Jul26

Oolith - Gestein aus Ooiden. Dieses Exemplar stammt aus St-Ursanne im Kanton Jura.Nach den letzten verregneten Tagen und Wochen möchte ich wenigstens hier auf erdwissen.ch etwas Sommerstimmung verbreiten. Auf Wanderungen in der Nordwestschweiz, beispielsweise auf dem Jura-Höhenweg, trifft man immer wieder auf versteinerte Sandstrände.

Vielleicht sind Ihnen die meist hellen Steine, die aus vielen kleinen Millimeter grossen Chügeli zu bestehen scheinen, auch schon mal aufgefallen? Diese Chügeli werden «Ooide» genannt. Sie entstanden – und entstehen auch heute noch zum Beispiel in den Bahamas und im Arabischen Golf – in bewegtem Wasser in Strandnähe, wo zudem sehr viel Calciumkarbonat im Wasser gelöst ist; Sandkörner und Bruchstücke von Muschelschalen werden vom Wasser ständig hin- und herbewegt. Dabei werden die Kanten gerundet und Kalk setzt sich rundherum an.

Ooide im Dünnschliff. Rund um ein Quarzkorn (hier schwarz) setzte sich Kalk an in bewegtem Wasser.Es gibt zwei verschiedene Arten von Ooiden, solche mit radialem und solche mit konzentrischem (zwiebelartig) Aufbau. Der radiale Aufbau ist im Dünnschliff sehr gut zu erkennen (Massstab 200 μm). Ein Dünnschliff ist ein hauchdünnes (30 μm) Gesteinsscheibchen auf einer Glasplatte.

Mit zunehmender Überlagerung wachsen die runden Chügeli zusammen und es entsteht ein «Oolith». Wir finden heute also Strandablagerungen aus der Jura-Zeit in unseren Bergen, die zu festem Gestein geworden sind. Und mit Glück finden Sie sogar noch ein grösseres Bruchstück einer versteinerten Muschel.

Ich wünsche denen, die noch Ferien haben, aber auch uns anderen, endlich wieder schönes, sonniges Sommerwetter, damit wir die heutigen Strände entsprechend geniessen können.

 

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3 Kommentare

  1. Juli 27th, 2011, 21:44
    Alois sagt

    … immer auf den Wettergott vertrauen müssen – eine mühsame Sache. Der ganzen Sache ein Schnippchen geschlagen hat Renate: Sie hat sich die Strände in ihre Wohnung geholt. Aber schaut selber: http://www.renates-sandsammlung.de
    Cool.
    Auch der auf ihrer Website angegeben Link http://www.sand-abc.de ist lesenswert.

  2. Juli 28th, 2011, 08:37
    Mona Lisa sagt

    Sand zählt ja zu den nicht bindigen Böden und stellt einen bedeutenden Rohstoff für das Bauwesen, die Glas- und Halbleiterindustrie dar.
    In den Ferien ist es für mich immer faszinierend, was man alles am Strand so findet. Also ich meine jetzt nur was Sand, Steine und Muscheln anbelangt.
    Eine alternative zum Regenwetter wäre, mit Sand Bilder zu malen http://ostseemimi.wordpress.com/2008/04/26/malen-mit-sand-ein-video/

  3. Juli 28th, 2011, 20:53
    drea sagt

    @Alois: interessante Links. Renate hat in ihrer Sansammlung unter Sand&Co sogar ein Foto von rezentem Ooid-Sand aus Abu Dhabi.

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