Jun05

Einmalig, eindrücklich und unglaublich schön: Der Aletschgletscher ist der grösste Eisstrom der Alpen und eine berühmte Landschaft. Wie ein erstarrter Fluss erstreckt er sich vom Weiss der Viertausender hinunter ins Oberwallis. Der Faszination des riesigen Eisstromes, der sich von seinem Einzugsgebiet in der Jungfrauregion in 4000 m Höhe hinunterzieht bis auf die 2500 m tiefer gelegene Massaschlucht, kann man sich nicht entziehen. Besonders eindrucksvoll erlebt man das gigantische Eismeer auf einer geführten Gletschertour. Seiner Einmaligkeit wegen wurde der Aletschgletscher mit seiner Umgebung als erste Naturlandschaft des Alpenraums  2001 ins UNESCO-Welterbe aufgenommen.

Der grosse Aletschgletscher im Kanton Wallis von der Aussichtsterasse Bettmerhorn aus gesehen, © Pick83, CC BY-SA 3.0

Der grosse Aletschgletscher im Kanton Wallis von der Aussichtsterasse Bettmerhorn aus gesehen, © Pick83, CC BY-SA 3.0

Der Gletscher prägte die ansässige Bevölkerung wie kein anderes Naturelement: er war gleichsam ihre Freude und Mühsal, spendete ihnen das überlebenswichtige Wasser und bescherte ihnen tödliche Unglücke.

Den Grundstein zur hochalpinen Landschaft legen zwei besonders harte Gesteine, der quarzreiche Aaregranit und ein kristalliner Amphibolit. Der höchste Gipfel des Aletschgebietes, das 4274 m hohe Finsteraarhorn, ist aus diesem verwitterungsresistenten, grünen Amphibolitgestein gebaut.

Weniger verwitterungsresistent sind die Gneise und Glimmerschiefer. Sie wurden vor 400 – 450 Millionen Jahren während der kaledonischen Gebirgsbildung durch hohen Druck und Wärme metamorph überprägt. Aus diesen Gesteinen bestehen die Jungfrau, der Mönch und das Aletschhorn, ihr Unterbau hingegen ist harter Granit.
Im Erdmittelalter, lag das Aarmassiv unter einem tropischen Meer. Die kalkigen Sedimente bildeten kilometermächtige, fossilhaltige Schichten, die über dem kristallinen Zentralmassiv lagen. In der alpinen Gebirgsbildung wurden sie nach Norden geschoben und abgetragen. Davon zeugen am Rand des Aletschgebietes nur noch die steilen Flanken von Eiger und Wetterhorn.
Das emporgehobene Aarmassiv ist grösstenteils vergletschert. Der Aletschgletscher, der längste der Alpen, ist heute 24 km lang. Am Ende der kleinen Eiszeit um 1870 war er 2,5 km länger. Die totale Mächtigkeit des Eises wird am Konkordiaplatz auf 900 m geschätzt.
Das Schmelzwasser rauscht durch die enge Massaschlucht ins Rhonetal. Die Abflüsse schwanken extrem entsprechend der Jahreszeit. Die Entwässerung des Aletschgebietes ist manchmal problematisch, weil der Märjelensee am Rand des Gletschers während der Schmelze hoch ansteigen kann. So ist es nicht erstaunlich, dass der See mindestens 31 Mal ausbrach und das Gletschervorfeld und die Gebiete unterhalb der Massaschlucht überflutete.

Aletsch. Der grösste Gletscher der Alpen: ein grossartiger Bildband von Marco Volken. AS-Verlag, Zürich 2016
→ Ausführliche Informationen: Ausstellung Gletscherwelt Bettmerhorn und Pro Natura Zentrum Aletsch.

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