Mai02

Der sowjetische Geologe Nikolai Kudrjawzew entwickelte um 1950 die These vom abiotischen, also nicht-biologischen Erdöl/Erdgas. Er gewann eine Reihe Anhänger darunter den Erdölgeologen Wladimir Porfirjew, der Professor in Lemberg und Kiew war. Im Westen war Thomas Gold der bekannteste Vertreter.

Bei einer abiotischen Entstehung wären die Ölreserven der Erde sehr viel grösser und nur durch die Menge an Kohlenstoffverbindungen begrenzt, die zur Zeit ihrer Entstehung existierten.

Erdöl © Nils Kruthoff

Erdöl © Nils Kruthoff

Methanhydrate als Stütze für die abiotische Theorie

Die Russen glaubten, Erdgas und -öl werden tief im Erdmantel, bei hohen Drücken und Temperaturen gebildet und als flüssige Einschlüsse im Gestein gespeichert. Tektonische Prozesse setzen dann diese Einschlüsse frei und transportieren sie in die Erdkruste, wo sie die bekannten Lagerstätten füllen.

Manche Geologen führen die ausgedehnten Methanhydrat-Lagerstätten am Meeresgrund und in Permafrostgebieten sowie die Existenz Methan-speiender Schlammvulkane als Argument für die abiotische Theorie an. Die Methanhydrate enthalten etwa 10’000 Milliarden Tonnen Kohlenstoff. Aus Schlammvulkanen entweichen jährlich sechs bis neun Millionen Tonnen Methan und im Atlantik vor der brasilianischen Küste in 5000 Metern Tiefe wurde ein riesiges Ölfeld entdeckt, das es nach konventioneller Theorie so tief unten nicht geben dürfte.

Im Erdinnern erwartet man also riesige Mengen Kohlenwasserstoffe. Einige Geologen betrachten auch selbstauffrischende Ölfelder, d. h. Ölfelder, die sich nach der Förderung wieder auffüllen, als Beleg für den Zustrom von Öl aus der Tiefe.

Wahrscheinlich treffen beide Theorien zu

Scott, ein westlicher Wissenschaftler weist darauf hin, dass es im Erdmantel in über 150 Kilometer Tiefe eine Quelle für anorganische Kohlenwasserstoffe gibt. Wenn auch nach gängiger Ansicht Erdöl/Erdgas biotischen Ursprungs ist, ist es dennoch möglich, dass die Erde in der Tiefe eine eigene Klasse abiotischer Kohlenwasserstoffe hervorbringt.

Einen Hinweis geben neue Daten italienischer Geophysiker. Sie untersuchten an 238 Orten bei Schlammvulkanen, Subduktionszonen oder tektonischen Rissen in der Erdkruste die Ethan- und Propan Konzentration in der Atmosphäre. Wie sich zeigte, strömen dort grosse Mengen dieser Gase aus, die nur durch geothermische Prozesse entstehen können. Alljährlich gelangen so über 9 Millionen Tonnen in die Luft.

Vermutlich treffen also beide Theorien zu – die biotische wie die abiotische.

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