Jul05


Was muss das für ein Anblick gewesen sein, als vor 145 Millionen Jahren eine Herde Brachiosaurier am Ufer der Tethys (Ur-Mittelmeer) entlang zog. Vermutlich am Rande einer Bucht waren die grossen Pflanzenfresser unterwegs; die einen schneller, die andern langsamer – das lässt sich aus der Spurweite herleiten.

Damit die Trittspuren im weichen Untergrund erhalten bleiben konnten, musste der Küstenabschnitt eine Weile trocken oder ohne Wasserströmung geblieben sein. Flut- oder Regenwasser hätte die Spuren verwischt. So sind die Spuren eingetrocknet oder mit einem schützenden Algenfilm überwachsen worden und dann erst mit neuem, feinem Sediment aufgefüllt und zugedeckt worden; immer tiefer bis sie durch den erhöhten Druck zu festem Stein wurden. Über 100 Millionen Jahre später vor ca. 6 Millionen Jahren wurde die Kalkschicht in der Jurafaltung am Weissenstein steilgestellt.

Dinospuren auf einer Kalkplatte in LommiswilSeit der Römerzeit wurde in Lommiswil im Kanton Solothurn Kalk abgebaut. Der sogenannte «Solothurner Marmor» wurde für Mauern, Brunnen und Innendekorationen verwendet. Der helle Stein ist voller Turmschnecken, die in diesem Flachmeer lebten. Als die Arbeiter auf die Kalkbank mit den Fährten stiessen, dachten sie erst, Elefantenspuren gefunden zu haben. Erst 1987 wurden die zahlreichen Fussabdrücke als Sauropoden-Spuren erkannt. Mehr als 300 Abdrücke wurden identifiziert und 9 Fährten zugeordnet.

Heute kann die Fährtenplatte von einer Aussichtsplattform aus bequem bewundert werden. Tafeln bieten Hintergrundinfos zu den Spuren und ihren Verursachern. Der Spaziergang vom Parkplatz/Bahnstation empfiehlt sich vor allem in den Morgen- und Abendstunden, wenn an den Rändern der einzelnen Abdrucke Schatten entstehen durch das flach eintreffende Licht.

Zum Beginn der Feriensaison: stellen Sie sich vor, Sie müssten den Strand mit den Riesenechsen teilen – fänden Sie das «cool» oder zum Davonrennen?

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3 Kommentare

  1. Juli 10th, 2011, 07:36
    Gregario sagt

    Den Strand möchte ich sicher nicht mit Riesenechsen teilen. Dort möchte ich meine Ruhe und an der Sonne irgendetwas lesen, zum Beispiel dies:

    Es war einmal ein schauriger,
    urzeitgemäßer Saurier.
    Er wohnte tief in den Morästen
    und hatte keinen Drang nach Westen,
    auch nicht nach Süden, nicht nach Norden,
    drum war auch nichts aus ihm geworden.
    So sehr man es bedauerte,
    der Saurier versauerte.
    Da er auf jeglichem Gebiete
    nichts weiter war als eine Niete,
    beschloss er kurz, sich zu verfärben
    und für die Nachwelt auszusterben.

    Heinz Erhardt

  2. Juli 10th, 2011, 16:16
    Fritz Keller (alt Gemeindepräsident Oberdorf) sagt

    Um genau zu sein, sind die Saurier-Spuren auf dem Gemeindegebiet von Oberdorf! Lommiswil wird oft genannt, weil der Steinbruch Nahe bei der Bahn-Haltestelle “Lommiswil im Holz” liegt.

  3. Juli 10th, 2011, 21:43
    drea sagt

    Vielen Dank für diese Präzisierung! Da habe ich auch wieder etwas gelernt. Und wir wollen ja nicht eine Gemeinde um ihre Ruhm bringen :-)

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