Okt11

Wo müssen wir den nördlichsten Ausläufer der Alpen suchen? Die rote Zahnradbahn verrät es! Es ist der Luzerner Hausberg, der Pilatus.

Pilatus

Pilatus, © Pilatus-Bahnen

Kein Berg des nördlichen Voralpenbogens steht so markant da wie der Pilatus am Vierwaldstättersee. «Gebrochener Berg» (fractus mons) nannte man früher den Pilatus mit seinen wild zerklüfteten Felswänden. Als Kalkschuppe steht er am geologischen Alpenrand, der sich quer durch den Vierwaldstättersee erstreckt und mit seinen Voralpenseen einige der schönsten Schweizer Landschaften bildet.

Die Gesteine des Pilatus bestehen aus Sedimenten der Kreidezeit und des Paläogens. So wurden die Kalke in einem Meer gebildet, das zwischen dem Aare- und Gotthardmassiv lag. Muscheln, Austern, Ammoniten, Seeigel-Trümmer und Meerschnecken, die man heute versteinert im Fels findet, geben darüber Auskunft, wann, wo und wie die Schichten des Berges entstanden sind.
Die Wölbungen und Mulden der Gesteinsschichten sind Indizien für eine Schiebung, die den einstigen Meeresgrund zu mächtigen Falten auftürmte und die man als Decken bezeichnet.

pilatus_geologie_falten

An der Ostflanke Richtung Luzern zeigt der Pilatus in seinem Profil fünf Falten die alle gegen Norden neigen.

So ist denn die ganze Alpenkette vom Säntis bis zum Thunersee über das Aaremassiv ins Molassemeeer geschoben worden und deckt einen Teil der Schweiz zu. Das Pilatusmassiv gehört mit seinen Ausläufern (Bürgenstock, Rigihochfluhkette) zur helvetischen Randkette und bildet den Stirnbereich der Drusberg-Decke, einer Teildecke des helvetischen Deckensystems.

Wie die Geologie so ist auch die Geschichte spektakulär, wie wir aus einem früheren Blog –  Der weltberühmte Drachenstein von Luzern – wissen. Hier soll im Mittelalter ein heilbringender Drache und etliche Geister gehaust haben. Und im ehemaligen Pilatus-See lungert gar die rastlose Seele des römischen Feldherrn Pontius Pilatus!

Für die Herbstwanderer:
>> Wanderroute auf den Pilatus
>> Gipfeltour Pilatus

 

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Feb16

“An einem schwülen Sommertag im Jahre 1420 beobachtete in der Gegend von Rothenburg der Bauer Stämpfli, wie ein feuriger Drache dicht über seinem Kopf Richtung Pilatus flog und dabei etwas fallen liess. Als der Bauer nachsah, fand er in einer «Schweti» geronnenes Blut, den hier abgebildeten Stein”, so liest es sich in den Chroniken.

Pilatusdrache und Luzerner Drachenstei; © Abbildung von Johann Leopold Cysat, Luzern 1661

Pilatusdrache und Luzerner Drachenstein auf einer Abbildung von Johann Leopold Cysat, Luzern 1661. Quelle: Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern Sondersammlung

Der Stein wurde von einem Nachkommen Stämpflis 1509 dem Wundarzt Martin Schriber zu Luzern verkauft, welcher sich 1523 vom Schultheiss und Rat der Stadt Luzern die Wunderkraft des Drachensteins in einer Urkunde bestätigen liess – was für ein wunderbares Geschäftsmodell!

Der Kanton Luzern kaufte ihn 1929 von der Familie Meyer von Schauensee, seither ist er in Staatsbesitz.

Luzerner Drachenstein, Darstellung aus dem 18. Jahrhundert; © Public domain   Der Drachenstein ist in der Dauerausstellung «Erdwissenschaften» im Natur-Museum ausgestellt; © Natur-Museum Luzern

Der Luzerner Drachenstein war bis Ende des 18. Jahrhunderts eine Weltberühmtheit, nicht nur wegen seiner wunderbaren Herkunft, sondern auch wegen seiner angeblichen Heilwirkung bei allerhand Krankheiten. Johann Jakob Scheuchzer (1672 – 1733) bezeichnete ihn als «die merkwürdigste aller Merkwürdigkeiten aller Museen»!

Oftmals wurde Meteoriten Heilkräfte zugeschrieben. War also der Drachenstein ein Meteorit?

Der Physiker und Begründer der Theorie über den Ursprung von Meteoriten, Ernst Chladni (1756-1827) sah im Luzerner Drachenstein einen echten Meteoriten. Spätere Untersuchungen konnten diese Annahme weder bekräftigen noch ausschliessen und so hielt sich die Vermutung, im Innern der Steinkugel verberge sich ein Himmelskörper.
Dank neuster zerstörungsfreier Analytik, der Computertomographie hat man an der EMPA Dübendorf  zweifelsfrei einen Einblick in den Kern des Luzerner Drachensteins erhalten. Die Resultate enthüllten einen Kern aus gebranntem Ton, und so wurde der «Heilstein mit wundersamen Kräften» enträtselt! Was es aber mit der Drachenbeobachtung auf sich hat und wie die Tonkugel entstanden ist, bleibt weiterhin ein Rätsel!

>> MTW-Sendung: Die Untersuchungen zum Luzerner Drachenstein! Viel Spass!

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Jul10

Wer in der Schweiz an einer Strasse mit einem geologischen Namen wohnen will, muss etwas länger suchen.

Eine Bergstrasse oder ein Bergweg, der nicht nur einer ist, sondern auch wirklich so heisst, dürfte noch zu finden sein; eine Stein-Strasse ebenfalls.

Strassennamen mit Berg- oder Passnamen sind relativ häufig: Albis-, Alpen-, Calanda-, Chasseral-, Gurten-, Mythen-, Pilatus-, Rigi,- Säntis-, Tödi,- Weissensteinstrasse, …; Albula-, Flüela-, Furka-, Gotthard-, Grimsel-, Julier-, Maloja,- Nufenen-, Oberalp-, Simplon-, Sustenstrasse, …).

Strassenschild Rue des ammonites in FrankreichFlüsse tragen viel zum erosiven Geschehen bei und prägen die Landschaft, weshalb auch sie vielerorts als Strassenname dienen. Eine eigene Abhandlung hätten die Wortvariationen rund um Lehm, Leim, Laim, Letten, Lätte etc. verdient.

Felsenstrasse, Sandstrasse und Kiesweg sind schon seltener, genauso wie Rue du Sel, Salzweg oder Rue de Chaux. In Liesberg im Kanton Basel-Land gibt es sogar einen Ammonitenweg und in der Stadt Schaffhausen ein Karstgässchen. Chur besitzt mit der Gold- und Kupfergasse zwei edle Elementstrassen.

Kennen Sie noch weitere originelle Strassennamen, die an ein geologisches Thema angelehnt sind?

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Die Lösung

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