Aug09

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die britische Kronkolonie Indien zum grössten Teil erforscht, kartographiert und von Eisenbahnlinien durchzogen. Weitgehend unbekannt aber war noch immer das geheimnisumwitterte Tibet. Dort lebten die Menschen in einem feudalen System unter der Herrschaft der Lamas mit einem Priesterkönig, dem Dalai Lama, als geistiges Oberhaupt. Für Ausländer war Tibet ein streng verbotenes Land.

Potala Palast

Potala Palast

Als die tibetischen Herrscher Verhandlungsangebote der britischen Regierung über politische Kontakte ignorierten, führte dies 1903 zum britischen Tibetfeldzug. Lhasa, auf 3600 Meter Höhe damals die höchstgelegene Hauptstadt, wurde vorübergehend besetzt. Der 13. Dalai Lama floh in die Mongolei. Nun kamen erstmals Augenzeugenberichte und Fotos von Tibet und seiner Hauptstadt nach Europa.

Forscher wie Sven Hedin konnten nun, wenn auch noch unter vielen Schwierigkeiten, nach Tibet reisen und verlässliche wissenschaftliche Informationen sammeln. Eine der schillerndsten Persönlichkeiten, die aufbrachen, die Wunder Asiens persönlich zu erfahren, war die Französin, Alexandra David-Néel (1868–1969).

Alexandra David-Neel, © Preus Museum

Alexandra David-Neel, © Preus Museum

1911 startete sie zu ihrer zweiten Asienreise, die 14 Jahre dauern sollte. Sie durchwanderte als bettelnde Pilgerin den Himalaya, lebte zwei Jahre als Einsiedlerin in einer Steinhütte auf 4000 Metern und wurde in den Stand einer Lamina erhoben. Später überquerte sie von China aus zu Fuss das Himalaya Gebirge. Als Nonne verkleidet erreichte sie als erste Europäerin 1924 die verbotene Stadt Lhasa. Trotz ihres Status als Lama musste sie sich mit Russ und Schmutz tarnen, um im noch immer für Ausländer verbotenen Tibet nicht als Europäerin erkannt zu werden. Zwei Monate weilte sie in der sagenumwobenen Hauptstadt. Ihre Reisebücher lesen sich heute noch wie Abenteuerromane und sind sehr empfehlenswert.

Das Forschen zu jener Zeit umfasste alle wissenschaftlichen Disziplinen. Später sollte gezieltere Feldforschungen betrieben werden. So reiht sich der Schweizer Geologe, Augusto Gansser, auch Baba Himalaya genannt, unter die Bedeutenden.

Augusto Gansser 1933, © ETH-Bibliothek

Augusto Gansser 1933, © ETH-Bibliothek

Gansser begab sich 1936 zusammen mit Arnold Heim auf die erste Schweizer Himalaya-Expedition, die acht Monate dauerte. Dabei entdeckte er die geologische Nahtstelle zwischen der indischen – und der eurasischen Platte am Fusse des Kailash. Er war der erste Geologe, der diesen heiligen Berg in Tibet erforschte. Da das Betreten Tibets damals für Ausländer immer noch verboten war, unternahm Gansser die Umrundung des Kailash von indischem Boden aus als buddhistischer Pilger.

Der heilige Berg Kailash, © Augusto Gansser

Der heiligste Berg der Welt, Kailash, ist 6700 m hoch. 1936 fotografiert von Augusto Gansser auf seiner Pilgerreise durch das verbotene Tibet, © Augusto Gansser

 

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