Nov01

Die «Chöpfi» ist ein Aufschluss von Sandstein aus der Oberen Süsswassermolasse. Sie besteht aus verschiedenen Ausgangsgesteinen wie Mergel, vereinzelten Nagelfluhbändern und Sandstein. Der Sandstein bei der Chöpfi entstand vor rund 15 Millionen Jahre aus tertiären Ablagerungen. Das Besondere an dieser Stelle sind die auffälligen Sandknauer, die wie Köpfe aus dem Boden herausragen. Bei der Ablagerung wurden die einzelnen Sandkörner mit kalkigem Ton oder mit härterem Kalk verbunden. Im Laufe der Jahrmillione verwitterte der Sandstein; die weicheren Stellen erodierten und wurden ausgeschwemmt, die härteren bildeten die Köpfe, die dem Ort den Namen gaben.

Chöpfi in Winterthur © wintipix.com

Seit Generationen ist die Chöpfi ein beliebtes Ausflugsziel am Stadtrand von Winterthur. Die Chöpfi erreicht man z.B. vom Ausgangspunkt Schützenweiher auf einem gemütlichen 1 1/2 stündigen Spaziergang oder direkter vom Strickhof Wülflingen.

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Okt11

Wo müssen wir den nördlichsten Ausläufer der Alpen suchen? Die rote Zahnradbahn verrät es! Es ist der Luzerner Hausberg, der Pilatus.

Pilatus

Pilatus, © Pilatus-Bahnen

Kein Berg des nördlichen Voralpenbogens steht so markant da wie der Pilatus am Vierwaldstättersee. «Gebrochener Berg» (fractus mons) nannte man früher den Pilatus mit seinen wild zerklüfteten Felswänden. Als Kalkschuppe steht er am geologischen Alpenrand, der sich quer durch den Vierwaldstättersee erstreckt und mit seinen Voralpenseen einige der schönsten Schweizer Landschaften bildet.

Die Gesteine des Pilatus bestehen aus Sedimenten der Kreidezeit und des Paläogens. So wurden die Kalke in einem Meer gebildet, das zwischen dem Aare- und Gotthardmassiv lag. Muscheln, Austern, Ammoniten, Seeigel-Trümmer und Meerschnecken, die man heute versteinert im Fels findet, geben darüber Auskunft, wann, wo und wie die Schichten des Berges entstanden sind.
Die Wölbungen und Mulden der Gesteinsschichten sind Indizien für eine Schiebung, die den einstigen Meeresgrund zu mächtigen Falten auftürmte und die man als Decken bezeichnet.

pilatus_geologie_falten

An der Ostflanke Richtung Luzern zeigt der Pilatus in seinem Profil fünf Falten die alle gegen Norden neigen.

So ist denn die ganze Alpenkette vom Säntis bis zum Thunersee über das Aaremassiv ins Molassemeeer geschoben worden und deckt einen Teil der Schweiz zu. Das Pilatusmassiv gehört mit seinen Ausläufern (Bürgenstock, Rigihochfluhkette) zur helvetischen Randkette und bildet den Stirnbereich der Drusberg-Decke, einer Teildecke des helvetischen Deckensystems.

Wie die Geologie so ist auch die Geschichte spektakulär, wie wir aus einem früheren Blog –  Der weltberühmte Drachenstein von Luzern – wissen. Hier soll im Mittelalter ein heilbringender Drache und etliche Geister gehaust haben. Und im ehemaligen Pilatus-See lungert gar die rastlose Seele des römischen Feldherrn Pontius Pilatus!

Für die Herbstwanderer:
>> Wanderroute auf den Pilatus
>> Gipfeltour Pilatus

 

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Sep27

General Suworow zog im Herbst 1799 mit seiner 20’000 Mann starken Armee durch die Schweizer Alpen um die Franzosen aus dem Land zu vertreiben. Aus Italien kommend überschritt er bei Ponte Tresa die Tessiner Grenze, zog über den Monte Ceneri durch die Leventina, über den Gotthardpass nach Ursern und durch das Reusstal nach Altdorf. Die französische Gegenwehr am Urnersee und im Glarner Unterland zwang Suworow zu Umgehungsmärschen über die Pässe Chinzig Chulm und Pragel und schliesslich zum Rückzug durch das Sernftal und über den Panixer Pass in die Surselva und weiter durch das Rheintal in Richtung Russland. Gnadenlos hetzte er seine zerlumpte Truppe unter den schlechtesten Wetterbedingungen durch wilde Bergtäler, Passlandschaften, Bergseen und Flüsse.

Der Kampf um die Teufelsbruecke, © Wikimedia  Alexander Wassiljewitsch Suworow (1730–1800); Portrait von George Dawe (ca. 1830)

v.l.n.r.: Der Kampf um die Teufelsbrücke; Alexander Wassiljewitsch Suworow (1730–1800), © Wikimedia

Heute lässt sich die Route sehr viel gemächlicher in elf Etappen von Airolo nach Ilanz, gemäss Wettervorhersage für die kommenden Tage unter sonniger Herbstsonne, erwandern.

suworow_route

General Suworows Route im Herbst 1799 durch die Alpen, © swisstopo

Das Glarnerland weist eine Fülle an geologischen – und bergbauhistorischen Sehenswürdigkeiten auf und gehört wie die Regionen Sarganserland und Walensee zum kantonsübergreifenden Geopark Sardona. Spanende Geostätten warten darauf erkundet zu werden.

Die Geologie des Glarnerlandes ist sehr vielfältig. Faltungen und Überschiebungen im Gebiet der gesamten Glarner Alpen setzten vor etwa 30 Millionen Jahren ein. In mehreren Phasen erfolgte die Aufwölbung des Aarmassivs. Seine Hülle aus Sedimentgesteinen wurde in spitze Falten gelegt und teilweise in kleine Decken aufgesplittert. Ein Beispiel dafür sind die Profile der Schiltgruppe.

Schiltgruppe, Oberholzer Profile

1. Schiltgruppe vom Fuss des Rauti bei Mettlen aus2. Nordabhang des Schilt gegen Heubodenalp3. Schiltgruppe vom Sackberg aus4. Alte Bergstürze von Mullern bei Mollis5. Südseite des Schiltgipfels vom Sooler Achseli aus6. Glarner- und Mürtschendecke in  Gipfelregion des Schilt , erstellt von Jakob Oberholzer

Vier Gesteinsgruppen bauen die Glarner Alpen auf. Es sind das kristalline Grundgebirge, die älter als 300 Millionen Jahre und nur im Tödigebiet sichtbar sind, der Verrucano (280-250 Millionen Jahre), die Kalke und Schiefer des Mesozoikums (210-70 Millionen Jahre) und die Gesteine des älteren Tertiärs (60-35 Millionen Jahre), von diesen vor allem der Flysch. Charakteristisch für grosse Teile der Glarner Alpen sind tief eingeschnittene Täler, steile untere Bergflanken und ausgedehnte Hochlagen, mit vielen Gipfeln zwischen 2000 und 2500 m Höhe. Darüber erheben sich die «hochalpinen Voralpen» am Glärnisch.

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Jul12

Es sind die Iberger Klippen im Kanton Schwyz, die uns einen geologisch gerafften Einblick gewähren. Sie sind deshalb so besonders, weil dort Relikte aus ganz verschiedenen Decken und Ablagerungsräumen erhalten sind. Klippen werden sie genannt, weil sie nicht einmal mehr unter sich zusammenhängen.

Wenige Kilommeter umfasst die Wanderung von den Drei Schijen über das Mördergruebi zum Roggenstock – eine Wanderung von Klippe zu Klippe, von Europa (Helvetikum) über zwei Ozeane (Penninikum) nach Adria-Apulien (Ostalpin) – und dies alles vor der Haustür.

Roggenstock  Wanderrout-Roggenstock2

v.l.n.r.: Roggenstock; Wanderroute von einer Klippe zur nächsten, d. h. von den Drei Schijen über das Mördergruebi zum Roggenstock

Die ältesten Gesteine finden wir am Roggenstock, bei den Drei Schijen, im Mördergruebi und auf den Mythen. Sie entstanden vor 100 bis 220 Millionen Jahren. Graue Dolomite ähnlich dem Kalkstein, helle Kalke, rote Radiolarite, die Kieselgesteine der Tiefsee zusammen mit Ophiolithen und erkalteter Kissenlava sind die wichtigsten Vertreter.

In zwei vereinfacht dargestellten Schemata können wir die tektonische Entwicklung vom Meer auf den Roggenstock nachvollziehen:

Roggenstock_UrtektonikRoggenstock Deckenbildung

Die tektonische Situation am Roggenstock selbst, diese gilt auch für die anderen Klippen, und der generelle Deckenbau der Klippen ist nachfolgend dargestellt.

Tektonik des Roggenstocks   Grafik zur Veranschaulichung der Iberger Klippe

Zusammenfassend können wir festhalten: Die in der Tethys abgelagerten Gesteine wurden bei der Gebirgsbildung stark verformt. Es bilden sich einzelne Gesteinsschollen, sogenannte Decken. Die Gesteine der einzelnen Ablagerungsräume werden weiter in Decken unterteilt und sind die Decken sehr klein, redet man von Schuppen. Nachfolgend aufgelistet sind die sieben Decken, die am Roggenstock zu finden sind (I zuunterst, VII zuoberst).

Gesteinsabfolgen Roggenstock

Lassen wir den Berggeist, der auch Namensgeber für die Mineralquelle, die eine stark schwefelhaltige Quelle ist und mancherlei Gebresten heilen soll, das letzte Wort sprechen:

“Über Kater und andere Geister wird sicher nur der Berggeist Meister.
Verblühende Frauen malens Gesicht, Sie kennen leider den Berggeist nicht.
Komm schöne Frau und trinke, dann brauchst du keine Schminke.
Gesunde, die über den Berggeist spotten, sieht man als Kranke zur Quelle trotten.
Adler, Hirsch und Sihlforellen sind blutsverwantde Trinkgesellen.
Solls Dir wohl wie diesen sein, schenk ein Gläschen Berggeist ein.
Ohne Berggeist welkt die Kraft, dagegen hilft kein Gerstensaft!”

>> Geologischer Wanderweg Roggenstock

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Jun07

im Berner Oberland in den Berner Alpen?

Die Berner Alpen zwischen dem Berner Oberland im Kanton Bern und dem Rhonetal im Kanton Wallis gehören zu den Westalpen und bilden eines der imposantesten Gebirgsmassive der Alpen. Sie sind stark vergletschert und führen die längsten Eisströme, den Aletsch- und Fieschergletscher. Der höchste Gipfel, ganz im Berner Oberland, ist das Finsteraarhorn mit einer Höhe von 4274 Metern. Das Panorama, fotografiert von Stefan Czurda, offenbart das Grandiose dieser Landschaft.

Panorama Berner Oberland, © Dr. Stefan Czurda

Viertausender des Berner Oberlands, © Dr. Stefan Czurda

Wie steht es um die Geologie?

Die Berner Hochalpen sind ein Teil des Aarmassivs und bestehen aus ortsansässigem, sogenanntem autochthonem Kristallin, d.h. weitgehend aus Aaregranit, metamorphen AmphibolitenGneisen und Schiefern also.

Geologische Karte Berner Alpen

Geologische Karte Berner Alpen

Im Nordwesten ist dem Aarmassiv ein Mantel von Jura-Kalk (auf der Karte in blauen Farbtönen eingefärbt) vorgelagert, der durch Druck von Süden steil aufgestellt, und auf den zum Teil das Kristallin überschoben ist.

Dieser Kalkmantel bildet eine Reihe von markanten Gipfeln, vom Wetterhorn im Osten über den Eiger zur Blüemlisalp und weiter über das Doldenhorn und das Balmhorn bis zum Gemmipass im Westen. Er ist zusammen mit dem aufgeschobenen Kristallin, so der Jungfrau, des Finsteraarhorns und weiteren Gipfeln das eigentliche Schaustück der Berner Alpen, eine riesige Mauer von 50 km Länge, mit Eiger, Mönch und Jungfrau als Kernstück.

Finsteraarhorn, © Wikimedia

Finsteraarhorn, © Wikimedia

>> Berner Oberland
>> Natural Switzerland

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Mai31

Es handelt sich um die Reichenbachfälle im Berner Oberland bei Meiringen im Haslital. Der englische Krimiautor Sir Arthur Connan Doyle nutzte die atemberaubende Kulisse für den finalen Kampf zwischen Sherlock Holmes und seinem Gegenspieler James Moriarty und liess die beiden in der Kurzgeschichte “The Final Problem” (1893) nach heroischem Kampf in den Abgrund stürzen.

© Unbekannt | Nachgestellter Zweikampf zwischen Sherlock Holmes und Professor Moriarty (Quelle Kaspar Willi)

© Unbekannt | Nachgestellter Zweikampf zwischen Sherlock Holmes und Professor Moriarty (Quelle Kaspar Willi)

Die Absicht des Autors, die Abenteuer des Sherlock Holmes elegant zu beenden, scheiterte am vehementen Protest seiner Leserschaft. So liess er 1903 seinen Helden in der Geschichte “The Empty House” wieder aus den Reichenbachfällen auferstehen. Die Reichenbachfälle sind seither über die Landesgrenze hinaus bekannt und Sherlock Holmes kam zu einer Ehre, die für eine Romanfigur ziemlich aussergewöhnlich ist; er wurde 1987 Ehrenbürger der Gemeinde Meiringen. Eine Gedenktafel am Reichenbachfall sowie eine Bronzefigur und ein Museum in Meiringen erinnern an den berühmten Meisterdetektiv.

Der Rychenbach – so der altdeutsche Name – entspringt dem Rosenlauigletscher und stürzt in sieben Kaskaden zu Tal.

Der oberste Reichenbachfall, ©  Raphael Schmid

Der oberste Reichenbachfall, © Raphael Schmid

Die schönste und mächtigste, 120 Meter hoch und bis zu 40 Meter breit, kann bequem mit der Reichenbachfall-Bahn erreicht werden. Unweit der Bergstation bieten drei Aussichtsplattformen einen atemberaubenden Blick auf den tosenden und stiebenden Wasserfall und das Haslital.

Seinen Ausgangspunkt nimmt der Rosenlauigletscher an der Nordostflanke der Wetterhorngruppe auf einer Höhe von etwa 2800–3500 Metern. Der Rosenlauigletscher fliesst in einem etwa 600 m hohen Eisfall aus dem Wetterkessel nach Nordosten. Die Gletscherzunge befindet sich derzeit auf einer Höhe von 2000 Metern. Hier entspringt der Weissenbach, der mit Wasserfällen steil ins Tal fällt und nach der Gletscherschlucht Rosenlaui in den Reichenbach mündet. Dieser führt das Wasser über den berühmten Reichenbachfall durch das Reichenbachtal zur Aare.

Wandervorschlag Sherlock Holmes Weg, 2:45 h: Meiringen – Willigen – Zwirgi – Geissholz – Blatti – Meiringen
Wanderung Reichenbachfälle und Rosenlauischlucht, 3:15 h

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Mai17

Toteis und Toteissee

Toteis und Toteisseen

Ein Toteissee ist ein See, dessen Becken durch das Abschmelzen von Toteisblöcken entstand. Die Form und Grösse von Toteisseen ist von den Ausmassen des mittlerweile abgeschmolzenen Toteisblockes abhängig und so variieren diese Seen in ihrer Grösse und Ausdehnung von einigen tausend Quadratmetern bis mehrere Quadratkilometer. In jung vergletscherten Gebieten, in Moränenlandschaften, auf Sandern (Schotterebenen) oder in Urstromtälern sind Toteisseen eine weit verbreitete Erscheinung. Oft sind Toteisseen, vor allem die kleineren und flacheren, schon vollständig verlandet.

Schwimmende Inseln im Barchetsee (TG) einem ehemaligen Toteissee

Schwimmende Inseln im Barchetsee (TG) einem ehemaligen Toteissee

Die Stirnmoränen des Rhein- und Thurgletschers stauten nach der letzten Eiszeit vor etwa 15’000 bis 20’000 Jahren das Schmelzwasser beim Abfliessen nach W oder NW. Es bildeten sich Toteisseen. Der Barchetsee ist ein solcher. Heute zeigt er sich als warmer Moorsee mit schwimmenden Inseln.

Wie kam der See zu seinem Namen?

Barchet oder Barchent ist aufgerauter Stoff, wie es die einen oder anderen noch von Grossmutters Bettwäsche kennen. Hergestellt wurde er aus den Fasern von Hanfstengeln. Diese legte man zuerst ins Wasser, bis sie zu faulen begannen (Mazeration).

Hanfbündel im See © www.nvvn.ch

Hanfbündel im See © www.nvvn.ch

Damit man leichter zum Wasser kam, stach man Buchten oder Löcher (Roosse) vom Schwingrasen heraus und schob das Zeug in den See hinaus. So entstanden die heutigen schwimmenden Inseln im Barchetsee.

Schwimmende Inseln

In der Schweiz gibt es neben dem Barchetsee nur noch den Lützelsee in Hombrechtikon, der schwimmende Inseln besitzt.

Schwimmende Inseln Lützelsee, Hombrechtikon, © Paul Müller

Schwimmende Inseln, © Paul Müller

Schwimmende Inseln, © www.nvvn.ch

Schwimmende Inseln, © www.nvvn.ch

Je nach Windrichtung werden die Inseln über den See getrieben. Vor 30 Jahren konnte man sie noch betreten und als Flosse benutzen. Heute sind alle komplett mit der Sumpfschneide (Schilfpflanze aus dem Torf entsteht) überwachsen.

Einige Wandervorschläge für die kommenden schönen Tag:

>> Wanderroute Barchetsee
>> Wanderroute Lützelsee
>> Barchetsee aus der Vogelperspektive

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Die Lösung

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