Jul07

Das singhalesische Wort “turamali” heisst Farbgemisch.

Und es ist wahr, kein anderer Edelstein ist so farbenreich wie der Turmalin. Die Turmalin-Gruppe umfasst eine Reihe von Mischkristallen, deren Färbung von farblos (Achroit) über alle Farben des Regenbogens bis hin zu schwarz (Schörl) verläuft: Die Fotos zeigen in Folge den Achroit (farbloser T.), Dravit (bräunlicher T.), Indigolith (blauer T.), Rubellit (rötlicher T.), Verdelith (grüner T.) und Schörl (schwarzer T.).

AchroitdravitIndigolith Rosette

Rubellit Stufe  Verdelith Stufe  Schörl

Fotos: Internet

Typisch für Turmaline sind ein ausgeprägter Dichroismus (Zweifarbigkeit) bzw. Pleochroismus (Mehrfarbigkeit) und je nach Betrachtungswinkel und Beleuchtung zeigen sich unterschiedliche Farbintensitäten bzw. verschiedene Farbtöne. Am Bekanntesten sind die grün-roten “Wassermelonen-Turmaline”. Und die teuersten und exklusivsten Turmaline stammen aus dem brasilianischen Bundesstaat Paraiba. Sie bestechen durch ein intensiv-neonfarbiges Blau bzw. Grün.

Turmalin lässt keine Synthese zu!

Aufgrund seines komplizierten Chemismus ist der Turmalin zusammen mit dem Granat der einzige, kommerziell wichtige Edelstein, von dem bisher keine Synthese hergestellt werden konnte.

Die Turmalin-Gruppe umfasst eine ganze Reihe von Mischkristallen, die eine komplexe und variable chemische Zusammensetzung aufweisen, aber dieselbe Kristallstruktur. Die Zusammensetzung wird in der allgemeinen Formel  XY3Z6[(BO3)3T6O18(OH,O)3(OH,F,O)] umschrieben, mit den Gitterpositionen X, Y, Z und T, wobei für
X = (Ca, Na, K)
Y = (Mg, Li, Al, Mn, Fe2+, Fe3+, V, Cr, Ti, Cu)
Z = (Al, Mg, Cr, V, Fe3+, Ti)
T = (Si, Al, B, Be)
die Elemente in Klammer, in Abhängigkeit des Ausgangschemismus und des Kristallisationszeitpunkts eingelagert werden können.

Turmaline entwickeln durch Erwärmung bzw. Reibung eine elektrostatische Aufladung (Pyro- und Piezoelektrizität), die Staub und andere kleine Teilchen anzieht. Turmaline in Edelsteinqualität liefern aktuell Brasilien, Madagaskar, Nigeria, Namibia, Kenia, Sri Lanka, Afghanistan, Pakistan und – wie wir von den vorausgegangenen Beiträgen wissen – auch Sambia.

Geoindikator

Eine besondere Bedeutung kommt dem Turmalin in geowissenschaftlicher Hinsicht zu. Neben der Verwendung als Borhaltiges Silikatmineral ist die chemische Zusammensetzung stark abhängig von den jeweiligen Bildungsbedingungen. Somit können Turmaline als Indikatoren verwendet werden. Man kann zum Beispiel anhand des Eisens in Eisenturmalinen Aussagen zum Oxidationszustand machen. Das heisst man kann die Oxidationsbedingungen zur Zeit der Entstehung genau untersuchen. Weiterhin gibt der Eisengehalt generell Auskunft darüber, auf welcher Entwicklungsstufe vom magmatischen zum hydrothermalen Stadium der Turmalin sich bildete. Auch die verschiedenen Kristallisationsstadien in Pegmatiten werden in den Turmalinkristallen festgehalten, da sich die chemische Zusammensetzung in Form von Zonierungen an diese anpasst. Da der pyroelektrische Effekt in Begleitung von Ladungstrennung bei Temperaturänderung auftritt, ist eine Verwendung als Geothermometer eine weitere gute Möglichkeit Genesebedingungen zu untersuchen. Selbst in der Geochronologie finden Turmaline Verwendung. Da sie kleine, aber definierte Anteile K enthalten, sind sie in der Lage Ar aufzunehmen, siehe Kalium-Argon-Datierung.

Interessante Links:
–> HighTec Sägen von Turmalin
–> Tourmaline Mining in Brazil
–> Zambian Emerald Documentary Film

Verwandte Artikel:

  1. Dieses Gebäude ist Geologie
  2. Jungfraujoch – Top of Europe und das Meer ist ganz nah
  3. Turmaline in Deutschlands begehrtester Salatschüssel
  4. Weil er nun mal da ist – Mount Everest
  5. Die Schweiz ist steinreich!

Einen Kommentar erfassen



Die Lösung

Archiv