Jun19

Auf Spiess aufgewickelte gebratene GrillschneckeJedesmal wenn ich im Supermarkt oder auf einer Grillparty eine Grillschnecke sehe, muss ich an unseren Paläontologie-Professor an der Uni denken. Praktisch bei jeder Institutsparty auf der Dachterrasse wo auch Grillschnecken gegessen wurden, holte er aus seinem Fundus ein vergleichbares Exemplar eines Ammoniten – egal ob weit gewunden oder eng geschlungen – in der Ammonitenwelt existierte jede „Wurst“-Form bereits in der Vergangenheit.

Ammoniten gehören zur Klasse der Kopffüsser (Cephalopoden) und entwickelten sich über viele Jahrmillionen, bis sie am Ende der Kreidezeit zeitgleich mit den Dinosauriern ausstarben. Grillschnecken haben eine deutlich kürzere Lebenszeit und sterben jedes Wochenende den Massentod.

Ammonit mit stark verschnörkelten Lobenlinien, die die Kammertrennwände abbildenAmmoniten waren weltweit in den Meeren verbreitet. Dadurch eignen sie sich als wichtige Leitfossilien für stratigraphische Bestimmungen. Je weiter die Entwicklung fortschritt, desto dichter die Rippen auf der Aussenseite und desto verschnörkelter die Lobenlinien. Lobenlinien zeichnen den Verlauf der Kammerscheidewände an der Aussenschale eines Ammoniten nach (Bild unten). Ein so schön verziertes Stück muss deshalb aus der Kreidezeit stammen und kann nicht zu den frühen Ammonitenformen gehören. Die weltweite Verbreitung ermöglicht es zudem, Schichten auf Grund ihres Ammoniten-Inhaltes über weite Distanzen zu korrelieren.

Grillschnecke oder Steak – was haben Sie lieber vom Grill?

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4 Kommentare

  1. Juni 19th, 2012, 08:50
    Monika sagt

    Weder noch! Poulet ist angesagt. Aber das Grillen bereitet mir immer enormen Ärger. Kaum habe ich ein Stück vom Federfieh auf dem Rost, kommen auch ungeladene Gäste angeflogen. Ich sag nur: «Fliegen»! Kann mir mal einer erklären, warum sich die Biester immer um die Teller tummeln obwohl sie nicht eingeladen wurden. Das verdirbt mir total den Appetit und ich wünchte mir, dass aus allen Fliegen Versteinerungen würden.

  2. Juni 19th, 2012, 12:31
    drea sagt

    @Monika. Fliegen finde ich das kleinere Übel, mehr ärgern mich die Wespen, die sind noch schärfer auf Fleisch. Aber versteinerte Fliegen wären was Tolles, denn ohne eigentlichen Festkörper erhalten sie sich so gut wie nie. Da bliebe nur der berühmte Tropfen Baumharz, der zu Bernstein wird.

  3. Juni 23rd, 2012, 08:44
    Ludwig sagt

    Die Grillschnecke kann “einem nicht wurst” sein. Die sind nicht wie die Ammoniten einfach im Kreis herum gewachsen, nein, sie müssen von Hand in diese appetitanregende Form gebracht werden. Mindestens bis 2011: Letztes Jahr hat eine Firma endlich die Wurstschnecken-Herstellungsmaschine erfunden, die schafft jetzt 1200 bis 1800 Wurstschnecken pro Stunde. Reicht gerade. Natürlich hat die Firma dafür einen Innovationspreis erhalten. Recht so.
    http://www.youtube.com/watch?v=uLBWAuCvCQA

  4. Juni 25th, 2012, 16:03
    drea sagt

    @Ludwig: Was es nicht alles gibt! ich hätte noch gerne gesehen, wie die Maschine wirklich funktioniert, viel mehr als die Form, wo vermutlich der Wurstdarm reingepresst wird, hat man ja leider nicht gesehen. Und wie hält die Wurst zusammen ohne Spiessli? Faszinierend!

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