Apr26

Tropfstein Querschnitt Anwachs-SchichtenTropfsteine sind ohne Zweifel faszinierende Gebilde. Wissenschaftler betrachten sie aber mit ganz anderen Augen. Ein schön gerader, langer Tropfstein lässt da so manches Forscherherz schneller schlagen – was da nicht alles an Klima-Informationen enthalten sein kann! Tropfsteine besitzen nämlich Wachstumsringe (ähnlich wie bei Bäumen), die einiges über die Umweltbedingungen bei der Entstehung verraten.

Von einem längs zersägten Tropfstein werden in kleinsten Abständen (0,1 mm) Proben entnommen und darin das Verhältnis unterschiedlich schwerer Sauerstoff- und Kohlenstoff-Isotope gemessen. Aus der Zusammensetzung des Sauerstoffs lassen sich Warmphasen und Kaltphasen der Klimaentwicklung unterscheiden. In warmen, niederschlagsreichen Phasen wachsen Tropfsteine zudem schneller. Aus den Kohlenstoff-Isotopen lässt sich ableiten, ob die Vegetation Gras- oder Baum-dominiert war. Weitere Erläuterungen zur Auswertung von Isotopenuntersuchungen finden Sie >> hier.

Wenn man das ungefähre Alter eines Tropfsteines kennt, lassen sich unter Umständen Parallelen zwischen der „tropfsteinigen Klimakurve“ und kulturhistorischen Ereignissen ziehen. Ist es nämlich über längere Zeit kalt und trocken, verändert sich Flora und Fauna an der Erdoberfläche. Jahrelang schlechte Ernten dürften gewisse Völker zur Abwanderung gezwungen oder sie sogar vernichtet haben.

Unsere Anwesenheit in Höhlen zerstört einen Teil der Tropfsteine. Überall wo wir hintreten und oder wo wir etwas berühren, wächst der Kalk nicht mehr weiter, weil wir eine hauchdünne Fettschicht hinterlassen.

Also denken Sie daran bei Ihrem nächsten Höhlenbesuch, nicht unnötig Tropfsteine berühren!

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3 Kommentare

  1. April 26th, 2011, 20:27
    Alois sagt

    Passt zwar nicht 100%ig zum Thema, aber trotzdem: In der NZZ am Sonntag (resp. NZZonline) vom 24. April 2011 war gerade ein Artikel zu lesen über ein erst kürzlich im Höllloch entdecktes Tier, den Pseudoskorpion “Pseudoblothrus infernus”. Diese Art soll einzigartig sein und sonst nirgendwo auf der Welt vorkommen. Gefunden wurde erst ein Männchen – war wohl zu vorwitzig.
    Zeitungsbericht unter: http://www.nzz.ch/nachrichten/hintergrund/wissenschaft/suche_nach_unterirdischem_leben_1.10361183.html

  2. April 28th, 2011, 14:00
    Mona Lisa sagt

    Gut zu Wissen! Diese Tropfsteinhöhlen sind nämlich sehr faszinierend. Die haben irgendwas müstisches an sich, als müsste man innehalten und eine Weile verweilen.

  3. April 29th, 2011, 13:54
    Frido sagt

    Guter neuer Beitrag! Ich werde da noch mal genauer recherchieren!

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