Jun07

Gesteinsstrukturen an der Stollenwand im Felslabor Grimsel. Ganggesteine drangen in den Granit ein.Die dritte Etappe der diesjährigen Tour de Suisse führt am Pfingstmontag von Brig über die Grimsel nach Grindelwald. Über unzählige Kurven wird es bergauf und bergab gehen, vorbei an gut gerundeten Graniten des Aar-Massivs.

Entstanden sind die kristallinen Gesteine des Aar-Massivs vor etwa 300 Millionen Jahren, als Magma aus dem Erdinnern vordrang und in rund 13 km Tiefe in der Erdkruste langsam erstarrte. Beim Abkühlen entstanden tiefe Klüfte, in die Millionen Jahre später weiteres flüssiges Gestein eindrang und zu Ganggesteinen erstarrte. Das Gestein kam näher an die Oberfläche, weil darüber liegendes erodiert wurde.

Kristallkluft. Auf den durchscheinenden Bergkristallspitzen sitzen vereinzelt rosa Fluoritoktaeder.Aber erst 200 Millionen Jahre später passierte wieder etwas, das Spuren hinterliess. Die nach Norden vorstossenden alpinen Decken überlagerten das Aar-Massiv und drückten es wieder zurück in die Tiefe. 12 km unter der Erdoberfläche war das Gestein Temperaturen von 450 °C und Drucken von 300 MPa ausgesetzt; dabei bildeten sich Schieferungen und Störzonen. Vor 16 Millionen Jahren wurde das Gestein wieder gehoben, es entstanden erneut Klüfte, in denen sich teils wunderschöne Kristalle bildeten. Beim Vorbeiflitzen mit dem Velo sieht man diese Kristalle aber nicht, die wollen mit Ausdauer gesucht und gefunden werden. Wer es einfacher mag, kann die Kristallkluft in der Gerstenegg besuchen im Rahmen einer Führung der Kraftwerke Oberhasli oder des Felslabors der Nagra.

Landschaft auf dem Grimselpass. Eis schliff den harten Granit rund.In geologisch jüngster Zeit gaben die Gletscher der Landschaft ihr heutiges Bild. An der Grimsel fällt auf, dass viele Oberflächen des anstehenden Granits gerundet sind. Nur weit oben an den Kreten ragen eckige Spitzen in den Himmel. Die Rundungen sind das Resultat jahrelanger Arbeit des Eises, das am harten Gestein geschabt hat.

Die Hebung des Aar-Massivs hält auch heute noch an und beträgt 0,5 bis 0,8 mm pro Jahr. Weil aber gleichzeitig durch Erosion auch Gesteinsmaterial abgetragen wird, wird der Grimselpass nicht immer höher, so dass auch bei einer nächsten Tour de Suisse, wenn die Strecke wieder einmal über die Grimsel führt, die Fahrer nicht noch höher pedalen müssen – ist meiner Meinung nach auch so schon eine eindrückliche Leistung.

Sind Sie selber auch schon mal mit dem Velo über den Grimselpass gefahren? Oder stellen Sie sich in der kommenden Woche lieber einmal an die Strecke und jubeln den Velofahrern zu?

Verwandte Artikel:

  1. Grand Canyon – internationaler Sitz der Götter
  2. Wenn es viel regnet, rutscht der Berg
  3. Gesteine entstehen und vergehen in einem Kreislauf
  4. Der Zahn der Zeit nagt auch am Rheinfall
  5. 12 Kubikkilometer Gestein donnerten ins Tal

6 Kommentare

  1. Juni 7th, 2011, 20:57
    Ludwig sagt

    Was heisst hier “über den Grimselpass fahren” o-d-e-r “den Velofahrern zujubeln”? Das kann man bestens verbinden. Das sieht dann so aus: Man fährt mit dem Rad den Pass hoch und freut sich an der Vorbeifahrt der 160 Rennfahrer. Und toll: An diesem Tag kann man zwischen zwei Passstrassen wählen. Entweder den Grimselpass (wie oben gelesen mit geologisch eindrücklicher Vergangenheit und sehr gut ausgebauter breiter Strasse) oder den Pass “Grosse Scheidegg” (geologisch hinter dem Grimsel zurückstehend, aber sehr nette schmale, zum Teil noch nicht asphaltierte Strasse in reizender Landschaft). Die Grosse Scheidegg wurde von der Tour de Suisse erstaunlicherweise erst 1996 erstmals in den Parcours aufgenommen. Der Strassenstaub hat also die Schweisstropfen von Koblet und Kübler noch nicht aufsaugen müssen.
    Und zugegeben: Wenn das Wetter am Pfingstmontag saumässig ist, dann fahre ich weder über den Grimsel n-o-c-h juble ich den Velofahrern zu, sondern mache es mir zu Hause gemütlich.

  2. Juni 8th, 2011, 20:06
    Alois sagt

    Kurvenreich – schöne Bilder zu kurvenreichen Radrennen zeigt auch
    http://www.youtube.com/watch?v=ldNqXpdytuA

    Aber bitte nur die ersten 0:15 Sekunden des 1:17 dauernden Videos ansehen.
    Optisch wunderschöne 15 Sekunden – finde ich. Radsport hat optisch eben sehr viel zu bieten.

    Habe ich nicht gesagt: Nur die ersten 15 Sekunden???? Musstet ihr jetzt das ganze Video ansehen? Die Illusion, Radsport habe etwas mit alternativer Fortbewegung oder gar mit Umweltschutz zu tun, ist damit natürlich gestorben. Während des ganzen Restes des Videos: benzinschluckende Motorräder und Begleitfahrzeuge! Jiih!

    Na ja, auch Martin Bäumle von der Grünliberalen Partei hat ja öffentlich schon mehrmals zugegeben, dass er “bekennender Formel-1-Fan” sei!! ……. um gewisse Gegensätze, die einem nicht gefallen, kommt man halt als Sportfan nicht herum. Da habe ich es als Radsport-Fan aber trotz allem noch einfacher als Martin Bäumle.

  3. Juni 9th, 2011, 08:41
    Matthias Knill sagt

    Als Organisator der TORTOUR (www.tortour.ch) , dem ersten mehrtägigen Non-Stop-Radrennen der Schweiz, kommt natürlich schon etwas Neid auf.
    Leider können wir die Grimsel nicht in unser Programm aufnehmen. Neben dem Flüela, Julier, Oberalp, Gotthard und Nufenen wollen wir unseren Athletinnen und Atleten im August nicht noch einen weiteren der wirklich grossartigen Schweizer Pässe zumuten.
    Grund genug, die Ereignisse an der Grimsel live vor Ort zu verfolgen oder selber wieder einmal die eindrückliche Strecke entlag der wunderschönen Stauseenlandschaft auf den Rad zu bezwingen – vielleicht lässt sich der Abstecher aus dem Flachland ja auch mit einem Besuch im spanneden Felslabor der Nagra kombinieren…

  4. Juni 9th, 2011, 10:26
    drea sagt

    tortour – klingt schon total anstrengend…
    zum Besuch im Felslabor: das geht nur gegen Voranmeldung; am Montag muss man sich also mit der tollen Bergwelt und den fitten Velofahrern an der Tour de Suisse begnügen.

  5. Juni 9th, 2011, 17:08
    Ludwig sagt

    Die Wetterprognose der NZZ (NZZonline) lautet für Montag: “Wechselnd bewölkt und etwas Regen, in den Bergen Schnee”.
    Ein Grund, die Fahrt auf den Grimsel nicht selber zu machen, sondern bei andern “aufzusitzen”. Mitfahrtgelegenheit unter http://www.youtube.com/watch?v=fxTnycQtA9I. Man fährt noch über die alten Strassenstücke, wo der motorisierte Verkehr heute durch Tunnels läuft.

  6. Juni 15th, 2011, 17:29
    Jesko sagt

    Toller Post, ich komme nun oefter

Einen Kommentar erfassen



Die Lösung

Archiv