ist nicht umweltfreundlich, da grosse Mengen Treibhausgasemissionen entstehen.

Unkonventionelles Erdöl/Erdgas

Der Begriff unkonventionelles Erdöl oder Erdgas bezieht sich auf nicht herkömmliche Förder-Verfahren, denn unkonventionelle Lagerstätten befinden sich in geringporösen und undurchlässigen Gesteinen und enthalten zähes, bitumenartiges Öl. Die Förderung erfolgt unter hohem technischem und energetischem Aufwand. Wenn die Sande oder Schiefergestein in grosser Tiefe sind und nicht im Tagebau abgebaut werden können, nutzt man die Hydraulic Fracturing oder “Fracking” Methode.

Diese Methode ist sehr umstritten, da zur Lösung des Erdöls oder Erdgases, Wasser mit Chemikalien unter hohen Drücken in die Gesteinsschichten eingeschossen werden um sie zu “Cracken”. Die Lösungskomponenten sind biologisch nicht abbaubar und verschmutzen für immer die Grundwasserschichten.

Zum unkonventionellen Erdöl oder Erdgas werden verschiedene Lagerstättentypen gezählt:

  • Ölschiefer: Es ist ein tonhaltiges, mit organischem Material angereichertes Sedimentgestein, bei dem es sich um Kerogen, dem Vorstufenprodukt von Erdöl, handelt. Man spricht deshalb von unausgereiftem Erdölmuttergestein.

    Ölschiefer in Kimmeridge Bay; ©CC BY-SA 2.0

    Ölschiefer in Kimmeridge Bay; © CC BY-SA 2.0

  • Öl- oder Teersand: Sandstein angereichert mit zähflüssigen Schwerölen, die im Tagbau gefördert werden. Der Abbau und die Verarbeitung zu synthetischem Rohöl ist aufwändig in Bezug auf Zeit, Technik und Energie, zudem verbraucht und belastet es viel Land.

    Teersand California; © CC BY 2.0

    Teersand California; © CC BY 2.0

  • Tiefseeöl: Wo grosse Deltas ins Meer mündeten, konnte sich unter geologisch günstigen Bedingungen in etwa 200 – 600 m Tiefe Erdöl bilden. Die Vorkommen beschränken sich auf wenige Standorte, von denen die grössten vor den Küsten von Brasilien, Angola, Indonesien, Nigeria und am Mississipi-Delta liegen.
  • Polares Öl: Klimatische Bedingungen machen die Erdölförderung nördlich und südlich des 66 Breitengrades, v. a. in Alaska und Sibirien sehr teuer und aufwändig und zudem ist es ökologisch problematisch.
  • Erdöl aus Kohle: Kohle wird viel länger zur Verfügung stehen als Erdöl und die Vorkommen sind weltweit besser verteilt. So erscheint es verlockend, daraus synthetisches Erdöl herzustellen. Dies geschieht mittels Hochdruckhydrierung und Kohleverflüssigung nach dem Fischer-Tropsch Verfahren, welche seit dem frühen 20. Jahrhundert bekannt.
  • Flüssiggas und Kondensat: Beide bestehen aus kurzen Kohlenwasserstoffketten im Übergangsbereich zu Erdgas wie z. B. Butan und Propan. Da die Zustandsform druckabhängig ist, ist eine Abgrenzung zum Erdgas nicht eindeutig und die Fördercharakteristik sehr ähnlich.

>> Entstehung von Erdöl
>> Motor der Gesellschaft
>> Gasland von Josh Fox

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Apr18

In vielen Religionen symbolisiert das Ei neues Leben oder Wiedergeburt. Im alten Ägypten, in Phönizien und in Persien galt das Ei als Ursprung der Welt; alles Leben schlüpfte aus dem mystischen Ei, das vom Himmel fiel. Im alten Rom und in Griechenland wurden während der Frühlingsfeste Eier bemalt oder gefärbt und als Geschenke an Freunde übergeben. Griechische und ägyptische Tempel wurden während der Frühlingsfesttage mit Eiern geschmückt und die Tag- und Nachtgleiche im Frühling markierte den Beginn des neuen Jahres.

Ostereier, © Gytha69 / CC BY 2.0 Lebacher Ei, © LoKiLeCh / CC BY-SA 3.0

v.l.n.r.: Ostereier; “Lebacher Ei”

In der Geologie ist das “Lebacher Ei” weltberühmt geworden. Es sind Geoden aus Toneisen, die bis zu 40 auf 15 cm gross sein können und sich in den Schichtfolgen des Perms finden. Sie enthalten Versteinerungen von Tieren und Pflanzenm, die vor zirka 290 Millionen Jahren am Ende des Erdaltertums in einem grossen Süsswassersee lebten, der auf Grund der einstigen Ausdehnung als Rümmelbach-Humberg-See bezeichnet wird. Der 2010 angelegte Rümmelbach-Humberg Wanderweg geht über eine Strecke von 3,5 Kilometern durch diese Ablagerungen.

Der Ursprung dieser Toneisensteine bildet immer eine organische Substanz wie Kot, Krebse, Fische, Amphibien und Pflanzen oder die Zweige der ersten Koniferen. Diese fielen damals in den weichen Schlamm des Meeresbodens, der mit den Mineralien des durch Regen angespülten Magmas der permischen Vulkane angereichert war und bildeten dort die Toneisensteine. So wuchs z. B. um einen Koprolithen (Kotballen) ein Eisenkern aus Siderit, der zum Rand hin mit Ton ersetzt wurde; daher der Name Toneisenstein.

Die “Lebacher Eier” erfreuen sich unter Paläonthologen und Sammlern grosser Beliebtheit, weil darin häufig Fische, kleine Saurier oder grössere Pflanzenteile konserviert sind.

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Die Lösung

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