Feb10

Die Natur gerät als Folge ungeahnter menschlicher Aktivitäten, eindrücklich sichtbar gemacht in der Abbildung des globalen Lichtermeers allmählich in einen neuen, in der Menschheitsgeschichte unbekannten Zustand, der sich als Wechsel in ein neues Erdzeitalter bemerkbar macht. Vor einer Dekade schlug der Atmosphärenchemiker und Nobelpreisträger Paul Crutzen vor, das Anthropozän, eine neue geologische Epoche einzuführen. Sie ist etwa Mitte des 18 Jh. anzusetzen, zu Beginn der Industrialisierung, und folgt dem Holozän mit seinem milden Globalklima nach – eine Zukunft mit ungewisser Entwicklung.

lichtermeer    verschmutzung golf von dakar

Links: Verteilung künstliches Licht auf der Erde (Satellitenaufnahme: NASA) –  Rechts: Mit Plastikmüll verseuchte Meere und Strände (Foto: Alliance / dpa / EPA / Nic Bothma)

Inzwischen ist dieser Abdruck so stark, dass Wissenschaft, Politik und Gesellschaft diskutieren, ob sich die vom Menschen initiierten Veränderungen in geologischer Form niederschlagen und so langfristig sind, dass wir bereits in einem neuen Erdzeitalter leben.

Vertreter der Anthropozän-Idee gibt es in der Wissenschaft wie in der Kulturszene. Entschieden wird die Frage von der internationalen Kommission für Stratigraphie. Eine Arbeitsgruppe prüft seit einigen Jahren die Datenlage.

Eines steht fest, der Mensch mit seinen Aktivitäten und Produkten wird  sich als stratigraphischer Horizont manifestieren. Ob er zum Leitfossil wird oder nicht ändert nichts an der Tatsache, dass seine Spuren global und unübersehbar sind. Wie werden dereinst Plastikartikel unter Druck und Temperatur im Gestein erscheinen? Was wird aus unseren Deponien, aus dem Plastikmüll im Meer oder aus der Luftverschmutzung? Solche Fragestellungen führen uns natürlich auch ins Gebiet der Kunst und Zukunftsforschung, einem Gebiet mit vielen Möglichkeiten. Was denkt Ihr?

Empfehlenswert zu diesem Thema ist die Sonderausstellung “Willkommen im Anthropozän” im Deutschen Museum in München. Sie findet vom 5. Dezember 2014 bis 31. Januar 2016 statt und befasst sich mit dem menschengemachten Fingerabdruck auf der Erde.

Kommentar schreiben/lesen

Jan13

Sonderausstellung “Saurichthys – Versteinerte Jäger der Urzeitmeere”
15. Januar bis 1. März 2015

 

Saurichthys        saurichtys_lanz

Links sehen Sie eine künstlerische Rekonstruktion von Saurichthys curionii. Bild: Universität Zürich. Rechts der Raubfisch, Saurichthys, der im Magenbereich zusammengepresste Knochen seiner letzten Beute enthält. Bild: Heinz Lanz

Fische oder andere Wasserlebewesen sucht man kaum am Berg. Der 100 Zentimeter lange Saurichthys aus dem Hochgebirge bei Davos gilt als der grösste und schönste versteinerte Fisch der Schweizer Alpen. Das Ducan- und Landwassergebiet, der Silvretta-Decke zugehörig waren vor 230 Millionen Jahren Teil eines weiten Flachmeers am Rand eines riesigen Ozeans. Das Klima war tropisch und das Wasser rund 25 Grad warm. In Riffen, auf Sandbänken und flachen Inseln lebten kleine Saurier, Krebse, Muscheln, Schnecken, Algen und Fische. Auf dem Meeresboden jedoch scheint es kein Leben gegeben zu haben. Auf 2700 Meter Höhe hat Heinz Furrer, Paläontologe der Universität Zürich, mit seinen Mitarbeitern in den letzten Jahren Ablagerungsgesteine mit 230 Millionen Jahre alten Fossilresten geborgen, in einem bedeutenden, weit verfolgbaren Vorkommen fossilreicher Schichten der Mitteltrias mit ausgezeichnet erhaltenen Fischen und Reptilien.

In der Sonderausstellung werden spektakuläre Funde, er­gänzt mit Lebensbildern und Modellen gezeigt. Dazu gehören Filme zur Bergung und Prä­paration und Darstellungen der neuesten Erkenntnisse zur Evolution, Lebensweise und Fortpflanzung dieser urtümlichen Jäger der Triasmeere.  Ein Besuch lohnt sich!

Veranstaltungsort:
focusTerra
ETH Zürich, Gebäude NO Sonneggstr. 5, 8006 Zürich

 

Links:
focusTerra – Sonderausstellung
Monte San Giorgio – Fischfossilien – Ausgrabungen & Museum

Kommentar schreiben/lesen

Dez23

QinghaihuVier Jahre sind geologisch gesehen gar nichts. Vier Jahre lang habe ich hier auf erdwissen.ch geschrieben, dabei sind über 200 Artikel entstanden – mal spannender, mal humorvoller und mal näher oder weiter weg von der Geologie.

Im Herbst 2010 wurde der Stein ins Rollen gebracht und rollte seither ohne Unterbruch selbst während Ferien und einer Babypause. Ich hoffe natürlich, dass er auch nach mir noch lange weiter rollt.

Gegen Ende meines kreativen Wirkens möchte ich zurückschauen und Ihnen einige Artikel in Erinnerung rufen, die mir persönlich besonders gut gefielen oder beim Schreiben Spass bereiteten; den einen oder anderen Titel oder Artikel habe ich jeweils mit einem grossen Augenzwinkern verfasst, andere Artikel griffen treffend Themen aus dem aktuellen Weltgeschehen auf … und, ich war leider längst nicht an allen beschriebenen Orten selber – aber doch an einigen ;-)

Tauchen Sie nochmals ein in die Vergangenheit von erdwissen.ch und geniessen Sie die Festtage. Am 30. Dezember folgt dann mein letzter Beitrag.

Lustige Titel und Artikel

Bentonit macht Katzen froh – und ihre Besitzer ebenso (16. August 2011)

Wo sich Krokodil und Urpferdchen gute Nacht sagen (26. November 2013)

Koprolithe – eine versch… Angelegenheit (7. Oktober 2014)

Geologie in der Küche ;-)

Backe, backe Kuchen – im Meer, am Strand und an Land (4. Januar 2011)

Kupfer – rotgoldener Genuss – aber nicht für Schnecken (8. März 2011)

Auf Gestein und Wein lässt man sich gerne ein (31. Juli 2012)

Geologische Grundlagen

Gesteine entstehen und vergehen in einem Kreislauf (21. Dezember 2010)

Quarz – vom Feuerstein zum Computer (22. Februar 2011)

Fossilien – Ansicht von innen und aussen (10. Mai 2011)

Aktuelle Themen

Animanca – jetzt sind die Dinosaurier los (18. September 2012)

Tour de Suisse 2013 – Aareschlucht seit 125 Jahren begehbar (4. Juni 2013)

Eine schottische Insel dominiert die Curling-Welt (4. Februar 2014)

 

Kommentar schreiben/lesen

Okt21

Ammonit im Posidonienschiefer, Durchmesser ca. 7cmSchwäbischer Ölschiefer ist ein grau-schwarzer, bituminöser Tonstein aus der frühen Jurazeit vor rund 180 Millionen Jahren. Der Posidonienschiefer erstreckt sich über weite Gebiete Mittel- und Nordwesteuropas, liegt u.a. im Pariser Becken und ist im Süddeutschen Becken am besten aufgeschlossen, weil er hier durch die Alpenfaltung gehoben wurde.

Der Name geht ursprünglich auf eine Muschel zurück, die unterdessen aber umbenannt wurde. Posidonienschiefer ist kein Schiefer im engeren Sinn sondern lediglich ein fein geschichtetes Ton-Sediment. Die Tone wurden in einem flachen Nebenmeer der Tethys abgelagert. Das Milieu muss sauerstoffarm bis anoxisch gewesen sein, was die Konservierung des organischen Materials, der damaligen Lebewesen, begünstigte. Der Posidonienschiefer ist äusserst Fossil reich. Neben Muscheln, Ammoniten und Seelilien gibt es auch Fischsaurier, Posidonienschiefer-Platte mit zahlreichen Ammoniten.Krokodile und Fische. Ein sehr bekannter Fundort ist Holzmaden in der Schwäbischen Alb.

Posidonienschiefer wird für Tischplatten, Wand- und Kaminverkleidungen verwendet. Stellenweise enthält Posidonienschiefer nennenswerte Mengen Erdöl. In Süddeutschland wird der Ölschiefer als Energiequelle und Zuschlag in der Zementindustrie genutzt.

Wer selber einen Ammoniten aus dem Posidonienschiefer spalten will, kann das am Samstagnachmittag 25.10. im Naturmuseum Winterthur – vorausgesetzt man besitzt ein Fossilienjäger-Diplom – oder an der Winti Mäss Ende November am Stand der Nagra.

Viel Vergnügen!

Kommentar schreiben/lesen

Okt07

Ca. 150 Millionen Jahre alter Koprolith - versteinerter Kot - eines Pflanzen fressenden Dinosauriers aus der Jurazeit. ca. 50 cm. Fundort Wyoming, USA. Jetzt im Senkenberg Museum in Frankfurt am Main ausgestellt.Jetzt fallen dann an der OLMA in St. Gallen wieder zahlreiche Häufchen von all den präsentierten Tieren, Kühe, Schweine, Schafe, etc. Wussten Sie, dass man auch versteinerten Kot finden kann und dieser – mittlerweile absolut geruchlos – interessante Informationen liefern kann? Meist lässt sich in den Spurenfossilien erkennen, ob der „Produzent“ Pflanzen- oder Fleischfresser war und womöglich lassen sich bei letzterem noch unverdaute Knochen- oder Schalenreste finden, die sogar ermöglichen, das Beutetier zu identifizieren. Einblick gewähren manuelle Präparation oder Dünnschliffe, wobei dabei der Koprolith zerstört wird. Mittels zerstörungsfreiem CT-Scan lassen sich dreidimensionale Röntgenbilder erstellen, die Knochenreste im Innern abbilden. Identifizierte Knochenreste lassen Rückschlüsse auf den Erzeuger zu, es ist aber äusserst selten, dass man versteinerten Kot eindeutig einem Tier zuordnen kann.

Grössenmässig reichen Koprolithe vom Millimeterbereich bis zu einem halben Meter. Die riesigen pflanzenfressenden Dinosaurier in der Jurazeit erzeugten ordentliche Kothaufen, die ihrerseits wichtige Nahrungsquelle für kleine Käfer, Insekten und Bakterien waren. Zudem düngten die Exkremente den Boden genauso wie heute und sorgten für ein gutes Pflanzenwachstum.

Die ältesten fossilen Ausscheidungen kennt man aus dem Kambrium vor rund 500 Millionen Jahren. Aufgrund ihres hohen Phosphatgehaltes wurden Koprolithe in England einst sogar als Rohstoffe gesucht und zur Düngerproduktion verwendet.

Wer es lieber etwas weniger indiskret mag, der unternimmt seine Reise in die Vergangenheit an der Olma mit dem Time-Ride – ganz ohne Koprolithe.

Von einem Vogeldreck getroffen zu werden, soll ja angeblich Glück bringen. Kennen Sie ähnliche Aussagen passend zum Thema?

Kommentar schreiben/lesen

Sep23

Der Quastenflosser ist das wohl bekannteste lebende Fossil. Fossile Formen dieses Fleischflossers kennt man aus der Zeit von rund 350 Millionen Jahren (Devon) bis in die späte Kreidezeit vor 70 Millionen Jahren. Jüngere Fossilien kennt man bis heute keine. Deshalb ging man davon aus, dass die Quastenflosser am Ende der Kreidezeit zusammen mit den Dinosauriern ausgestorben wären. Bis Ende 1938 im Indischen Ozean vor den Komoren-Inseln ein Exemplar in einem Fischernetz gefunden wurde. 1997 wurde eine zweite Art in Indonesien zwischen Borneo und Celebes entdeckt. Mit fast 30 Arten gab es in der Triaszeit die grösste Artenfülle, danach setzte eine stete Abnahme ein.

Quastenflosser. Quelle: Wikipedia.orgLatimeria, wie der Quastenflosser auch genannt wird, wird bis zu 2 Meter lang und 100 Kilogramm schwer. Von den Fischen unterscheidet sie ein teils verknöchertes und mit Muskulatur versehenes Skelett der Brust- und Bauchflossen. Die verknöcherten Flossen nutzten die fossilen Formen unter Umständen zur Fortbewegung am Meeresboden oder vielleicht sogar an Land im Uferbereich. Fossile Quastenflosser hat man in Ablagerungen aus flachen Meeresbereichen, aber auch aus Brack- und sogar Süsswasser gefunden. Der Rückzug in grössere Wassertiefen – heute werden die Tiere in 80 bis 400 Meter Wassertiefe beobachtet – erklärt womöglich auch deren fossiles Fehlen in jüngerer Zeit, da die Einbettung in tieferen Meeresbereichen seltener statt findet. Die äussere Erscheinungsform der Quastenflosser hat sich seit 250 Millionen Jahren kaum verändert.

Ging der Quastenflosser in der Evolution vergessen oder hat er es einfach nicht nötig gehabt, sich wesentlich zu verändern?

1 Kommentar »

Sep02

Schachtelhalme mögens gerne feucht. Sie gibt es schon seit über 300 Millionen Jahren.Als lebende Fossilien werden Lebewesen bezeichnet, deren Bauplan vor sehr langer Zeit angelegt wurde und der sich nur geringfügig verändert und an neue Umweltbedingungen angepasst hat. Ein uns allen vertrautes lebendes Fossil aus der Pflanzenwelt ist der Ginkgo-Baum, der an dieser Stelle schon vorgestellt wurde.

Genauso bekannt dürften Schachtelhalme sein, die zu den Farnen gehören. Heute gibt es nur noch wenige dieser einst artenreichen Gruppe. Klassische Schachtelhalme kennt man fossil bereits aus dem Devon vor 375 Millionen Jahren. Kalamiten waren baumartige Schachtelhalme, welche im Karbon- und Permzeitalter riesige Wälder bildeten, welche eine wichtige Grundlage für die Steinkohlevorkommen bildeten. Kalamiten konnten bis 30 m hoch wachsen mit Stammdurchmessern von gegen einem Meter; die Stämme waren verholzt.

Schachtelhalme verbreiten sich über Rhizome und Sporen und bevorzugen feuchte Standorte. Eine weitere Bezeichnung lautet Zinnkraut. Schachtelhalme wurden früher im Haushalt als Scheuermittel verwendet, da sie in den Zellwänden Silicium einbauen.

Was für weitere natürliche Hausmittelchen kennen Sie noch?

Kommentar schreiben/lesen



Die Lösung

Archiv